Bildung im Vorübergehen:

Jacobstraße

Zusatzschild-Text:
Rübenzuckerfabrikant, Kommunal- und Landespolitiker, Förderer der Stadt im 19. Jahrhundert
Spender
gespendet von Wohnungsbaugenossenschaft Eisenbahn, Maria Kube, Ingrid und Hubertus Schiller, Prof. Brigitte Schmeja und Antje Löhr-Dittrich
Status:
realisiert am 25.02.2019

Karl August Jacob (1798-1866)

Karl August Jacob wurde am 5. April 1798 als zweiter Sohn des Arztes Karl Gottlieb Jacob (1765–1813), in Halle geboren. Seine Mutter war Charlotte Jacob (1775–1841), Tochter des Simon Georg Klügel (1739–1812), der als Professor der Mathematik in Helmstedt lehrte. Karl Gottlieb Jacob studierte in Halle bei so bekannten Professoren wie Meckel, Reil, Goldhagen und Sprengel Medizin und wählte den Beruf eines niedergelassenen Arztes. Er bezog mit der Familie eine gut gelegene Wohnung in der Großen Steinstraße 10. Karl August konnte das lutherische Gymnasium und die Franckeschen Stiftungen in Halle besuchen, begann aber nach dem frühen Tode des Vaters durch Lazarett-Typhus eine Kaufmannslehre bei einer Leipziger Firma, die ihm nach dem Militärdienst auch nach Braunschweig zur Firma J. M. Grassau & Sohn und 1823 zum Amsterdamer Handelshaus F. P. Schweffel führte.

Nach Halle kehrte er 1825 zurück. Mit nur 28 Jahren wurde er 1826 Mitinhaber der Materialwarenhandlung Friedrich Dürcking & Co. Erste wirtschaftspolitische Erfahrungen sammelte er im Verein für Hallischen Handel, dem er 1832 beitrat und ab dem Folgejahr als Sekretär diente. Hier wirkte er u.a. mit Ludwig Wucherer eng zusammen. Ihrer Nachfolgeorganisation, der Handelskammer, gehörte er seit 1845 als Mitglied an und wurde 1849 in der Nachfolge Wucherers zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt führte er mit großem Erfolg für die regionale Industrieentwicklung bis 1865 aus.

Die mit der Industrialisierung der Wirtschaft verbundenen Chancen und Erfordernisse erkannte Jacob frühzeitig und war 1835 an der Gründung der "Hallischen Zuckersiederei auf Actien" beteiligt. Dabei handelte es sich um nicht weniger, als die erste moderne industrielle Produktionsstätte in der Stadt. Als Direktor der Fabrik setzte er sich neben den unmittelbaren Zielen der Firma auch für strategische Ziele der mitteldeutschen Zuckerindustrie ein. Dazu gehörte der Kampf um eine höhere Verzollung des eingeführten holländischen Rohrzuckers und die Absenkung der Handelszölle für Zucker innerhalb der Deutschen Zollunion. Jacob saß im Vorstand des 1850 gegründeten Vereins der Deutschen Zuckerindustrie und erreichte 1861 die Steuerrückvergütung beim Zuckerexport in Sachsen.

1849 wurde er als Abgeordneter der Altliberalen Mittelpartei für den Wahlkreis Merseburg Mitglied des preußischen Landtags, dem er bis 1863 angehörte. Er gehörte zu den Gründern der Sächsisch-Thüringischen Braunkohlen-AG und förderte den Eisenbahnbau und die landwirtschaftliche Produktenbörse. Für seine Mitbürger engagierte er sich als Stadtverordneter seit 1843 und wurde bereits 1845 zu deren Vorsitzenden gewählt.

Für seine Verdienste wurde er mit dem Rothen Adlerorden 4. Klasse und der Berechtigung zur Führung des Titels eines Kommerzienrathes durch das preußische Königshaus ausgezeichnet.

Karl August Jacob verstarb am 25. März 1866 unverheiratet und kinderlos in seiner Heimatstadt Halle. Der große Trauerzug von seinem Wohnhaus am Hospitalplatz 71, die spätere Glauchaer Straße, zu seiner Grabstätte im Mittelteil des Stadtgottesackers der sich ihm zu Ehren am 28. März bildete, kann als Zeugnis der Dankbarkeit der Hallenser für sein Wirken gelten.

Ralf Jacob, M.A.
Leiter Stadtarchiv Halle (Saale)

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