Bildung im Vorübergehen:

Anna-Schubring-Straße

Zusatzschild-Text:
Lehrerin, Erste Vorsitzende des Hallischen Lehrerinnenvereins, Mitbegründerin des Hallischen Frauenbildungsvereins
Spender:
gespendet von Courage e. V. Halle
Status:
Vorschlag

Anna Schubring (1852 – 1938)

Am 9. März 1852 wurde Anna Schubring als 5. Kind des Pastors Gustav Schubring (1809-1856) in Alsleben an der Saale geboren. Ihre Mutter Amalie war die Tochter des Probstes Heinrich Brunn aus Wörlitz. In ihrem vierten Lebensjahr starb der Vater, die Mutter zog mit den nunmehr sieben Kindern nach Halle. Hier nahm sie Pensionärinnen in ihrem Haus im Kleinen Lerchenfeld 3 in Glaucha auf, um den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. Später wohnten die Schwestern in der Karlstraße (heute Heinrich-und-Thomas-Mann-Straße).

Während die drei Söhne auf die Latina gingen, besuchten die vier Mädchen die höhere Mädchenschule der Franckeschen Stiftungen. Ihre weitere Ausbildung erhielt Anna Schubring in der Königlichen Luisenstiftung in Berlin. Nachdem sie in Berlin die Lehrerinnenprüfung abgelegt hatte, arbeitete sie einige Jahre in der Familie des Abgeordneten Graf Bethusy-Huc. Hier lernte sie Helene Lange kennen, die die drei Töchter des Grafen in Literatur und Geschichte unterrichtete.
Im Anschluss arbeitete Anna Schubring als Erzieherin in England. Anschließend in Bonn übte sie an der Schule ihrer Namensvetterin aus der Bonner Linie der Schubringschen Familie ihre erste Schultätigkeit aus.
1881 kehrte sie nach Halle zurück und lehrte an der Schule von Agnes Stange (dem späteren Seydlitz-Lyceum). Zugleich gab sie zwei Jahre lang Englischunterricht am Lehrerseminar der Franckeschen Stiftungen.

Zu Pfingsten 1890 berief Helene Lange die Lehrerinnen nach Friedrichroda in Thüringen zur ersten deutschen Lehrerinnentagung, die zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen-Vereins führte. Anna und Marie Schubring gehörten zu den Mitgründerinnen. 1895 wurde Anna Schubring 1. Vorsitzende der halleschen Ortsgruppe dieses Vereins, die sie über 25 Jahre lang leitete. Gemeinsam mit ihrer Schwester setzte sie sich für die Erziehung und Bildung von Mädchen ein. Sie warben für eine vertiefte Lehrerinnenausbildung und für die Anerkennung des Standes der Lehrerinnen.
Auch in dem von Dr. Agnes Gosche 1900 gegründeten Frauenbildungsverein waren die Schwestern Schubring engagiert. Dieser Verein bemühte sich um die Zulassung der Mädchen zu den höheren Knabenschulen und um gleiche Rechte. Es gab Fortbildungskurse für schulentlassene Mädchen auf kaufmännischem Gebiet, eine Auskunftsstelle für Frauenberufe und Bildungsmöglichkeiten für Frauen, eine Rechtsberatungsstelle für unbemittelte Frauen sowie eine Gruppe für soziale Hilfsarbeit mit Kinderasyl.

1912 schied Anna Schubring aus dem Schuldienst aus, widmete sich aber weiterhin ihren Aufgaben in der Frauenarbeit. Im Ersten Weltkrieg übernahm sie wiederum mit Ihrer Schwester Marie die Leitung des Büros vom Nationalen Frauendienst. Nach dem Krieg gab sie auch ihren Vorsitz im Lehrerinnen-Verein ab, den Fragen der Frauenbewegung blieb sie verpflichtet. Sie veröffentlichte Artikel, Berichte, Buchbesprechungen und hielt Vorträge über die Frauenbildungsarbeit. Ihre dichterische Begabung und ihr Humor werden in Beiträgen über sie gerühmt.

Am 4. April 1938 starb Anna Schubring nach kurzer Krankheit in Halle. Auf dem Nordfriedhof ist sie neben ihren Geschwistern beigesetzt.

Anna Schubrings Großnichte Ilse Michel sagte über ihre Patentante:
„Sie bleibt für mich eines meiner Leitbilder, klug, gütig, fromm und bescheiden.“

Ella Manz, Lehrerin und Mitstreiterin im Frauenbildungsverein, schrieb über Anna Schubring:
„Alle Lehrtätigkeit von Anna Schubring war nicht nur von einem reichen Wissen getragen, es verband sich damit ein verständnisvolles Eingehen auf die Schülerinnen und eine herzliche Anteilnahme an jeder einzelnen, so gedenken viele ihrer in Dankbarkeit und Verehrung.“


Quellen:
Stadtarchiv Halle: S15 SCHUB Nr. 212, Nr. 1 und 2., S15 MAN N14 Nr. 214, Nachlass Gosche N9 Nr. 69 a-g.
Hallesche Nachtrichten, verschiedene Ausgaben, Digitalisat der ULB Halle.
Lisa Albrecht-Dimitrowa: Anna Schubring (09.03.1852 – 04.04.1938). In: Frauenleben – Frauenalltag – gestern und heute. Hallenserinnen – Biographische Skizzen. Teil 1. Projektgruppe des Courage e. V., Halle 1995, S. 19-24.

 

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