Bildung im Vorübergehen:

Robert-Franz-Ring

Zusatzschild-Text:
Liederkomponist, Universitätsmusikdirektor, Leiter der halleschen Singakademie, Ehrenbürger der Stadt Halle
Spender
gespendet von Michael Woudenberg, Katharina Fahl und Peter Vogler
Status:
realisiert

Robert Julius Knauth gen. Franz (1815-1892)

Robert Franz gehört zu den bedeutenden Liederkomponisten des 19. Jahrhunderts. Geboren wurde er in der Brunoswarte – nahe der Moritzkirche – am 28.06.1815 als Sohn der Hallorenfamilie Knauth. Sein Vater, ein Salzwagenlädermeister, änderte seinen Namen in „Franz“. Das Geburtshaus von Robert Franz wurde leider zu DDR-Zeiten abgerissen.

Ab 1828 wird er Schüler der Latina. Dort wird bereits seine musikalische Begabung entdeckt. Er singt im Chor und begleitet diesen auch am Klavier. Das Klavierspielen erlernt er überwiegend als Autodidakt, da er keinen regelmäßigen Musikunterricht bekommt. Erst in Dessau erhält er in der Zeit von 1835–37 durch Hofkapellmeister Friedrich Schneider regelmäßig regulären Musikunterricht. Danach kehrt er endgültig nach Halle zurück.

Um 1840 gelingt es Robert Franz, Kontakt zu Universitätskreisen aufzunehmen. Neben der Teilnahme an politischen und philosophischen Debatten (Zeit des „Vormärz“ – vor der 1848er Revolution) führt ihn dies zu Kompositionen über Natur- und Liebesleben. Als Text wählt er Gedichte u.a. von Heinrich Heine, Nikolaus Lenau, Joseph von Eichendorff und Eduard Mörike. Franz will eine Verbindung knüpfen zwischen altem Volkslied und protestantischem Choral. Diesen kennt er bereits aus seinem Elternhaus: sein Vater pflegte abends seiner Familie Lieder aus dem „Geistreichen Gesangbuch“ von Johann Anastasius Freylinghausen vorzutragen.

1841 wird er Organist an der Ulrichskirche, bereits ein Jahr später Dirigent der Singakademie Halle. Diese war damals eine der ältesten Chorvereinigungen Deutschlands und wurde auf Vorschlag von August Hermann Niemeyer, der von der Berliner Singakademie beeindruckt war, 1814 gegründet. Durch Robert Franz wurde der Chor zu einem der bedeutendsten Kulturträger der Stadt Halle, der deutschlandweit bekannt war. Zu erwähnen ist, dass die Proben in der Regel im Saal des Hotels und Gasthofs „Zum Kronprinzen“ in der Kl. Klausstraße 16 stattfanden. In diesem Gebäude in der Nähe des Marktes – jetzt wahrnehmbar als „Poliklinik Mitte“ – fanden regelmäßig Theater- und Konzertveranstaltungen statt (u.a. 1835 ein Konzert mit Clara Wieck, der späteren Frau von Robert Schumann).

Als Leiter der Singakademie hat Robert-Franz sich mit eigenen Bearbeitungen Händelscher Oratorien große Verdienste um die Etablierung der Werke Georg Friedrich Händels in Deutschland erworben. Seine Bearbeitung im romantischen Klangbild des erweiterten Orchesters konnte man im Oratorium „L’Allegro“ in einer Aufführung mit der Robert-Franz-Singakademie bei den diesjährigen Händelfestspielen im Dom erleben. Robert Franz heiratet 1848 Marie Hinrichs – eine Professorentochter und selbst Liederkomponistin.

1859 erhält er die Stelle des Universitätsmusikdirektors der Universität Halle-Wittenberg. Franz komponiert über 350 Kunstlieder, Chorwerke, zahlreiche Bearbeitungen von Kompositionen Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels. Befreundet war er u.a. mit Franz Liszt und Robert Schumann. Dieser äußert sich in seiner „Neuen Zeitschrift für Musik“ lobend über sein Liedschaffen. 1867 wird Franz wegen eines Gehör- und Nervenleidens beurlaubt und muss schließlich alle seine Ämter aufgeben.

Zum 70. Geburtstag wird Robert Franz durch die Stadtverordnetenversammlung zum Ehrenbürger ernannt. Er stirbt am 24. Oktober 1892. Sein Grab befindet sich auf dem Stadtgottesacker. Sein Sterbehaus in der Luisenstraße 8 ist noch als Wohnhaus erhalten.

1893 benennt man den heutigen Robert-Franz-Ring (seit 1927) als Robert-Franz-Straße nach ihm. 1903 wird ihm ein Denkmal errichtet, das sich noch heute am Universitätsring befindet. Seit 1907 trägt die Singakademie seinen Namen. Auch eine Musikschule im Robert-Franz-Ring 9b ist nach ihm benannt.

In der Gegenwart wird das Andenken an Robert Franz auch durch das neue Musikmuseum im Friedemann-Bach-Haus wach gehalten – in unmittelbarer Nähe des Robert-Franz-Rings. Dort befinden sich u. a. ein Blüthner-Flügel und Einrichtungsgegenstände aus dem Besitz von Robert Franz.

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