Bildung im Vorübergehen:

Hermannstraße

Zusatzschild-Text:
Fürst der germanischen Cherusker, Sieg über die Römer im Teutoburger Wald, in der Gründerzeit als Nationalheld verehrt
Spender
gespendet von Orthopädie‐Schuhtechnik, Gottfried Stenzel, Atelier f. Holzgestaltung, Alexander Eschke, Zahnarzt, Dr. Frieder Lorenz, Familie K. Schiewe & R. Schütz u. Lebensreden‐Ichite, Berit Ichite (die ihre Nachbarn zu dieser Schilderpatenschaft anstiftete)
Status:
realisiert

Hermann – Arminius (um17vChrum21nChr)

Unter dem Namen Hermann wurde in der Gründerzeit der germanische Fürst Arminius als Nationalheld verehrt, der im Jahre 9 n. Chr. dem römischen Heer im Teutoburger Wald eine vernichtende Niederlage beigebracht hatte. Über das Leben des Arminius ist nur Weniges durch römische Autoren überliefert; die sogenannte Varusschlacht, die ihm seinen Ruhm einbrachte, ist in jüngerer Zeit auch durch archäologische Funde greifbarer geworden.

Aus den erhaltenen Angaben lässt sich erschließen, dass Arminius um das Jahr 17 v. Chr. geboren wurde. Sein Vater Sigimer war Stammesfürst der Cherusker, deren Siedlungsgebiet an der mittleren Weser westlich des Harzes lag. Damit gehörte es zu den Regionen östlich des Rheins, die zu Arminius‘ Jugendzeit Ziel des römischen Expansionsstrebens waren. Zahlreiche Feldzüge und Bündnisvereinbarungen führten zu einem starken römischen Einfluss in diesem Teil Germaniens.

Arminius trat in römische Dienste, erhielt eine militärische Ausbildung und das römische Bürgerrecht. Das war nicht ungewöhnlich, nicht wenige Germanen gingen diesen Weg. Von besonderer Fähigkeit und Loyalität zeugt es aber, dass Arminius in den Ritterstand erhoben wurde und damit einen hohen Rang in der römischen Hierarchie erreichte. Er lernte römische Denkart und Kampfesweise kennen, möglicherweise war er an der Niederschlagung eines Aufstandes in Pannonien und Dalmatien in den Jahren 6–8 n. Chr. beteiligt. Spätestens im Jahre 9 n. Chr. befand er sich wieder in seinem Stammesgebiet.

Der römische Statthalter Publius Quintilius Varus unternahm in diesem Jahr mit drei Legionen (ca. 15000 Soldaten) einen Inspektionsmarsch, der ihn bis zur Weser führte. Arminius wird dabei als sein Vertrauter bezeichnet, er garantierte ihm scheinbar die Loyalität der Germanen. Im Geheimen bereitete er jedoch den Aufstand vor und überfiel die römischen Legionen auf der Rückkehr zur Rheingrenze völlig überraschend mit einem Aufgebot germanischer Kämpfer aus verschiedenen Stämmen. Innerhalb von drei Tagen wurden die Legionen fast völlig vernichtet, ein sorgfältig geplanter Hinterhalt sicherte Arminius den Sieg. Aufgrund reichen Fundmaterials kann der Ort des Geschehens heute mit großer Wahrscheinlichkeit bei Kalkriese am Nordrand des Wiehengebirges lokalisiert werden.

Arminius gewann durch seinen Erfolg großes Ansehen bei den Cheruskern und den verbündeten Stämmen. Die Römer gaben trotz des schweren Rückschlags die germanischen Gebiete noch nicht auf, in weiteren Kämpfen bis zum Jahr 16 n. Chr. konnte jedoch keine Seite einen durchschlagenden Erfolg erzielen. Der Rhein blieb schließlich die Grenze des römischen Imperiums.

Arminius' Frau Thusnelda und ihr gemeinsamer Sohn gerieten 15 n. Chr. in römische Gefangenschaft, er selbst wurde um 21 n. Chr. bei Stammeszwistigkeiten ermordet.

Arminius hat zweifellos großen Anteil daran, dass die germanischen Gebiete östlich des Rheins selbständig blieben. Selbst der römische Historiker Tacitus nennt ihn respektvoll den Befreier Germaniens. Der Druck der Fremdherrschaft wog ihm nach eigenem Erleben offenbar schwerer als die Vorteile römischer Zivilisation. Seine konkreten Motive für die radikale Abkehr von Rom sind jedoch nicht bekannt.

Im 16. Jahrhundert wurde Arminius wiederentdeckt und zum Nationalhelden erhöht. Dabei erhielt er recht willkürlich den deutschen Namen Hermann anstelle seines überlieferten römischen Namens Arminius. Auf der Suche nach dem Ort seines Sieges bekam im 17. Jahrhundert ebenfalls recht willkürlich der heutige Teutoburger Wald seinen Namen.

In Folge der napoleonischen Herrschaft über große Teile Deutschlands und ihrer Überwindung rückte Arminius im 19. Jahrhundert verstärkt in den Blick. Er diente als mythisch überhöhtes Vorbild eines Kämpfers für Freiheit und nationale Einigkeit, musste aber auch als Symbol vermeintlicher deutscher Überlegenheit herhalten. Der historische Wahrheitsgehalt trat dabei oft in den Hintergrund. 

Der eigenwillige Künstler Ernst Bandel begann 1838 den Plan eines monumentalen Hermannsdenkmals umzusetzen, das bis heute in der Nähe von Detmold über den Teutoburger Wald ragt. Das Projekt fand als nationales Symbol zunächst deutschlandweit große finanzielle Unterstützung, die Errichtung zog sich jedoch über Jahrzehnte hin und konnte erst nach der Gründung des Kaiserreiches und einer erheblichen Zuwendung durch den Reichstag und Kaiser Wilhelm I. im Jahre 1875 vollendet werden. Die Gestalt des Arminius-Hermann und das gewaltige ihm gewidmete Denkmal eigneten sich hervorragend für eine nationale Mythenbildung, wie sie in dieser Zeit gefragt war.

Die Einweihungsfeier am 16. August 1875 in Anwesenheit des Kaisers wurde pompös inszeniert. Die „Hallische Zeitung“ berichtete tagelang ausführlich darüber und bezeugt damit die besondere Wahrnehmung dieses Ereignisses auch in unserer Region. Zahlreiche Straßen in deutschen Städten tragen den Namen Hermannstraße. Wie in Berlin-Neukölln fand die Hermannsbegeisterung auch in Halle noch im Jahr der Denkmalseinweihung ihren Ausdruck offenbar in einer Straßenbenennung. Der damals neu bebaute „Weg zum Zuchthaus“ erhielt den Namen Hermannstraße.

Der Bauunternehmer Friedrich Kuhnt, der dort Grund erworben hatte und die Bebauung wesentlich vorantrieb, mag den Namen vorgeschlagen oder zumindest begrüßt haben – seinem eigenen Sohn hatte er sieben Jahre zuvor den Namen Hermann gegeben.

Henryk Löhr

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