Bildung im Vorübergehen:
Karl-Beyer-Straße
- Zusatzschild-Text:
- Maurer, Mitglied des Lettiner Sportvereins, Kämpfer für den Roten Soldatenrat Halle, nach dem Kapp-Putsch erschossen
- Spender:
- gespendet von interessierten Bürgerinnen und Bürgern
- Status:
- Vorschlag
Karl Beyer (1892-1920)
Über die beiden jungen Arbeiter Karl Beyer und Otto Schmeil sind kaum Dokumente vorhanden. Sie sind gestorben, bevor ihr Leben richtig beginnen konnte. Otto Schmeil wurde am 21. Juli 1896 in Kröllwitz in einer Arbeiterfamilie geboren. Er arbeitete 1920 im Leunawerk. Karl Beyer wurde 1892/93 (?) als Sohn eines Fabrikarbeiters geboren. Im Jahre 1920 war er als Maurer tätig und hatte in Lettin ein kleines Baugeschäft. In den politischen Unruhen im Zuge des Kapp-Putsches im März 1920 verloren beide ihr Leben. Ein vermutlich 1955 aufgestellter Gedenkstein vorm Ortseingang zu Lettin erinnert daran.
Vom 13. bis 17. März 1920 versuchten gegen Demokratie und Republik eingestellte Putschisten (v. a. aktive Reichswehrsoldaten oder ehemalige Angehörige der alten, kaiserlichen Armee und Marine sowie der reaktionären Freikorps, die sich nach dem Ersten Weltkrieg gebildet hatten) die Weimarer Republik und ihre demokratische Staatsordnung zu stürzen. Unter anderem verhinderte das Gelingen dieses Vorhabens ein von der Regierung ausgerufener Generalstreik.
Der Rote Soldatenrat Halles hatte die Arbeiter aufgerufen, die Stadt vor der Kapp-Soldateska zu schützen. Auch in Lettin haben die Kommunisten den Auftrag erhalten, den Eingang nach Halle zu bewachen. Sie konfiszierten die Jagdwaffen der Großgrundbesitzer und sollten Straßensperren errichten. Schmeil und Beyer gehörten zu den aktiven Kräften der Arbeiter Lettins. Am Tag der Ermordung der beiden Lettiner Arbeiter gab es in Halle Verhandlungen zur Wiederaufnahme der Arbeit zwischen Streikleitung und Arbeitgebern.
Zu den genauen Todesumständen der Beiden gibt es verschiedene Aussagen. Eine besagt, dass aktive Kämpfer gegen die Kapp-Putschisten in einer Scheune gefangen gehalten wurden. Schmeil und Beyer wurden dort als Rädelsführer denunziert und deshalb zur Verurteilung nach Halle gebracht. Auf dem Weg von Lettin nach Halle wurden sie jedoch erschossen. Die „Einzelfallakte Schmeil, Otto (Erben)“ aus dem Stadtarchiv Halle, in der von der standrechtlichen Erschießung Otto Schmeils die Rede ist, würde diese Variante erhärten. Eine andere Version aus der Schilderung der Nachfahren berichtet, dass von den Kapp-Putschisten an der Stelle des Gedenksteines ein Maschinengewehr in Stellung gebracht wurde und auf beide Männer geschossen wurde. Beschrieben wird, dass man Karl Beyer an der Stelle, wo heute der Gedenkstein steht, mit 30 Schüssen im Körper auffand. Beide waren lebensgefährlich verletzt. Deren Ehefrauen brachten sie in einem Handwagen in die Feierhalle des Friedhofes von Lettin, wo sie ihre Männer verbanden. Dennoch verbluteten sie.
Beide Varianten, wenn auch verschiedene Todesumstände beschrieben werden, belegen, dass Otto Schmeil und Karl Beyer aktiv in der Arbeiterschaft kämpften und dies mit ihrem Leben bezahlten. Die Verantwortlichen dafür wurden nie zur Rechenschaft gezogen.
Otto Schmeil, dessen Foto man in der Sportgaststätte findet, war der Sohn von Otto Schmeil und aktiver Fußballer. Bis zur Wende organisierte die BSG Lettin jährlich einen Otto-Schmeil-Gedächtnislauf.
Auf ihrem Grabmal auf dem Lettiner Friedhof steht geschrieben: „Den im März 1920 gefallenen Freiheitskämpfern“. Vorm Ortseingang zu Lettin an der Stelle, wo die beiden jungen Männer Karl Beyer und Otto Schmeil am 23.3.1920 ermordet wurden, erinnert der Gedenkstein mit dem Text: „Die Toten mahnen …“.
Dank an Dr. Ines und Bernd Budnik