Bildung im Vorübergehen:

Ernst-Kromayer-Straße

Zusatzschild-Text:
Hautarzt in Halle und Berlin, Direktor der ersten Universitäts-Poliklinik für Hautkrankheiten in Halle (1899-1904)
Spender
gespendet von Dipl.-Med. Stefan Linke
Status:
realisiert

Ernst Kromayer (1862-1933)

Nachdem er drei Jahre als praktischer Arzt in Busendorf in Lothringen gearbeitet hatte, setzte er ab 1888 seine Studien in Bonn bei Prof. Karl Köster (1843–1904) im Pathologischen Institut fort. Bei Albert Neiser (1855–1916) in Breslau spezialisierte er sich auf Hauterkrankungen. Schließlich habilitierte sich Ernst Kromayer 1890 mit seiner Schrift „Zur pathologischen Anatomie der Psoriasis nebst einigen Bemerkungen über den normalen Verhornungsprozeß und die Struktur der Stachelzelle – ein Beitrag über das Wesen des Ekzems“ an der halleschen Universität. Im Wintersemester 1890/91 hielt er hier erste Vorlesungen mit dem Titel: „Klinischer Cursus für Dermatologie und Syphilis“ und eröffnete zunächst in der Magdeburger Straße, gegenüber der Chirurgischen Universitätsklinik, eine erste Privatpraxis. Ab 1890 war Kromayer Mitglied im Verein der Ärzte zu Halle, wo er zusätzlich zu seinen Verpflichtungen als Privatdozent Vorträge hielt.

Bald nach seiner Ankunft in Halle zog Kromayer in die Poststraße 8 (heute Hansering), seine Privatklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten unterhielt er ab April 1894 in der Forsterstraße 2. Ab 1899 verlegte er die Klinik in sein Wohnhaus in der Poststraße und wohnte dann im Mühlweg 1, zuletzt in der Alten Promenade 8 (heute Universitätsring).

Das preußische Kultusministerium hatte Kromayer vorgeschlagen, eine Universitätspoliklinik für Hautkrankheiten zu errichten mit der Zusage eines Extraordinariats und eines unbezahlten Lehrauftrages. Am 1. April 1901 erhielt er eine Titularprofessur und fungierte als Direktor der neuen Universitätshautklinik. Jedoch bekam Kromayer weder vom preußischen Finanzministerium noch von der halleschen Universität große Unterstützung. Im Gegenteil, die Medizinische Klinik der Universität Halle richtete eine eigene stationäre Abteilung für Hautkrankheiten ein, über die Kromayer nicht verfügen durfte. Kromayers Drängen auf eine Vereinigung der poliklinischen und der stationären Abteilungen unter seiner Leitung wurde vom preußischen Kultusministerium nicht erhört, so dass er zum 1. April 1904 endgültig kündigte.

Kromayer ging nach Berlin und gründete dort erfolgreich zwei Krankenhäuser für Hautkrankheiten. Die von Kromayer entwickelte und nach ihm benannte Quarzlampe zur Behandlung von Hautkrankheiten, vor allem der Schuppenflechte, wurde eines der am meisten angewendeten lichttherapeutischen Instrumente in der Dermatologie. 1906 ließ er sie patentieren. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen erschienen in Halle das „Repetitorium der Haut- und Geschlechtskrankheiten“ (1902) und die Zusammenstellung seiner halleschen Vorlesungen in der „Allgemeinen Dermatologie oder Allgemeine Pathologie, Diagnose und Therapie der Hautkrankheiten“ (1896), sein Buch „Zur Ausbildung der Syphilis“ (1898). In seinen histologischen Arbeiten (Gewebelehre) entdeckte er neue biologische Beziehungen zwischen Epithel (Deck- und Drüsengewebe der Haut) und Bindegewebe. Für histologische Untersuchungen entwickelte Kromayer Zylindermesser, Hautstanzen, mit denen Proben und kleine Tumoren oder Warzen der Haut entnommen werden konnten.

Ernst Kromayer nahm sich aufgrund eines Krebsleiden am 6. Mai 1933 in Berlin das Leben. Er ist auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf begraben.

Ernst Kromayer war verheiratet mit Auguste Kayser aus Krefeld, das Paar hatte zwei Töchter. 1962 wurde die Grünstraße zu Ehren des Dermatologen in Ernst-Kromayer-Straße umbenannt. Am 3. November desselben Jahres wurde anlässlich einer Gedenkveranstaltung der Dermatologischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt sowie des 100. Geburtstages Kromayers in der Hautklinik, Ernst-Kromayer-Straße 5 ein Bronzerelief des halleschen Bildhauers Richard Horn, gestiftet vom Ministerium für Gesundheitswesen sowie von dem Dermatologen Prof. Karl Wilhelm Kalkoff, an der Stirnwand der Bibliothek enthüllt.

Quellen:

  • Adressbücher der Stadt Halle, 1890–1904
  • Taube, Klaus-Michael: „Ernst Ludwig Franz Kromayer (1862–1933), in: Christoph Löser; Gerd Plewig (Hrsg.): Pantheon der Dermatologie. Heidelberg 2008, S. 574–578.

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