Bildung im Vorübergehen:

Walter-Hülse-Straße

Zusatzschild-Text:
Mediziner an der Universität Halle und am St. Elisabeth-Krankenhaus, Beteiligt an der Bewahrung der Stadt Halle 1945
Spender
gespendet von weinberg campus e. V.
Status:
realisiert

Walter Hülse (1887-1958)

Zu seiner Herkunft, Schulausbildung, Kindheit und frühen Jugend gibt es auf Grund der recht bescheidenen Quellenlage keine näheren Angaben.

Walter Hülse studierte Medizin in Königsberg, medizinische Praktika absolvierte er in Karlsruhe und Konstanz und leistete seinen Wehrdienst als sogen. Einjährig-Freiwilliger. 1914 wurde er an der Universität Königsberg zum Dr. med. promoviert. Im gleichen Jahr wurde er zum Kriegsdienst einberufen und bereits im Oktober 1914 verwundet. Nach seiner Genesung war er bis Kriegsende im Heeresdienst Assistent am Pathologischen Institut Breslau. Von 1919 bis 1923 war Hülse an der Medizinischen Universitätsklinik Halle Assistenzarzt und habilitierte sich hier im Jahre 1922. Von 1923 bis 1932 war er an dieser Klinik Oberarzt und wurde 1926 zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt.

Ab 1933 leitete Hülse die Innere Abteilung des St.-Elisabeth-Krankenhauses in Halle und wurde dort im Jahre 1936 Ärztlicher Direktor. Im Jahre 1944 wurde Hülse von der Gestapo verhaftet, da er Kontakte zu den Verschwöreren des 20. Juli 1944 hatte. Zu seinen Patienten zählte auch der Großagrarier Carl Wentzel aus Teutschenthal, der zwar nicht zum direkten Kreis der Akteure des 20. Juli gehörte, aber zu diesen Kontakt hatte und mit ihnen sympathisierte. Wentzel wurde noch im gleichen Jahr vom sogen. Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet. Diese Verbindung Hülses zu Wentzel war Grund der Verhaftung. Der Ehefrau von Hülse gelang es durch Bestechung von einflussreichen NS-Größen mit einer nicht unerheblichen Geldsumme, dass Hülse wieder auf freien Fuß kam.

Im April 1945 kam es im Zuge der Belagerung der Stadt Halle durch die US Armee zum zivilen Widerstand aus Kreisen der Bevölkerung gegen die Absicht der politischen und militärischen deutschen Führung, die Stadt Halle zur Festung zu erklären und damit die völlige Zerstörung und Vernichtung der Stadt, ihrer Bevölkerung, vieler Flüchtlinge und verwundeter Soldaten zu riskieren. Hülse nahm Kontakt zur Gruppe um Theodor Lieser auf, zu der  auch Felix Graf Luckner gehörte. Dieser Gruppe gelang es dann in schwierigen Verhandlungen sowohl mit der deutschen als auch mit der amerikanischen militärischen Führung, dass die Stadt Halle mit relativ geringen Zerstörungen an die Amerikaner kampflos übergeben werden konnte.

Nach Kriegsende wurde Hülse zum Vizepräsidenten der Provinz Sachsen ernannt. Aus dieser Funktion schied er bereits 1946 wieder aus und widmete sich seinem Lehrauftrag an der MLU. Vermutlich wegen der politischen Situation floh Hülse im Jahre 1951 nach Westdeutschland. Die sehr dürftige Quellenlage geht davon aus, dass Hülse bis zu seinem Tode, wahrscheinlich im Jahre 1958 (ein genaues Datum ist nicht bekannt), ein Sanatorium geleitet haben soll.


Quellen:

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