Bildung im Vorübergehen:

Steffensstraße

Zusatzschild-Text:
Naturphilosoph, Mineraloge und Dichter, 1804–1811 Professor in Halle
Spender:
gespendet von Christel und Gerhard Herfurth
Status:
realisiert am 21.01.2014

Henrich Steffens (1773-1845)

Lebenslauf

 

Am 2. Mai 1773 wurde Henrich Steffens (mitunter auch Henrik) im norwegischen Stavanger geboren als Sohn eines aus Holstein eingewanderten Chirurgen und einer dänischen Mutter. Ab 1790 studierte er neben Theologie vor allem die Naturwissenschaften an der Universität Kopenhagen. Nach einer Forschungsreise habilitierte er sich 1796 als Privatdozent in Kiel. Im Sommer 1798 traf er in Jena auf Schelling, der ihn in naturphilosophischen Fragen stark beeinflusste. Von 1800 bis 1802 erwarb sich Steffens weitergehende geologische und mineralogische Kenntnisse beim Studium an der Bergakademie Freiberg.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Dänemark erhielt Steffens auf Vorschlag des halleschen Mediziners Johann Christian Reil 1804 den Ruf als ordentlicher Professor für Naturphilosophie und Mineralogie an die hallesche Friedericiana, wo er seine „Grundzüge der philosophischen Naturwissenschaft“ (1806) verfasste. Zu dem Theologen und Philosophen Daniel Friedrich Ernst Schleiermacher entwickelte sich eine enge Freundschaft.

Als 1806 die Universität durch Napoleon geschlossen wurde, ging Steffens mit seiner Familie auf einen längeren Urlaub in seine norwegische Heimat. Im Frühjahr 1808 kehrte er an die von Napoleons Bruder Jerôme Bonaparte wiedereröffnete Universität zurück.

Steffens war bereits in Halle aktiv in die Vorbereitungen zum Widerstand gegen Napoleon involviert. 1811 verließ er die Stadt, um an die Universität Breslau zu wechseln. Von hier aus beteiligte er sich 1813 als Kriegsfreiwilliger an den Befreiungskriegen gegen Napoleon und warb auch bei seinen Studenten für die Sache. 1821/22 und 1829/30 war er Rektor der Breslauer Universität.

1832 erhielt er den Ruf an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin als Professor für Religions- und Naturphilosophie, wo er 1834/35 zum Rektor gewählt wurde und bis zu seinem Tod lehrte.

Henrich Steffens starb am 13. Februar 1845 in Berlin und ist auf dem Friedhof II der Dreifaltigkeitsgemeinde in Berlin-Kreuzberg begraben. Sein Grabstein trägt ein Relieftondo des mit ihm befreundeten Bildhauers Bertel Thorvaldson (1840).
Sein Leben und seine Zeit schildert Steffens ausführlich in seiner 10-bändigen Autobiographie „Was ich erlebte.“ (1840-1844).

Steffens und die Stadt Halle

 

Henrik Steffens hatte in seinem bewegten Leben eine ganz besondere Beziehung zu Halle entwickelt.

 

  1. Über Johann Christian Reil war er auf eine Professur an der Universität gekommen.
  2. In Halle hatte er 1803 seinen Ehestand gegründet, und zwar mit der Reichardt-Tochter Johanna.
  3. In Halle entstand eine Freundschaft mit Friedrich Schleiermacher, wobei es in den napoleonischen Wirren zu gegenseitigen Wohnungsüberlassungen kam.
  4. Steffens wechselte aus vielerlei Gründen mehrfach die Wohnung. Zu nennen sind der Paradeplatz (heutiger Friedemann-Bach-Platz; Haus existiert nicht mehr), Große Märkerstraße 23, dabei steht
  5. fest, dass die Wohnung in der Großen Ulrichstraße 12 (bzw. heute 10) eine Besonderheit bildete; dorthin holte er nämlich einen Teil der Familie Reichardt nach, und Wilhelm Grimm weilte als Kurgast von Dr. Reil in diesem Haus bei Familie Steffens. Das Haus gehörte Frau Professor Bathe, einer guten Freundin der Familie Steffens. Sie war eine Schwester von Johann Christian Reil.

Obwohl mit Schleiermacher freundschaftlich verbunden, entfernte sich Steffens im Laufe seines Lebens von dessen theologischen Ansichten. In Breslau, wohin er 1811 wechselte, wandte er sich der Gemeinde der Altlutheraner zu. Er gilt als prominenter Gründungs-Vertreter dieser kirchlichen Gruppierung (1831). In Halle gibt es die altlutherische Kirche seit 1834 (Magdalenenkapelle in der Moritzburg), also seit 180 Jahren.

Im Jahre 1929 erhielt die Feldstraße zwischen der Ludwig-Büchner- und der Herweghstraße (damals Scharnhorst- und Cecilienstraße) den Namen des Gelehrten Henrich Steffens.

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