dazwischenfunken BarCamp 2026

Das "dazwischenfunken BarCamp 2026" hat am 04.06.2026 in Halle stattgefunden. Ziel war es, vor den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt rund 80 noch nicht wahlberechtigten jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Stimmen, Perspektiven und Forderungen zu äußern und Mitbestimmung zu erleben, auch ohne formales Wahlrecht. Dabei sollten insbesondere spannende Diskussionsräume entstehen, in denen Jugendliche ihre eigenen Themen einbringen können. Das offene BarCamp-Format bot hierfür viel Freiraum und Eigeninitiative. Zum Abschluss des Tages konnten Jugendliche in Praxisworkshops die Themen vertiefen und kreativ zum Ausdruck bringen.


Beim Dazwischenfunken BarCamp 2026 standen die Themen im Mittelpunkt, die Jugendliche aktuell bewegen. Die jugendliche Planungsgruppe entwickelte das Programm selbst und setzte dabei auf Inhalte, die ihre Lebensrealitäten, Fragen und Zukunftsvorstellungen widerspiegeln.

In verschiedenen Sessions wurde über Mental Health, Nachhaltigkeit, Ostidentität, Schulklima, Freiräume & Clubkultur, Mitbestimmung und selbst gewählte Themen diskutiert. Die Teilnehmenden tauschten Erfahrungen aus und entwickelten aus ihren Ideen Forderungen. Gemeinsam mit Jan Schipman konnten die Jugendlichen Einblicke in die Arbeit in der Medienbranche gewinnen, Fragen stellen und eigene Perspektiven auf Medien und Öffentlichkeit einbringen. Darüber hinaus bot das BarCamp mit dem Format Open Space Raum für spontane Themen und Anliegen. Jugendliche konnten eigene Fragen, Sorgen oder Diskussionen einbringen. Dadurch entstand ein vielfältiger Austausch, in dem jede Stimme Platz finden konnte.

Das Dazwischenfunken BarCamp 2026 zeigte einmal mehr, wie wichtig Räume sind, in denen junge Menschen ihre Themen setzen, voneinander lernen und gemeinsam Zukunft gestalten können.

Was fordert die Jugend?

Ergebnisse aus den Sessions

Mental Health

Weniger Schuldruck

Lange Schulwege und viele Klausuren in kurzer Zeit führen dazu, dass Jugendliche wenig Freizeit haben und sich gestresst fühlen. Lösungen in Halle könnten sein: weniger Klausuren in einer Woche, bessere Planung von Prüfungen, mehr Freizeitangebote wie Fußballplätze und andere kostenlose Aktivitäten sowie günstigere oder kostenlose öffentliche Verkehrsmittel, damit Jugendliche ihre Freizeit besser nutzen können.

Konsequenzen bei Mobbing

Jugendliche fordern stärkere und gerechte Konsequenzen bei Mobbing, die Täter zum Nachdenken bringen. Gleichzeitig wünschen sie sich, dass nicht alle bestraft werden, sondern die Verantwortlichen gezielt zur Verantwortung gezogen werden. Außerdem wird in der Schule oft zu wenig oder erst sehr spät über Mobbing gesprochen und aufgeklärt. Deshalb wünschen sich Jugendliche mehr Prävention, Gespräche und Unterstützung.

Mehr Beratungsangebote

Viele Jugendliche wissen nicht, wo sie Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen erhalten oder an wen sie sich bei psychischen Belastungen wenden können. Deshalb fordern sie bessere und leichter zugängliche Informationsangebote über Hilfs- und Beratungsstellen.

 

Schulklima

Mehr politische Bildung

Jugendliche fordern mehr politische Bildung und Aufklärung, da sie sich von komplizierten und unverständlichen Wahlprogrammen oft überfordert fühlen. Außerdem wünschen sie sich mehr Möglichkeiten zur Mitbestimmung und Teilhabe an politischen Entscheidungen.

Notensystem reformieren

Jugendliche wünschen sich individuellere Lehrpläne nach eigenen Interessen. Statt Noten wünschen sie sich Begleitgespräche über ihre Entwicklung oder ein Punktesystem. Außerdem sollen Fächer wie Kunst, Sport und Musik, stärker gefördert statt benotet werden sowie Themen, die auf das Leben vorbereiten.

