Bildung im Vorübergehen:

Karl-Völker-Straße

Zusatzschild-Text:
Maler, Grafiker, Architekt
1919 Mitbegründer der Hallischen Künstlergruppe
Spender:
gespendet von Annelene und Andreas Wolf und von Dr. Sabine Meinel
Status:
Vorschlag

Karl Adolf Völker (1889-1962)

Am 17. Oktober 1889 wurde Karl Völker in Giebichenstein bei Halle geboren. Nach der Ausbildung zum Dekorationsmaler im väterlichen Betrieb und in der halleschen Handwerkerschule war er zunächst in Riga und Leipzig tätig und studierte dann bei Prof. Richard Guhr im Meisteratelier für Wandmalerei der Dresdner Kunstgewerbeschule.

1913 kehrte er nach Halle zurück und erhielt Aufträge zur farblichen Ausgestaltung von Räumen, u. a. 1914 die Ausmalung der Kuppel in der Kapelle des Gertraudenfriedhofs. Er beteiligte sich an Ausstellungen und Wettbewerben und wurde 1919 Mitglied der „Novembergruppe“. Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit den Bildhauern Paul und Richard Horn, Karl Oesterling und dem Architekten Martin Knauthe die „Hallische Künstlergruppe“. Nach dem Tod des Vaters übernahm Karl Völker gemeinsam mit dem Bruder Kurt die väterliche Malerwerkstatt.

1921 entstanden die großformatigen Wandbilder im Sitzungssaal des Redaktionsgebäudes der Tageszeitung „Klassenkampf“ in der Lerchenfeldstraße. Im selben Jahr begannen Karl und Kurt Völker mit der Ausmalung und Umgestaltung der Dorfkirche in Schmirma. Damit schuf Völker einen in der Kunstgeschichte einzigartigen Zyklus über das Leben Jesu, „der durch die Leuchtkraft und den Kontrastreichtum seines intensiv wirkenden Kolorits nach wie vor zu faszinieren mag“ (MZ 2.1.1991). Karl Völker arbeitete zusammen mit Bruno Taut in Magdeburg (Farbgestaltung des Magdeburger Rathauses) und mit Wilhelm Jost in Halle. Hier war er an den Farbplanungen zum halleschen Marktplatz beteiligt. Der 1920 bei dem Wettbewerb um ein Volkshaus am Roßplatz gemeinsam mit den Stadtbaurat Clemens Vaccano eingereichte Entwurf erhielt den 1. Preis.

Von 1923 bis 1925 fertigte Karl Völker expressive Holz- und Linolschnitte mit sozialkritischem Inhalt für die Wochenzeitung »Das Wort« und den »Klassenkampf«, und er beteiligte sich an der von der Künstlerhilfe zugunsten der Internationalen Arbeiterhilfe herausgegebenen „Hungermappe“. Die der Neuen Sachlichkeit verpflichteten „Industriebilder“ entstanden in der Reflexion der Industrialisierung der Region um Halle und aus seiner Tätigkeit als Architekt.

Bereits 1922 begann die Zusammenarbeit mit Otto Haesler mit einem Farbkonzept für die Siedlung „Italienischer Garten“ in Celle. Von 1928 bis 1932 war Karl Völker in dessen Architekturbüro in Celle als engster Mitarbeiter Haeslers tätig. Nach einem Kuraufenthalt in der Schweiz entstanden die „Kaffeehausbilder“, „Seestücke“ und Portraits. Seine Maskenstilleben spiegeln seine Ängste vor der Zukunft in der sich wandelnden politischen Landschaft wieder.

Während der Zeit des Nationalsozialismus musste Karl Völker um Aufträge kämpfen. Seine Malereien der Zwischenkriegszeit wurden als „entartet“ diffamiert. Der damalige Provinzialkonservator Hermann Giesau ermöglichte ihm jedoch zwischen 1934 und 1943 im Auftrag der Denkmalpflege Wandmalereien, Restaurierungen und farbige Raumgestaltungen in mitteldeutschen Dorfkirchen, u. a. in Alberstedt, Holleben, Kelbra, Oberteutschenthal, Schwenda, Zwenkau und im Schloss Zeitz. Im letzten Kriegsjahr wurde Karl Völker zum sogenannten „Volkssturm“ eingezogen. Seine Erfahrungen auch aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft im Lager Bad Kreuznach dokumentierte er in Skizzen und einer daraus resultierenden Radierfolge.

Nach dem Ende des Krieges nahm er wieder an Architekturwettbewerben teil, gemeinsam mit seinem Sohn Horst und Otto Haesler, u. a. für den Wiederaufbau der Altstadt von Rathenow und den Umbau des Berliner Zeughauses. Es entstanden Wandmalereien, u. a. in den halleschen Kammerspielen, der Industrie- und Handelskammer Halle und im Saal des „Hauses des Volkes“ in Bad Dürrenberg sowie Entwürfe für Glasfenster in der Thomaskirche in Erfurt und den Magdeburger Dom und andere öffentliche Gebäude und Kirchen. Zusammen mit seinem Sohn Horst und Otto Haesler erhielt Völker einen Forschungsauftrag zur Entwicklung einer Großplattenbauweise aus Trümmermassen.

1949 fand eine Retrospektive zum 60. Geburtstag des Künstlers in der Galerie Moritzburg in Halle statt, es folgten weitere Personalausstellungen u.a. in der Galerie Henning. Gleichzeitig erhob die Presse Formalismus-Vorwürfe gegen sein Werk. 1953 war Völker an der Ausmalung und Restaurierung des Goethe-Theaters und des Kursaales in Bad Lauchstädt beteiligt.

1961 wurde ihm der Kunstpreis der Stadt Halle verliehen. Am 28. Dezember 1962 verstarb er, mitten in der Arbeit, an einem Gehirnschlag in Weimar. Im neuen Jahr wurde er feierlich auf dem halleschen Gertraudenfriedhof beigesetzt.

Quellen:
Sabine Meinel: Zu Leben und Werk Karl Völkers. In: Klaus Völker & Sabine Zausch (Hrsg.): Karl Völker. Utopie und Sachlichkeit. Maler Grafiker Architekt. Katalog zur Ausstellung in der Stiftung Moritzburg Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, Halle, 2007, S. 41-204.
Sabine Meinel: Karl Völker - Leben und Werk. Halle, Univ., Philosophische Fakultät I, Diss., 2008
Stadtarchiv Halle, Familienarchiv FA 2686, Völker, Karl

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