Bildung im Vorübergehen:

Theodor-Roemer-Straße

Zusatzschild-Text:
Professor für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung in Halle, Begründer neuer Züchtungsmethoden
Spender
gespendet von der Gesellschaft zur Förderung der Agrar- und Ernährungswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg e. V.
Status:
realisiert

Theodor Roemer (1883-1951)

Am 20. November 1883 wurde Theodor Ernst M. Roemer in Pfrondorf, Kreis. Tübingen, als Sohn des Pfarrers Heinrich Roemer und Martha Schinckel geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung, einer landwirtschaftlichen Lehre und einer nachfolgenden Verwaltertätigkeit auf dem Charlottenhof (Ostpreußen) studierte Roemer in Hohenheim und Breslau Landwirtschaft mit der speziellen Ausrichtung auf Pflanzenzüchtung. Mit seinen „Studien über die Vererbungsverhältnisse bei der Erbse“ wurde er 1910 in Jena bei Wilhelm Edler promoviert. In der Folge war Roemer für zwei Jahre landwirtschaftlicher Sachverständiger in Ostafrika, wo er die Baumwollstation Myombo bei Kilossa gründete. Von 1912 bis 1914 leitete er das Gregor-Mendel-Institut für Obst- und Gemüsezüchtung in Eisgrub (Mähren) unter Professor Erich von Tschermak-Seysenegg (1871-1962), danach für vier Jahre das Kaiser-Wilhelm-Institut für Landwirtschaft in Bromberg. Darauf folgte ein Jahr als praktischer Pflanzenzüchter bei der Firma Strube in Schlanstedt.

1919 erhielt Theodor Roemer als Nachfolger von Ferdinand Wohltmann den Ruf auf den Lehrstuhl für Landwirtschaft der Universität Halle. Im Jahr darauf gründete er das Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, dessen Leitung er bis auf eine kurze Unterbrechung 1945/46 lebenslang innehatte. Julius Kühn hatte 1863 den Lehrstuhl des Landwirtschaftlichen Instituts innerhalb der Philosophischen Fakultät der Universität Halle gegründet. Zur Zeit Roemers wurde dieses Institut in fünf eigenständige Institute gegliedert, welche 1947 unter der neu gegründeten, eigenständigen Landwirtschaftlichen Fakultät zusammengefasst wurden. Theodor Roemer war maßgeblich an dieser Neugründung beteiligt und bis zu seinem Tod Direktor des Instituts für Ackerbau und Pflanzenbau, das frühere Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung.

1922 begann Roemer mit der Organisation landwirtschaftlicher Versuchsringe. Dabei ging es ihm um die Verbindung der wissenschaftlichen Lehre mit der praktischen Landwirtschaft. In einem Versuchsring versammelten sich mehrere Grundbesitzer, Landwirte sowie Landbetriebe und ließen unter Leitung eines wissenschaftlichen Assistenten Versuche zu Bodenfruchtbarkeit, Schädlingsbekämpfung, Pflanzensorten und Düngungsarten durchführen. Deren Ergebnisse kamen allen Mitgliedern zugute und durch Erfahrungsaustausch konnten die Erträge gesteigert werden. Bis 1933 gab es in Deutschland 700 Versuchsringe, die vom „Reichsnährstand“ der Nationalsozialisten ohne Ersatz aufgelöst wurden. Nach dem Krieg wurden sie langsam wieder aufgenommen und sind auch heute noch Grundlage für die Verbindung von Forschung und Praxis.

Theodor Roemer widmete sich der Züchtung krankheitsresistenter Pflanzensorten, er begründete die planmäßige Kreuzungs-Kombinationszüchtung gegenüber der ausschließlichen Veredelungsauslese und entwickelte wichtige Laborverfahren zur Prüfung und Verbesserung der Backqualität von Weizen. Unter seiner Leitung wurden 23 Getreidesorten und drei Erbsensorten gezüchtet. Zahlreiche Studien zur Bodenfruchtbarkeit und Fruchtfolge wurden an seinem Institut durchgeführt. Auch in den schwierigen Zeiten der Weltkriege setzte Roemer die Dauerversuche in Halle (u.a. den „Ewigen Roggenanbau“ von 1878) fort.

Sein Wissen über weltweite landwirtschaftliche Probleme schöpfte Roemer aus zahlreichen Studienreisen, u. a. nach Ostafrika, Amerika, Schweden, Rumänien, Ungarn, Niederlande, Russland. Er war für die wissenschaftliche Vorbereitung und Auswertung der Hindukusch-Expedition zur Sammlung von heimischen Wild- und Kulturpflanzen 1935 zuständig. 1937 begutachtete er in der Türkei den Zuckerrübenbau. Zwei Jahre später nahm Roemer am Vererbungskongress in England teil.

Roemer betreute in seinem Institut mehr als 200 Doktoranden und 13 Habilitanden, die später als bedeutende Wissenschaftler arbeiteten. Noch heute sind seine Lehrbücher zu Ackerbau und Pflanzenzüchtung Standardwerke in der landwirtschaftlichen Hochschulausbildung.

Anlässlich des 60. Geburtstages Roemers (1943) stiftete der Reichsverband der Deutschen Pflanzenzucht einen Betrag von 50.000 Reichsmark für die Gründung der Theodor-Roemer-Stiftung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Seit 1953 vergibt die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung in Detmold die Roemer-Medaille für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Erzeugung, Züchtung und Qualität von Getreide. Seit 1996 vergibt die Gesellschaft der Freunde der Landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg den mit 500 Euro dotierten Theodor-Roemer-Preis an Diplomanden, Doktoranden, wissenschaftliche Mitarbeiter und Hochschullehrer für hervorragende wissenschaftliche Leistungen.

1964 erhielt die im damaligen Aufbaugebiet der Wohnstadt Nord neu angelegte Straße den Namen des laut Hellmut Schmalz (1997, Festschrift) nach Kühn bedeutendsten Agrarwissenschaftlers der Universität Halle.

Antje Löhr-Dittrich


Quellen:

  • Diepenbrock, Wulf (Hrsg.): 50 Jahre Landwirtschaftliche Fakultät : 1947 - 1997; Festschrift. Halle (Saale): Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Landwirtschaftliche Fakultät, 1997.
  • Könnecke, Gustav: Theodor Roemer und das Institut für Acker- und Pflanzenbau der Universität Halle. In: 450 Jahre Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Bd. 3: Halle-Wittenberg 1945-1952. Halle/Saale 1952, S. 183-191.
  • Nathusius, Lilly von: Theodor Roemer. Lebensabriss und bibliographischer Überblick. Halle 1955.
  • Röbbelen, G. (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der Pflanzenzüchtung. Göttingen 2000.
  • Weber, Eduard, „Roemer, Theodor Ernst M.“, in Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 726-727 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118745735.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Roemer

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