Bildung im Vorübergehen:

Willy-Lohmann-Straße

Zusatzschild-Text:
Lehrer, liberaler Politiker, 1945 Vizepräsident der Provinz Sachsen mit Sitz in Halle, Förderer der Universität Halle
Spender
gespendet von Beate und Wolf Hempel (ein Enkel Willy Lohmanns)
Status:
realisiert

Willy Lohmann (1881-1945)

Willy Lohmann wurde am 1. August 1883 in Dohndorf bei Köthen geboren als Sohn des Landwirts Friedrich Lohmann und seiner Ehefrau Auguste, geb. Busch. Nach der Ausbildung zum Erzieher lehrte er an der Volksschule in Köthen und verdiente sich damit sein Hochschulstudium. In Tübingen und Brüssel studierte Willy Lohmann die Fächer Französisch, Philosophie, Psychologie, Deutsch und Leibesübungen. Im Ersten Weltkrieg arbeitete er als Dolmetscher, kehrte aber nach zwei Jahren in den Schuldienst zurück und zwar an die Mittelschule in Bernburg. 1918 kam Lohmann an die Oberschule in Köthen, wo er an dem dieser Schule angegliederten Lehrer-Seminar unterrichtete und dessen Studiendirektor er 1923 wurde.

Willy Lohmann stand mehreren Verbänden vor, so dem Anhaltischen Beamtenverband, dem Anhaltischen Lehrer-Verein und dem Anhaltinisch-Sächsischen Turngau. Politisch war er der Demokratischen Partei (später Staatspartei) verbunden, welche er von 1921 bis 1932 als Abgeordneter im Landtag des Freistaates Anhalt vertrat. Wegen seiner demokratischen Haltung wurde Willy Lohmann Ende Juli 1932 als erster höherer Beamter von den Nationalsozialisten aus dem Staatsdienst entlassen und nach Dessau strafversetzt – degradiert zum Leiter eine Mädchen-Schule. Er wurde seiner Ehrenämter enthoben und durfte keine politischen Funktionen mehr ausüben. Über die Jahre des Nationalsozialismus lebte er zurückgezogen in Dessau.

In dieser schwer zerstörten Stadt regelte Willy Lohmann nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Oberstudiendirektor und Stadtschulrat alle schulischen Angelegenheiten. Er wurde Mitglied der neu gebildeten Provinzialverwaltung mit Sitz in Halle und dessen Vizepräsident. Sein Auftrag war die Organisation des Bildungswesens: der Aufbau des kulturellen Lebens und der Lehrerbildung auf neuer Basis sowie die Wiedereröffnung der halleschen Universität.

Bei einer Dienstreise nach Berlin am 21. September 1945 kam Willy Lohmann in einem Verkehrsunfall in der Nähe von Wittenberg ums Leben. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Dessau-Ziebigk. Drei Wochen nach seinem Tod wurde die Straße, in welcher der Sitz der Provinzialverwaltung lag, in Willy-Lohmann-Straße umbenannt. Bereits drei Tage nach Lohmanns Tod erhielt seine frühere Wirkungsstätte in Köthen, das ehemalige Lehrer-Seminar, den Namen Willy Lohmanns. In der Begründung wird der Lehrer als Vorbild gewürdigt: „weit über den Kreis seiner Schule hinaus geliebt und verehrt infolge seines unbestechlichen, geraden und menschlich liebenswürdigen Charakters“ (Volks-Zeitung Nr. 37 v. 25.9.1945).

Quellen:

zurück zur Übersicht

Bürgerstiftung Halle – Gemeinsam wird's mehr.

Diese Webseite nutzt Cookies

Diese Webseite nutzt Cookies zur Verbesserung des Erlebnisses unserer Besucher. Indem Sie weiterhin auf dieser Webseite navigieren, erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden.