Bildung im Vorübergehen:

Scharnhorststraße

Zusatzschild-Text:
Preußischer Militärreformer, Vordenker einer Bürger- und Wehrpflichtarmee
Spender
gespendet von Stadtwerke Halle GmbH
Status:
realisiert

Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755-1813)

1778 trat Scharnhorst in das hannoversche Reiterregiment des Generals von Estorff ein. Hier machte er relativ zügig eine Offizierskarriere, für einen Bürgerlichen in dieser Zeit eher ungewöhnlich. 1782 wurde er Leutnant, 1792 Stabskapitän. Er war Lehrer an der vorgenannten Kriegsschule. 1793 bis 1795 nahm er in hannoverschen Diensten an den Kämpfen gegen die französischen Revolutionstruppen in Holland und Belgien teil. Sowohl als Soldat wie auch als Lehrer an der Kriegsschule zeichnete er sich aus und wurde von mehreren Staaten umworben. Im Jahre 1801 trat er als Oberstleutnant in preußische Dienste, übernahm höhere Kommandoposten und wurde Leiter der neu gegründeten Lehranstalt für jüngere Infanterie- und Kavallerieoffiziere. Zu seinen Schülern zählte auch Carl von Clausewitz. 1802 gründete er in Berlin die Militärische Gesellschaft, die als Keimzelle der künftigen preußischen Heeresreform galt.

1804 wurde Scharnhorst in den erblichen Adelsstand erhoben, zum Oberst befördert und 1806 zum Chef des Generalstabes dem Herzog von Braunschweig zugeordnet. Er nahm an der Schlacht von Jena und Auerstedt gegen die Truppen Napoleons teil, wurde dort verwundet und leitete gemeinsam mit Blücher den geordneten Rückzug der verbliebenen preußischen Truppen nach Norddeutschland. Bei Lübeck geriet er in französische Gefangenschaft, aus der er alsbald im Austausch frei kam.

Nach der Niederlage Preußens und dem Frieden von Tilsit wurde Scharnhorst 1807 preußischer Kriegsminister, Chef des Generalstabs und Vorsitzender der Militärreorganisationskommission (MRK). Es begann die Zeit des großen Militärreformers Scharnhorst. Schon vor dem Kriegsausbruch 1806 hatte Scharnhorst in einer Denkschrift an den preußischen König die Schaffung einer „Nationalmiliz“ angemahnt. Nach seinen Worten waren „alle Bürger des Staates (sind) geborene Verteidiger desselben.“ Die Militärreform befasste sich nicht nur mit militärischen Organisations-, Taktik- und Ausbildungsfragen, sondern stellte insgesamt auf Elemente der Bildung und Erziehung ab, denen ein Gleichmaß an Bedeutung in Staat, Gesellschaft und Militär zukommen sollte. Ausfluss dessen waren unter anderem die Abschaffung des Adelsprivilegs auf Offiziersstellen (hier spielten wohl stark die persönlichen Erfahrungen Scharnhorsts eine Rolle), die Einführung des Reservistensystems und die Abschaffung der Prügelstrafe im Militär (1807). 1810 musste Scharnhorst auf Betreiben Frankreichs als Kriegsminister zurücktreten. Als Generalstabschef nutzte er nun die Zeit für den Aufbau eines Ingenieurkorps.

Als beim Rückzug Napoleons aus Russland russische Truppen an der Grenze zu Schlesien erschienen, betrieb Scharnhorst gemeinsam mit dem preußischen Staatskanzler von Hardenberg den Abschluss des Bündnisses zwischen Preußen und Russland am 28. 2. 1813 in Kalisch. Scharnhorst trat als Generalstabschef in die Schlesische Armee  des preußischen Oberbefehlshabers von Blücher ein. In der Schlacht von Großgörschen am 2. 5. 1813 erlitt Scharnhorst eine Schussverletzung, an deren Folgen er auf Grund unzulänglicher Behandlung am 28. Juni 1813 in Prag verstarb. Seine Beisetzung erfolgte auf dem Invalidenfriedhof in Berlin.

Von Zeitgenossen wurde Scharnhorst als Gelehrtennatur beschrieben, von aufrichtigem und natürlichem Wesen.


Quellen:

  • Broicher, Andreas, Gerhard von Scharnhorst, Soldat – Reformer – Wegbereiter, Helios Verlag Aachen (www.broicher.net)
  • rbb Preußen-Chronik (www.preussen-chronik.de)
  • www.deutschlanddokumente.de/bioScharnhorst


  

 

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