Bildung im Vorübergehen:

Lutherplatz

Zusatzschild-Text:
Reformator und Bibelübersetzer
Spender
gespendet von Prof. Hermann von Lips
Status:
realisiert

Martin Luther (1483-1546)

Die Beziehungen des Reformators Martin Luther zu Halle

„Hall, du werte Stadt, der barmherzige Gott erhalte dich, dass du nicht gar versinkest, du hast je Gottes Wort geliebt, darum wird dich Gott erhalten“

(Tischrede Luthers)

Halle als Residenz der Erzbischöfe von Magdeburg, aber gelegen im unmittelbaren Wirkungsraum Luthers, zwischen Thüringen, Anhalt, und dem Brandenburgischen, war ein bedeutender Brennpunkt der reformatorischen Bewegung des 16. Jahrhunderts. Der spätere Kardinal Albrecht war für Luther wegen der prunkvollen Zurschaustellung seines kostbaren Reliquienschatzes, der als “Hallisches Heiltum” nahezu unbegrenzt Ablass und Sündenfreisprechung versprach, ein Hauptgegner in seinem Kampf gegen den Ablasshandel. In Briefen und Schriften nannte Luther den Erzbischof nur den “Abgott von Halle” und seine Kathedrale (der hallesche Dom) das “Schandhaus zu Halle”. Albrecht bemühte sich, Halle zu einem antireformatorischen Zentrum und durch Gründung einer Universität zu einer Art "Gegenwittenberg" aufzubauen. Die starke römisch-katholische Präsenz behinderte lange die Einführung der Reformation in Halle.

Luther verfolgte die Vorgänge in Halle: Im September 1527 verfasste er die “Trostunge an die Christen zu Halle über Herrn Georgen ihres Predigers Tod”, (jener wurde von Unbekannten ermordet), 1528 erscheint die “Trostschrift an die Christen zu Halle”, in der er die Einwohner ermutigte, sich vom „Tyrannen“ nicht einschüchtern zu lassen, sondern fleißig zum Abendmahl zu gehen.

Prediger der Marienkirche, der neuen Hauptkirche der Stadt war 1541 Justus Jonas (1493-1555) geworden, Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Wittenberg, ein alter Mitstreiter Luthers, der ihn schon 1521 auf dem Reichstag zu Worms begleitet hatte. Nachdem auf dem Landtag in Calbe in einem Vergleich mit den Ständen des Erzbistums Magdeburg der Abzug des Kardinals aus Halle erzwungen wurde, hielt Jonas am Karfreitag, dem 15. April 1541 die erste evangelische Predigt in Halle. Zur Erinnerung an diese Predigt schaffte Magistrat eine zweibändige Bibelausgabe (1541 durch Hans Lufft in Wittenberg gedruckt) an und lässt sie durch handschriftliche Eintragungen u. a. Luthers und Melanchthons schmücken. Diese Bibelausgabe wird heute im Stadtarchiv aufbewahrt.

Es wird angenommen, dass Luther des öfteren in Halle war, 1518 soll er sogar knapp dem Schuss eines Landsknechtes entgangen sein, verbürgt jedoch sind seine Reisen nach Halle gegen Ende seines Lebens. Im Sommer 1545 weilte Luther in der Stadt und nahm Quartier im Haus „Zum Goldenen Schlösschen“ in der Schmeerstraße 2, in dem auch Justus Jonas wohnte. (Eine Gedenktafel am Haus erinnert heute an diesen Besuch.) Am 5. August predigte er zum ersten Male in der noch im Bau befindlichen Marienkirche und wurde danach vom städtischen Rat gastlich empfangen, bewirtet und mit einer Ehrengabe von 60 Talern ausgezeichnet, welche er für den Bau der Marienkirche stiftete. Auch im Oktober sowie Weihnachten machte er auf der Durchreise bei seinem Freund Jonas Station. Auf der Rückreise am 6. Januar 1546 sowie bei dem wetterbedingten Aufenthalt während seiner letzten Reise ins Mansfeldische am 25. Januar predigte er wieder in der Marienkirche. Am 18. Februar 1546 starb Luther in Eisleben. Der Trauerzug, der Luthers Leichnam nach Wittenberg überführte erreichte am 20 Februar Halle und wurde über Moritzbrücke, Alten Markt und Schmeerstraße von Geistlichkeit, dem städtischen Rat und der rege Anteil nehmenden Bevölkerung zur Marienkirche geleitet. Hier wurde der Sarg über Nacht in der Sakristei aufgebahrt.

Der im Dienste des halleschen Rates stehende Maler Lukas Furtenagel hatte noch in Eisleben eine Totenmaske des Verstorbenen abgenommen, welche durch Justus Jonas in den Besitz der Marienkirche gelangte. Die Maske sowie Abdrücke der Hände Luthers wurden 1663 durch den halleschen Künstler Lucas Schöne für eine lebensgroße Lutherfigur zusammengefügt, welche zunächst in der Marienbibliothek und dann in einem Nebenraum der Marienbibliothek aufbewahrt wurde. Diese Figur gibt es heute nicht mehr, 1926 wurde die ursprüngliche Totenmaske rekonstruiert. Die originalen Wachsabgüsse der Totenmaske und der Totenhände werden heute in der Turmkammer der Marienkirche aufbewahrt.

Zum 400. Geburtstag Luthers 1883 wurde vom halleschen Steinmetz Emil Schober eine Reliefbüste aus Sandstein an der Ostseite der Marienkirche zwischen den Hausmannstürmen angebracht. Vier Jahre später wurde eine Straße im Süden der Stadt zwischen Beesener und Merseburger Straße nach dem Reformator benannt, 1905 folgt der Lutherplatz am Schnittpunkt Lutherstraße, Liebenauer und Turmstraße.

Originalzeugnisse des Wirkens Luthers finden sich heute in der Marienbibliothek (deren Bestand mit einer Sammlung von Luthers Schriften begann), den Franckeschen Stiftungen, dem Stadtarchiv sowie der Universitätsbibliothek.

A. Stettner

Quellen:

  • Stadtarchiv, Signatur FA 11000
  • Reformationsdenkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts, Otto Kammer, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig, 2004

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