Bildung im Vorübergehen:

Krukenbergstraße

Zusatzschild-Text:
Professor und Direktor der Universitätsklinik Halle, Gründer der ambulatorischen Klinik, Schwiegersohn von Johann Christian Reil
Spender
gespendet von Dr. med. Agnes Beleites
Status:
realisiert

Peter David Krukenberg (1787-1865)

Am 14. Februar 1787 wurde Peter David Krukenberg in Königslutter geboren als Sohn des Apothekers Johann Jakob Krukenberg und seiner zweiten Ehefrau, der Kaufmannstochter Johanna Elisabeth Sophia, geb. Spannhuth.

Neben seiner schulischen Ausbildung zeigte Krukenberg, nach eigener Auskunft, bereits sehr früh Interesse an den botanischen Exkursionen des Lehrlings in der väterlichen Apotheke, beobachtete mit Vergnügen die Herstellung von Arzneien, bastelte selbst aus Holz und Pappe kleine Geschenke und schrieb kleine Predigten und Reden. Noch vor Ende seiner Schulbildung auf dem Catharinen-Gymnasium in Braunschweig, das er mit ausgezeichnetem Zeugnis verließ, besuchte der erst 17-jährige Krukenberg Vorlesungen und Übungen am Braunschweiger Collegium anatomico-chirurgicum. Auf dem 1805 folgenden Collegium Carolinum hörte Krukenberg Vorlesungen über Altertumswissenschaften, Staatslehre und Geschichte, Metallkunde, Physik, Naturgeschichte, Mathematik und Altphilologie. 1810 beendete er sein Medizinstudium in Göttingen mit einer Dissertation über Augenkrankheiten („de cancro bulbi oculi humani“), die verschollen ist.

Im Anschluss ging der junge Mediziner an die neu gegründete Universität in Berlin, traf dort auf die Ärzte Johann Christian Reil (1759-1813) und Ernst Ludwig Heim (1747-1834), die beide großen Einfluss auf Krukenberg ausüben sollten. Reil hatte sich in seiner halleschen Zeit für die Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens und die unentgeltliche Versorgung der ärmeren Bevölkerung eingesetzt. In diesem Sinne wirkte später auch Krukenberg.

Im Jahre 1813 trat Krukenberg ins Lützowsche Freikorps ein und arbeitete dort bald als Arzt. Wegen einer Typhuserkrankung musste er das Korps schon im darauf folgenden Jahr verlassen, erhielt jedoch ein hervorragendes Entlassungszeugnis.

Nach seiner Genesung wurde er zum außerordentlichen Professor an die Medizinische Fakultät der Universität Halle berufen. Interimistisch übernahm er die unbesetzte Stelle der Fakultätsleitung, im März 1815 legte er sein preußisches Staatsexamen ab. Als die Direktorenstelle 1816 mit Christian Friedrich Nasse (1778-1851) besetzt wurde, entwickelte Krukenberg die Idee, zusätzlich zur bestehenden Medizinischen Klinik der Universität eine ambulatorische Klinik einzurichten, bei welcher die Patienten nicht über Nacht blieben oder auch in ihrem häuslichen Umfeld von den Ärzten besucht wurden. Ende Mai 1816 wurde die ambulatorische Klinik Krukenbergs in seinem Privathaus in der Brüderstraße 5 in Halle eröffnet. Die Studenten lernten hier das Umfeld ihres künftigen Wirkungskreises kennen, nicht seltene Einzelfälle, sondern gewöhnliche Volkskrankheiten und deren Quellen. Starb ein Patient, wurde er unter Krukenbergs Aufsicht seziert, was dem Professor den Unmut seines Kollegen, des Anatomen Johann Friedrich Meckel (1781-1833) einbrachte. Auch die Chirurgen wandten sich des öfteren mit Klagen an das zuständige Ministerium, Krukenberg betreue auch chirurgische Fälle wie Entzündungen der Muskeln und Knochen oder Geschwüre, die nicht in seine Kompetenz fielen.

