Bildung im Vorübergehen:

Theodor-Weber-Straße

Zusatzschild-Text:
Professor für Pathologie und Therapie in Halle, Leiter der Medizinischen Klinik und Poliklinik, „Armenarzt“, Ehrenbürger der Stadt Halle
Spender:
gespendet von Verein für Friedhofskultur in Halle und Umland e. V.
Status:
realisiert am 26.05.2021

Theodor Weber (1829 - 1914)

Schnelle Fakten
Der am 18. August 1829 in Leipzig geborene Sohn des Leipziger Anatomen Ernst Heinrich Weber studierte Naturwissenschaften in Göttingen und Medizin Leipzig. Ab 1854 wirkte er als Arzt und Privatdozent in Leipzig, wo er sich habilitierte, die Leipziger Poliklinik begründete und 1858 die außerordentliche Professur für Innere Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig erhielt. 1861 wurde Theodor Weber zum ordentlichen Professor für Pathologie und Therapie an die Universität Halle berufen. Von 1862 bis 1899 war er Direktor der Medizinischen Universitätsklinik. Damit verbunden war er auch Leiter der Universitäts-Poliklinik und Stadtarmenarzt.
Theodor Weber führte die Medizinische Klinik im Erbe von Krukenberg aus den widrigen Verhältnissen unter seinem Vorgänger Karl Julius Vogel zu neuer Höhe. Ab 1880 war er an der Planung und Realisierung der Medizinischen Klinik in der Magdeburger Straße beteiligt. Übereinstimmend schätzten Zeitgenossen Webers Charakter und kollegiale Verträglichkeit. In Webers Zeit in Halle vervielfachte sich die hallesche Bevölkerung von 41.507 Einwohnern (1861) über 101.401 Einwohner (1890) zu 178.677 Einwohnern (1910).

Cholera
1866 brach die Cholera in Halle aus. Ihren Höhepunkt in Halle erreichte die Epidemie in der Sommerhitze des August 1866 und forderte hier 1.508 Todesopfer, die Hälfte aller Sterbefälle in dem Jahr in Halle.
Am 21.08.1866 erließ Prof. Weber einen Aufruf mit Erläuterungen im Hallischen Tageblatt bezüglich der Gegenmaßnahmen:

Zur Nachachtung!
1. Ein Jeder hüte sich vor Erkältungen,
2. Vermeidung von Diätfehlern,
3. Übermäßige Aufregung geistiger und körperlicher Art sind schädlich,
4. Jedes geringe Unwohlsein muss sogleich beachtet werden,
5. Die Ansteckung muss vermieden werden …
Die Desinfektion der Aborte und Kloaken …
Die Desinfektion ganzer Stuben oder Wohnungen …

Weiter forderte er in der Presse die „Begründung eines Hülfs-Vereins für arme Cholera-Kranke und ihre Familien“. Weber übernahm dann den Vorsitz des Vereins.
Weber wies er auf die unglaublich vernachlässigten Wasserversorgungsverhältnisse in Halle hin. Der größte Teil der Stadt wurde mit Saalewasser von unterhalb der Wasserkunst (Neumühle) versorgt, „wo der Fluss bereits durch Einmündungen städtischer Kanäle, durch die Abwässer von Fabriken, Krankenhäusern und der Anatomie auf das gründlichste verdorben war“. Von September 1868 an konnten sämtliche Wohnhäuser durch Anschlüsse an das städtische Rohrnetz Trinkwasser kostenlos entnehmen. So blieb die Stadt Halle 1873, als Magdeburg von der Cholera heimgesucht wurde, vollständig davon verschont.

Neue Universitätskliniken
Größere Aufgaben kamen auf Weber auch nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 zu, als der preußische Staat durch enorme französische Entschädigungssummen in die Lage versetzt war, neue Kliniken zu planen. Webers Verdienst daran war es, dass alle Kliniken in der Magdeburger Straße in einer geschlossenen Anlage gebaut wurden, eine Anlage, wie sie bis dahin noch keine andere Universität besaß.

Städtische Gesundheitskommission
Ab 1892 arbeitete Weber lange mit weiteren Ärzten in der Städtischen Gesundheitskommission zusammen. Zu den großen Leistungen, die aufgrund der Interventionen der Städtischen Gesundheitskommission beim Magistrat der Stadt Halle zu Stande kamen, zählten die städtische Desinfektionsanstalt, um der fortwährenden Seuchengefahr Herr zu werden.
Die ärmere Bevölkerung der Stadt wurde ab 1902 auf Anraten der Kommission mit „einwandfreier Kindermilch“ versorgt, um die in den Sommermonaten bestehende hohe Kindersterblichkeit zu senken. Die Säuglingsfürsorgestelle dieser Einrichtung wurde 1907 von der Universitäts-Kinderpoliklinik übernommen.
Weiter war Weber Mitinitiator der städtischen Tuberkulosefürsorge ab 1899. Diese Fürsorgestelle war wegweisend für andere deutsche Städte.

Ehrenbürger
Auf Anregung eines Arztes der städtischen Gesundheitskommission und aus Anlass des 50-jährigen Doktorjubiläums wurde Prof. Weber am 2. Mai 1904 von Oberbürgermeister Staude und dem Stadtverordnetenvorsteher Prof. Dittenberger die Ehrenbürgerwürde der Stadt Halle überreicht.

Am 4. September 1914, kurz nach seinem 60. Doktorjubiläum und wenige Wochen nach Ausbruch des 1. Weltkrieges starb Prof. Weber. Die Beisetzung fand drei Tage später auf dem Nordfriedhof Halle statt. Daran nahmen u. a. sein Nachfolger im Direktorat der Medizinischen Klinik und der Rektor der Universität teil. Die Studenten fehlten wegen des Ausbruchs des Krieges.


Quellen:
Werner Piechocki, „Die kommunalärztliche Tätigkeit des Klinikers Theodor Weber in Halle während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“. In: 250 Jahre Collegium Clinicum Halense 1717-1967. Beiträge zur Geschichte der Medizinischen Fakultät der Universität Halle. Halle /S. 1967, 181-224.
Angela Dolgner „Die Bauten der Universität Halle im 19. Jahrhundert“. Halle, 1996.

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