Pädagogik in Lehrerausbildung

Die Lehrerausbildung soll stärker auf Pädagogik ausgerichtet sein. Viele Jugendliche fühlen sich von Lehrkräften zu wenig unterstützt und motiviert. Außerdem wünschen sie sich mehr Fortbildungen für Lehrer*innen, um Vertrauen zu stärken.

Mehr Rückzugsorte

Jugendliche wünschen sich mehr Rückzugs- und Ruheorte innerhalb der Schule. Diese Orte sollen helfen, Stress abzubauen und sich zwischendurch zu erholen. Viele wünschen sich außerdem mehr Raum für persönliche Sorgen, Gespräche und Unterstützung. Dadurch kann eine angenehmere Lernatmosphäre entstehen.

Ostidentität

Mehr als nur ein "Ossi"

Für viele Menschen ist der Begriff „Ossi“ noch immer mit Vorurteilen oder bestimmten politischen Vorstellungen verbunden. Viele Jugendliche verstehen ostdeutsche Identität jedoch eher als regionale und kulturelle Zugehörigkeit. Sie wünschen sich, dass stärker über die weiterhin bestehenden Unterschiede und Ungleichheiten zwischen Ost- und Westdeutschland gesprochen wird. Auch mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es in einigen Bereichen noch keine vollständige Chancengleichheit.

Gegen Vorurteile und Schubladen

Jugendliche fordern, dass Schubladendenken überwunden wird und Menschen nicht aufgrund ihrer Herkunft bewertet werden. Sie betonen, dass ostdeutsche Identität nichts mit Geschlecht, politischer Einstellung oder Sexualität zu tun hat, sondern vor allem mit regionaler Herkunft und persönlichen Erfahrungen verbunden ist.

Aufklärung und Bildung

Jugendliche fühlen sich oft von Wahlprogrammen und politischen Themen überfordert und wünschen sich mehr Unterstützung durch die Schule. Sie fordern eine bessere politische Bildung, um Zusammenhänge zu verstehen und sich eine eigene Meinung bilden zu können. Viele haben das Gefühl, nicht ausreichend auf Wahlen vorbereitet zu werden und möchten mehr sachliche Informationen erhalten. Auch die Bedeutung ostdeutscher Identität und ihre Verbindung zu Geschichte und persönlichen Erfahrungen soll dabei stärker berücksichtigt werden.

Nachhaltigkeit

Ein Rad braucht einen Weg

Jugendliche fordern mehr Fahrradwege und Fahrradständer, sichere Radwege sowie mehr Rücksichtnahme durch Autofahrer*innen. Zudem müssen Schlaglöcher und andere Schäden an den Verkehrswegen schneller repariert werden. Gute Fahrradinfrastruktur fördert die nachhaltige Mobilität und erhöht die Sicherheit im Straßenverkehr, denn: Ein Rad braucht einen Weg.

Ein inklusives Miteinander

Jugendliche fordern höhere Investitionen in Bildung und Freizeit, mehr Möglichkeiten zur Mitbestimmung sowie barrierefreie Zugänge, damit alle Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und ein inklusives Miteinander gelingt.

Flexibel unterwegs

Die Jugendlichen wünschen sich ein verbessertes Schülerticket, das auch in der Freizeit, während der Ferien und in den Abendstunden genutzt werden kann. Dies würde Jugendlichen mehr Selbstständigkeit und Flexibilität ermöglichen und zugleich die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel fördern, wodurch die Umwelt entlastet wird.

 

Mitbestimmung

Mitreden...

Jugendliche wünschen sich mehr Mitbestimmung, besonders in der Schule. Sie fordern mehrere Klassensprecher*innen, eine stärkere Schülervertretung sowie mehr Möglichkeiten, Regeln und Abläufe gemeinsam zu besprechen. Schule soll ein Ort sein, an dem demokratische Entscheidungen erlebt und erlernt werden. Wichtig sind außerdem Feedbackboxen und der Ausbau von Schülervollversammlungen als Räume für Austausch und Beteiligung.

...und gehört werden

Viele Jugendliche bemängeln fehlende Informationen über Veranstaltungen, Diskussionen und bestehende Mitbestimmungsmöglichkeiten. Besonders an Gymnasien werden die Beteiligungsmöglichkeiten als eingeschränkt wahrgenommen. Gefordert werden mehr Mitbestimmung bei Schulprojekten und Freizeitangeboten sowie ein Punktesystem zur Selbstreflexion und Selbsteinschätzung, das die Schüler*innen aktiv einbezieht.