Gleichzeitig sollte mit der ambulatorischen Klinik die gesundheitliche Armenversorgung der Stadt gesichert werden. Zur finanziellen Unterstützung gründete sich ein Verein zur Pflege armer kranker Bürger aus etwa dreißig Mitgliedern, welcher die Klinik mit jährlich 300 Talern unterstützte, 400 Taler als jährlicher Zuschuss wurden aus dem königlichen Etat gewährt. Um das gesamte hallesche Stadtgebiet ärztlich versorgen zu können, wurde die Stadt in Distrikte geteilt, in denen ein erfahrener Arzt und drei bis sechs jüngere Studenten die Patienten behandelten. Als Rechenschaftsbericht über die Führung der Klinik veröffentlichte Krukenberg auf Drängen des Ministeriums zwei „Jahrbücher der Ambulatorischen Klinik zu Halle“ (1820 und 1824).

Obwohl Krukenberg nach Nasses Weggang im Frühjahr 1819 erneut die interimistische Leitung des Instituts übernahm, erhielt er die ordentliche Professur und offizielle Leitung erst im September 1822 mit einem jährlichen Gehalt von 1000 Talern. Unter Krukenbergs Direktion wurden die bisherige stationäre Medizinische Klinik der Universität und seine ambulatorische Klinik zusammengeführt zu einer in Deutschland wegweisenden Universitätsklinik. Da die alte Medizinische Klinik in den Gebäuden des ehemaligen Reformierten Gymnasium am Domplatz nicht mehr den Erfordernissen entsprach, beantragte Krukenberg einen Neubau an dieser Stelle, der zu Neujahr 1840 bezogen werden konnte und damals als Muster eines modernen Krankenhauses galt (heute befindet sich dort das Zentralmagazin der naturwissenschaftlichen Sammlungen der Universität). Um den bedeutenden Mediziner an der halleschen Universität zu halten, wurde ihm 1837 der Titel eines Geheimen Medizinalrats verliehen.

Im Alter von 69 Jahren legte Krukenberg 1856 seine Ämter wegen zunehmender Schwerhörigkeit nieder. Im darauf folgenden Jahr stiftete er 5000 Taler für ein Stipendium für verdiente Medizinstudenten, das mindestens bis 1916 ausgezahlt wurde. Nach zwei Schlaganfällen und einem zusätzlichen Krebsleiden starb Peter David Krukenberg am 13. Dezember 1865.

Krukenberg war verheiratet mit Emilie Auguste Reil (1793-1881), einer Tochter seines Lehrers Johann Christian Reil. Die Ehe blieb kinderlos. Auch Auguste Krukenberg engagierte sich wie ihr Ehemann auf sozialem Gebiet. Sie hatte mit dem Tod ihres Vaters dessen Anwesen, den spitzen Weinberg oder auch Schafberg in Giebichenstein geerbt. Das Ehepaar Krukenberg nutzte dieses Anwesen als Sommersitz. Den schönen Park hielt man für Wanderer offen, und Krukenberg empfing gern Studenten in seinem dortigen Haus. Später erfuhr die „Reilsche Villa“ bauliche Veränderungen. 1901 eröffnete auf dem Gelände Halles Bergzoo. Mit dem Neubau der Kliniken am Domplatz verkaufte Krukenberg sein Haus in der Brüderstraße und die Familie bezog ein Haus Am Kirchtor 21.

Krukenberg erhielt zahlreiche Ehrungen verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften, er war u.a. Mitglied der Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher.

Antje Löhr-Dittrich

Quellen:

  • Schröter, R. C.: Peter David Krukenberg (1787-1865). Leben und Werk. Diss. an der MLU Halle 2010 und deren Veröffentlichung im Jahrbuch für hallische Stadtgeschichte 2010, Hrsg. v. Ralf Jacob und dem Verein für hallische Stadtgeschichte, S. 10-43.
  • Hauck, Gustav: Peter Krukenberg: eine Denkschrift, Berlin: Nauck 1867.
  • www.musoptin.com/Schiek_63.html

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