Bildung im Vorübergehen:

Nickel-Hoffmann-Straße

Zusatzschild-Text:
Steinmetz, Ratsbaumeister in Halle, Schöpfer zahlreicher Renaissancebauten, u. a. des Stadtgottesackers, 1557–1590
Spender:
gespendet von Burkhard Taube und Wolfgang Walter Horn
Status:
realisiert am 23.05.2012

Nickel Hoffmann (1510-1592)

Geburtsjahr und -ort Nickel Hofmanns sind nicht bekannt. Erstmals erwähnt wird er im Jahre 1536 beim Bau des Schlosses Hartenfels in Torgau. Er war hier zunächst als Steinmetz, später als Unternehmer, Organisator und Bildhauer tätig. Hoffmann verwirklichte verschiedene Rathausbauten, zum Beispiel in Merseburg, Hof, Rothenburg ob der Tauber. Dabei gilt als sein Hauptwerk das Rathaus in Schweinfurt. Er lebte und wirkte in Pirna, in Zwickau beteiligte er sich am Bau der Marienkirche. Auch am Bau des Schlosses in Bernburg wird er als Schlossbaumeister genannt, am Berliner Schloss und an der Augustusburg bei Chemnitz findet man in den Quellen seinen Namen.

1550 erwarb Nickel Hoffmann das hallesche Bürgerrecht. Zu dieser Zeit arbeitete Nickel Hoffmann bereits an der Marienkirche, vollendete dort den Bau nach Westen bis an die Türme der früheren Gertraudenkirche, setzte nach den Vorgaben seines Vorgängers das eindrucksvolle Sterngewölbe in spätgotischen Formen ein und schuf die Emporenanlage mit der charakteristischen floralen Ornamentik, die sich auch am Stadtgottesacker wiederfindet und ein typisches Ziermotiv der Renaissance bildet. Auch die Aufstockung der Hausmannstürme, ihre Verbindung durch eine Brücke und die mit Eselsrücken verzierten Dachhauben gehen auf Nickel Hoffmann zurück. Im Jahre 1555, ein Jahr nach Fertigstellung der Emporen wird Nickel Hoffmann als „des Rates werckmeister“ bezeichnet, als Oberhaupt der städtischen Baubehörde.

Nachdem er sich bei der Vollendung des Marktkirchenbaus einen Ruf als hervorragender Baumeister erworben hatte, setzte er diese Tätigkeit beim Bau der Moritzkirche fort. Dieser war unterbrochen worden, nachdem Kardinal Albrecht 1510 die ansässigen Augustiner-Chorherren abgezogen und diese Kirche dem Bettelorden der Dominikaner zugewiesen hatte. Nach Albrechts Weggang 1541 übernahm die Stadt die Kirche und so konnte der Bau fortgesetzt werden. Auch hier wölbte Nickel Hoffmann das Gotteshaus nach dem im Chor vorgegebenen Muster ein, wie an der Marktkirche mit einem Gewölbeabhänger als seinem Markenzeichen.

Nickel Hoffmanns Hauptwerk in Halle ist zweifellos der Stadtgottesacker. Bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde dieser auf dem Martinsberg vor den Toren der Stadt gelegene Friedhof als Pestfriedhof genutzt. Als die Stadt aus hygienischen Gründen die innerstädtischen Friedhöfe an den Kirchen nach außerhalb verlegte, wählte man diesen Ort als städtischen Begräbnisplatz. Nickel Hoffmann entwarf eine Friedhofsanlage im Stile eines italienischen Campo Santo mit 94 Grüften, die von einer reich verzierten Schwibbogenarchitektur umrahmt sind. Es ist der einzige so gut erhaltene Friedhof dieser Art nördlich der Alpen. Die Schwibbögen zieren florale Rankenmotive, mit Grotesken, Tierdarstellungen und Bibelzitaten. Bedeutende Persönlichkeiten der Stadt Halle fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Über dem Eingang zum Friedhof hängt ein Reliefbild des Bildhauers und Steinmetzen, der ab 1557 die ersten Bogen selbst schuf und die Gesamtanlage plante (vollendet 1590).

1558 wurde unter Hoffmanns Leitung das (1882 abgerissene) Talamt umgebaut, Sitz des Salzgrafen als Vertreter des Erzbischofs und Tagungsort des Talgerichts. Ende der 1550er Jahre wurde das hallesche Rathaus unter der Leitung des Stadtarchitekten umfassend umgebaut. Seinen Abschluss fand dieser Umbau in der Erhöhung des Turmes. 1571-73 erneuerte Nickel Hoffmann die Fassade des benachbarten Waagegebäudes. Das repräsentative Portal des im 2. Weltkrieg zerstörten Gebäudes steht heute im Hof der Moritzburg. An manchen Bauvorhaben wird Nickel Hoffmanns Mitwirkung durch sein Steinmetzzeichen oder Bauinschriften bestätigt. So war noch im 19. Jahrhundert am Portal des Gebäudes Brüderstraße 6 sein Steinmetzzeichen ablesbar. Ebenso sind das Zeug- und Kornhaus, die Kirche St. Laurentius und die Neumühle von seiner Hand. Als Stadtarchitekt unterstand das kommunale Baugeschehen seiner Leitung, so dass zahlreiche Bauten nicht ohne seine Mitwirkung entstanden sein werden, wenn auch die Quellen wenig verraten.

Verschiedentlich wurde Nickel Hoffmann als Gutachter für Baufragen herangezogen, so zum Beispiel beim Verkauf von Schloss und Herrschaft Seeburg in den Jahren 1574–1585, wo er 1775 zusammen mit dem Zimmermann Christoph Lorenz den Bauzustand des Gebäudes untersuchte.

Nickel Hoffmann war zweimal verheiratet und hatte 5 Söhne, von denen drei namentlich bekannt (Nickel d. J., Samuel und Johann) und eine Tochter. Nickel d. J. (1579 gestorben) übte denselben Beruf aus wie der Vater. Auch wird ein Bruder Philipp Hoffmann beim Bau der Marienkirche in Zwickau.

Die finanzielle Situation des Baumeisters war trotz der zahlreichen Aufträge für bedeutende öffentliche Gebäude und trotz seiner zusätzlichen Einnahmen als Bornmeister aus der Saline nicht üppig. In den Berggerichtsbüchern finden sich wiederholt Einträge, in denen Nickel Hoffmann sein Haus vor St. Moritz verpfändet, um z. B. die Schulden seiner Söhne einzulösen. Laut Lehnbuch der Stadt Halle besaß Nickel Hoffmann zwei Häuser, eins „vor St. Moritz“, das andere „am Moritzkirchhof“ – beide Häuser, vermutlich von ihm selbst erbaut, gibt es heute nicht mehr.

In der Woche Exaudi 1592 (eine Woche vor Pfingsten) wurden Nickel Hoffmann zu Ehren die Glocken der Marienkirche geläutet, das exakte Todesdatum ist nicht bekannt. Da keines der halleschen Kirchenbücher sein Begräbnis meldet, weiß man auch nicht, wo er begraben wurde.

Quellen: 

  • Broda, Werner: Spurensuche Nickel Hoffmann. Ein Baumeister der ‚deutschen Renaissance’. Dissertation Marburg 1998.
  • Hofestädt, Bernd: Hallische Mosaiksteine zum Lebensbild Nickel Hoffmanns (um 1515-1592). Neues zu den wirtschaftlichen und familiären Verhältnissen des großen Baumeisters. In: Ekkehard Folge 13 (2006), Heft 1, S. 2-8.

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