Halle besser machen

Die Jugendlichen wünschen sich Veränderungen in Halle. Sie fordern mehr Bürgernähe, weniger Autoverkehr sowie Schulsozialarbeit an jeder Schule. Außerdem wünschen sie sich einen respektvolleren und freundlicheren Umgang miteinander sowie mehr Möglichkeiten zur Müllentsorgung, um die Stadt sauberer zu halten.

Clubkultur & Freiräume

Mehr Sicherheit

Jugendliche wünschen sich Veranstaltungsorte, an denen sie sich willkommen fühlen können. Dazu gehören jederzeit erreichbare Awareness-Teams als Ansprechpersonen bei Konflikten, Belästigung oder Diskriminierung sowie wirksame Maßnahmen gegen das heimliche Verabreichen von Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen in Getränke. Darüber hinaus soll das Umfeld von Clubs, Veranstaltungsorten und öffentlichen Treffpunkten sicher gestaltet werden. Dazu gehört auch eine bessere Beleuchtung von Straßen, Wegen und Plätzen, da viele Jugendliche schlecht beleuchtete Bereiche als unsicher wahrnehmen.

Sichtbarkeit

Jugendliche möchten besser über Kultur- und Freizeitangebote informiert werden. Sie fordern eine stärkere Sichtbarkeit von Veranstaltungen durch bessere Informationskanäle und bezahlbare Werbemöglichkeiten. Zudem sollte der öffentliche Nahverkehr stärker an Veranstaltungszeiten angepasst werden, damit kulturelle Angebote einfacher und sicherer erreichbar sind.

Zugänglichkeit

Jugendliche fordern ein vielfältiges Veranstaltungsangebot, das unterschiedliche Musikgeschmäcker und Interessen anspricht. Dazu gehören mehr Veranstaltungen für Menschen ab 16 Jahren, gemeinschaftliche Formate wie Tanzveranstaltungen sowie eine ausgewogene Beteiligung verschiedener Geschlechter und Gruppen. Außerdem wünschen sie sich Rahmenbedingungen, die kulturelle Veranstaltungen nicht unnötig durch strenge Lautstärkebegrenzungen einschränken.

Günstige Rahmenbedingungen

Jugendliche wünschen sich bezahlbare Kultur- und Freizeitangebote sowie eine gute Versorgung bei Veranstaltungen. Dazu gehören kostenlose Trinkwassermöglichkeiten, ein vielfältiges Getränkeangebot, Essensangebote, saubere und ausreichend ausgestattete Toiletten sowie getrennte Raucherbereiche. Darüber hinaus werden mehr Räume und Flächen für Kultur, Begegnung und Freizeitaktivitäten benötigt.

Open Space

Zusammenhalt

Jugendliche wünschen sich ein stärkeres Miteinander in der Stadt. Freundschaften, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Zeit mit anderen sind für sie wichtige Bestandteile eines guten Lebensumfelds. Sie wünschen sich mehr Freundlichkeit und Rücksichtnahme im Alltag sowie Orte, an denen Begegnung und Gemeinschaft unkompliziert möglich sind.

Mehr Aufenthaltsorte

Jugendliche wünschen sich mehr frei zugängliche und attraktive Aufenthaltsorte in Halle, an denen sie sich mit Freundinnen und Freunden treffen können. Diese Orte sollten einladend, sicher und ohne Konsumzwang nutzbar sein und Raum für Begegnung, Austausch und Freizeit bieten.

Digitale Bildung

Jugendliche setzen sich mit digitalen Medien intensiv auseinander und sehen die Bedeutung eines kritischen Umgangs mit Informationen. Sie wünschen sich Unterstützung dabei, Inhalte in sozialen Medien besser einordnen und unterschiedliche Meinungen selbstständig überprüfen zu können. Medienkompetenz soll gestärkt werden, damit junge Menschen digitale Angebote bewusst und reflektiert nutzen können.

Lebensqualität verbessern

Jugendliche wünschen sich eine lebenswertere Stadt mit mehr Grünflächen, saubereren öffentlichen Räumen und weniger Autoverkehr. Sie sehen darin einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz sowie zu einer höheren Aufenthaltsqualität für alle Menschen in der Stadt. Diese Maßnahmen sollen Halle attraktiver, gesünder und angenehmer für junge Menschen machen.

 


Das dazwischenfunken BarCamp 2026 wurde gefördert durch:

Bürgerstiftung Halle – Gemeinsam wird's mehr.

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