Bildung im Vorübergehen:

Volkmannstraße

Zusatzschild-Text:
Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik, Autor der „Träumereien an französischen Kaminen“, Ehrenbürger der Stadt Halle
Spender
gespendet von Dr. med. Thomas Gerd Müller (Leitender Oberarzt des Fachbereichs Kinder- und Jugendrheumatologie/Immunologie)
Status:
realisiert

Richard von Volkmann – Leander (1830-1889)

Am 17. August 1830 wurde Richard Volkmann in Leipzig geboren, als Sohn des Anatomen und Physiologen Alfred Wilhelm Volkmann und der Verlegerstochter Adele Härtel. Die ersten vierzehn Lebensjahre verbrachte er im Elternhaus, davon sechs Jahre in Dorpat (heute Tartu, Estland). Er besuchte die Franckeschen Stiftungen in Halle und die Fürstenschule in Grimma. Obwohl sich der junge Volkmann zur klassischen Philologie hingezogen fühlte, begann er 1850 auf Wunsch des Vaters ein Studium der Medizin in Halle. Später ging er nach Gießen und Berlin und promovierte 1854 mit der Arbeit „Über den Lungenbrand“. Nach dem Staatsexamen wurde Volkmann Assistenzarzt bei Professor Ernst Blasius (1802–1875) in der Chirurgischen Klinik in Halle. 1857 habilitierte er sich mit der Schrift „Bemerkungen über einige vom Krebs zu trennende Geschwülste“. Als es zum Bruch mit Blasius kam, ließ sich Volkmann als praktischer Arzt nieder, verfolgte jedoch weiterhin seine wissenschaftliche Arbeit, hielt Vorlesungen und Seminare und wurde 1863 zum außerordentlichen Professor der Chirurgie ernannt.

Nach dem deutsch-österreichischen Krieg 1866, an dem Volkmann als Chefarzt der Lazarette in Trautenau (Böhmen) teilnahm und die offene Wundbehandlung erfolgreich anwendete, wurde er zum ordentlichen Professor der Chirurgie und zum Direktor der chirurgischen Universitätsklinik in Halle ernannt. Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 war er konsultierender Generalarzt in Mannheim, Sedan, Soisy und Dijon. Als er von diesem Krieg heimkehrte, fand Volkmann seine Klinik am Domplatz in katastrophalem hygienischen Zustand. Auf der Suche nach Mitteln, dem tödlichen Wundbrand entgegenzuwirken, probierte Volkmann schließlich die von dem Engländer Joseph Lister (1827–1912) entwickelte Methode der antiseptischen Wundbehandlung mit Karbol und war erfolgreich. Volkmann konnte ein deutliches Sinken der Sterberate verkünden und propagierte im Folgenden die Listersche Methode europaweit, was die hallesche Universitätsklinik weltbekannt machte. Schon lange wollte Volkmann die Klinik erweitern, 1879 schließlich konnte der nach seinen Vorstellungen eingerichtete Neubau der Chirurgischen Klinik auf dem Gebiet der Maillenbreite eingeweiht werden.

1873 gründete er mit bedeutenden Kollegen die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie in Berlin.

Die letzten Lebensjahre waren durch Krankheit (ein Rückenmarksleiden, das auf eine Syphilis-Erkrankung aus den Kriegsjahren 1870/71 zurückging) und Erholungsreisen nach Italien geprägt. Richard von Volkmann starb am 28. November 1889 in Jena, auf dem halleschen Stadtgottesacker liegt er begraben.

Volkmann war verheiratet mit Anna von Schlechtendal, Tochter des Direktors des Botanischen Gartens in Halle. Aus dieser Ehe gingen elf Kinder hervor. Die Familie lebte zunächst in der Großen Märkerstraße 5. 1868 ließ Volkmann ein neues Wohnhaus im Stil eines italienischen Landhauses in der Wilhelmstraße (heute Emil-Abderhalden-Straße 9) errichten.

Neben seinen umfangreichen wissenschaftlichen Publikationen fand Volkmann auch Zeit für dichterische Werke. Bereits als Corpsstudent in Gießen 1850-52 verfasste er Lieder „Aus der Burschenzeit“, die das heitere Leben seiner Studentenzeit widerspiegeln (1876 veröffentlicht). Daneben schrieb er weitere Gedichte und Geschichten. Sein bedeutendstes Werk, „Träumereien an französischen Kaminen“, entstand 1870/71 während der Belagerung von Paris auf dem Seine-Schloss Soisy. Volkmann sandte die Märchen per Feldpost nach Hause an Frau und Kinder in Halle, wo sie unter dem Pseudonym Richard Leander veröffentlicht wurden. Kurz vor seinem Tod erschienen „Alte und Neue Troubadourlieder“ nach altfranzösischen Gesängen.

Richard von Volkmann zählt zu den bedeutendsten Chirurgen des 19. Jahrhunderts, er „entwickelte neue Methoden zur Resektion der Gelenke, zur Operation komplizierter Brüche sowie zur Chirurgie und Orthopädie der Wirbelsäule und der Extremitäten“ (er erfand z. B. das noch heute gebräuchliche Gehbänkchen). Als erster deutscher Arzt führte er „die antiseptische Wundbehandlung mit Karbol (nach Lister) ein, wodurch die Überlebenschance bei Operationen sprunghaft anstieg und Bauchchirurgie im eigentlichen Sinne erst möglich wurde.“

Für seine Verdienste um die Chirurgische Klinik in Halle und für seine Forschungen auf dem Gebiet der Chirurgie, Orthopädie und Wundbehandlung erhielt Volkmann zahlreiche Auszeichnungen und Orden. 1877 wurde er zum Geheimen Medizinalrat ernannt, 1885 in den Adelsstand erhoben. Nachdem Volkmann bereits Rufe an andere Universitäten abgelehnt hatte und eine Berufung an die Berliner Charité ebenfalls ausschlug, ehrte die Stadt Halle den Mediziner 1882 mit dem Ehrenbürgerbrief. Fünf Jahre nach seinem Tod wurde ihm vor der Chirurgischen Klinik ein Denkmal gesetzt, gestaltet von seinem Vetter, dem in Rom lebenden Bildhauer Arthur Volkmann. Seit 2000 verleiht die Mitteldeutsche Chirurgenvereinigung die Volkmann-Medaille an verdiente Chirurgen. Die vom Riebeckplatz bis zur Berliner Straße führende Straße erhielt 1906 zu Ehren des halleschen Chirurgen und Dichters den Namen Volkmannstraße.


Quellen:

  • http://www.catalogus-professorum-halensis.de/volkmannrichardvon.html
  • Gurlt, Ernst, „Volkmann, Richard von“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 238-240 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11909892X.html?anchor=adb
  • Krause, Fedor: Zur Erinnerung an Richard von Volkmann (Richard Leander). Berlin: Verlag v. August Hirschwald, 1890.
  • Söll, Ute: Leben und Wirken des Hallenser Chirurgen Richard von Volkmann. Halle: Univ. Med. Fak., Diss. 1996.
  • Volkmann, Johannes: „Richard v. Volkmann. Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages, 17.8.1930.“ In: Deutsche Zeitschrift für Chirurgie, Sonderabdruck aus Band 226, Heft 5/6. Leipzig: Verlag von F. C. W. Vogel, 1930.

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