Bildung im Vorübergehen:

Wielandstraße

Zusatzschild-Text:
Schriftsteller der Aufklärung, Satiriker, Literaturkritiker, Übersetzer, Begründer des deutschen Bildungsromans
Spender:
gespendet von Dr. Irmtraud Herms
Status:
realisiert am 21.09.2016

Christoph Martin Wieland (1733-1813)

Die Werke Wielands werden heute kaum noch gelesen, selbst die Literaturwissenschaftler bemühen sich nicht mehr sehr. Bekanntere Titel sind vielleicht „Die Geschichte der Abderiten“ und „Oberon“. Nicht ganz unwichtig, auch für den Charakter seines Schaffens: Er war Lieblingsdichter von Mozart.

Christoph Martin Wieland stammte aus dem südlichen Schwaben: In eine traditionsreiche Pfarrersfamilie wurde er am 5. September 1733 hineingeboren, in der Gemeinde Biberach an der Riß. Dort gibt es heute auch ein Wieland-Museum. Interessant ist, dass man den Knaben auf das pietistische Gymnasium Kloster Berge bei Magdeburg schickte, das er aber dann wieder Richtung Süddeutschland verließ, wo er in Tübingen Jura und Philosophie studierte. Durch solche Eindrücke im Studium hatte Wieland Anregungen aufgenommen, die ihn nach und nach aus dem frommen Milieu in den Geist der Aufklärung zogen.

1760 wurde er in seinem Geburtsort Senator und Kanzleidirektor. Mit seinem Hauptwerk „Geschichte des Agathon“ (1767) begründete Wieland in Deutschland den Bildungs- und Entwicklungsroman. 1773 gründete er den fast dreißig Jahre erscheinenden „Teutschen Merkur“, eine der erfolgreichsten und populärsten Literaturzeitschriften im Land. Seine „Geschichte der Abderiten“ (1781) ist der erste umfassende gesellschaftskritische Roman der deutschen Literatur. Wieland übersetzte die Dramen Shakespeares, den er sehr verehrte, die antiken Autoren Horaz und Lukian und Werke aus dem attischen Griechisch.

Erster Erzieher in Weimar

Nach seiner Professur für Philosophie an der Universität Erfurt wurde Wieland zum Prinzenerzieher an den Weimarer Hof berufen. Damit war er noch vor Goethe in einer bevorzugten Stellung in Weimar. 1797 kaufte er sich von eigenen Ersparnissen das Gut Oßmannstedt bei Weimar. Er ließ es nach seinen Vorstellungen verändern und bewirtschaften. Die großen Dichterkollegen (Goethe, Schiller, Herder, Heinrich von Kleist) besuchten ihn, und es gelang ihm ein Leben in geselliger Runde. Dieses inspirierte ihn zum weiteren Schreiben. Nach einem arbeitsreichen Leben und einer glücklichen Ehe (13 Kinder, nicht alle überlebten) verstarb er am 20. Januar 1813 in Oßmannstedt. Kurz nach dem Tod seiner Ehefrau (1801) hatte er einen Obelisken für ein gemeinsames Grab auf dem Gutsgelände in Auftrag gegeben. Dort wurde er 1813 beigesetzt. Übrigens fand Aufnahme in diesem Grab auch Sophie Brentano.

Wenn wir auf das Werk von Wieland schauen, so ist es vielfältig und geistreich-gebildet. Sehen wir auf seinen Lebenslauf, so können wir bemerken: ein Wanderer zwischen vielen deutschen Welten, ausgewandert aus Südschwaben, arbeitend in Erfurt und Weimar. In Oßmannstedt hat er dann seine Heimat und seine letzte Ruhe gefunden.

Was verbindet Wieland mit Halle?

Er hatte zunächst ein Studium der Theologie an der Universität in Halle erwogen, war dann aber zum Philosophiestudium nach Erfurt gegangen. Den beliebten halleschen Schriftsteller August Lafontaine schätzte er – fürchtete aber, dass dessen schwärmerisches Romantisieren seine Töchter allzu sehr beeinflussen könnte.

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