Bildung im Vorübergehen:
Fleischmannstraße
- Zusatzschild-Text:
- Jurist, Staats- und Völkerrechtler, Professor in Halle, Begründer des Instituts für Zeitungswesen und der Christian-Thomasius-Stiftung
- Spender:
- gespendet von Kerstin und Hans-Dieter Grimm
- Status:
- Vorschlag
Max Michael Fleischmann (1872-1943)
Am 5. Oktober 1872 wurde Max Michael Fleischmann als Sohn des Kaufmanns Paul Fleischmann und seiner Ehefrau Mathilde, geb. Schönlank in Breslau geboren. Seine Schuldbildung erhielt er an den Gymnasien in Breslau, Magdeburg und Krotoschin. Von 1891 bis 1894 studierte er die Rechte, Staatswissenschaften, Geschichte und Philosophie an der Universität Breslau.
Max Fleischmann promovierte im Dezember 1894 mit einer Arbeit über das Pfändungsrecht und wurde beim Königlichen Amtsgericht Carlsruhe (in der damaligen preußischen Provinz Schlesien) für den Staatsdienst vereidigt. Ab September 1895 war er als Referendar beim königlichen Landgericht von Hirschberg beschäftigt und studierte weiterhin Staatsrecht, und preußisches Kirchenrecht. 1898 habilitierte sich mit der Arbeit „Der Weg der Gesetzgebung in Preußen“. Nach seinem Assessorexamen 1899 war er zunächst als Hilfsrichter am Landgericht Halle tätig. Von 1905 bis 1910 war er hier Amtsrichter.
1910 erhielt er einen Lehrauftrag für Kolonialrecht in Halle, erstmalig an preußischen Universitäten. Fragen des Völkerrechts blieben sein Forschungsschwerpunkt. Mit seiner Sammlung „Völkerrechtsquellen“ (1905) ist er bekannt geworden.
Bereits 1911 folgte Fleischmann dem Ruf an die Universität in Königsberg, wo er vier Jahre später zum ordentlichen Professor für Staats-, Verwaltungs-, Kirchen-, Völkerrecht und deutsche Rechtsgeschichte ernannt wurde.
Nach dem Ersten Weltkrieg war er Senatspräsident am Reichsschiedsgericht für Kriegswirtschaft betreffend Beschlagnahme und Entschädigung und nachfolgend Mitglied der Ministerialkommission für die Vermögensauseinandersetzungen zwischen Preußen und den Hohenzollern.
1921 kehrte er an die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Halle zurück als Professor für Staats- und Kolonialrecht mit einem Lehrauftrag für Landwirtschaftsrecht. Von 1922 bis 1927 und 1931/32 war er Dekan der Juristischen Fakultät, 1925/26 Rektor der Universität. Seine Lehrtätigkeit umfasste alle Zweige des öffentlichen Rechts. Er setzte sich für die Selbstverwaltung der Universität ein, für die Fortbildung der Beamten und warb für das Studium von Frauen.
1927 gründete Max Fleischmann in Halle ein Institut für Zeitungswesen, das im Melanchthonianum untergebracht war. Neben Studenten nahmen auch Zeitungsredakteure und Gasthörer an den Vorlesungen teil. Das praxisorientierte und fächerübergreifende Studium sollte optimal auf die Arbeit im Verlagswesen oder in einer Redaktion vorbereiten.
Zum 200. Todestag von Christian Thomasius – geistiger Gründungsvater der halleschen Universität – 1928 engagierte sich Fleischmann für ein populäres und akademisches Andenken an den Juristen und Aufklärer u.a. mit der Gründung einer Christian-Thomasius-Stiftung. Sein 1931 erschienener, biographischer Sammelband ist bis heute in der Forschung von Bedeutung.
Fleischmann vertrat die Reichsregierung auch weiterhin in nationalen und internationalen Streitigkeiten, so auch 1930 bei der Haager Konferenz für die Kodifikation des Völkerrechts.
Obwohl Fleischmann in jungen Jahren zum christlichen Glauben konvertiert war, erhielt er als gebürtiger Jude Arbeitsverbot und zog 1941 nach Berlin. Dort soll er Kontakte zum Widerstand gehalten und an einer Verfassung für ein hitlerfreies Deutschland mitgewirkt haben, deren Entwurf jedoch verschollen ist. Weil er sich weigerte, den Judenstern zu tragen, sollte er im Hause des ehemaligen Justizministers Eugen Schiffer verhaftet werden. Dem entzog er sich durch Selbstmord. Max Fleischmann ist auf dem Südwestkirchhof der Berliner Stadtsynode in Stahnsdorf begraben. In Halle ist eine Straße im Norden der Stadt nach ihm benannt. An seinem Haus am heutigen Rathenauplatz wurde 2015 zu seinem Gedenken ein Stolperstein verlegt.
Quellen:
Max Fleischmann: Lebenslauf in seiner Dissertation „Vom Pignus in causa judicati captum“, Breslau 1896
Schubart-Fikentscher, Gertrud, "Fleischmann, Michael Max" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 236 [Online-Version]; URL: www.deutsche-biographie.de/gnd116603186.html;
Stolpersteine. Filme gegen das Vergessen: Das Leben von Max Fleischmann. (Christina Brause, Stefanie Weiser, 2015, stolpersteine.medienkomm.uni-halle.de/das-leben-von-max-fleischmann/)
www.zeit-geschichten.de/start-2/themen/nationalsozialismus-in-halle/stolpersteine-in-halle/verlegte-und-geplante-steine/rathenauplatz-14/
www.catalogus-professorum-halensis.de/politische-verfolgung-ns/verfolgte/fleischmann-max.htm