Bildung im Vorübergehen:

Hans-Dietrich-Genscher-Platz

Zusatzschild-Text:
FDP-Politiker, Vizekanzler, Außenminister, „Architekt der Deutschen Einheit“, Sohn, Förderer und Ehrenbürger dieser Stadt
Spender
gespendet von Dr. Kerstin Wagner, Thomas Hoffmann und Dr. Hans-Dieter Wöllenweber
Status:
realisiert

Hans-Dietrich Genscher (1927-2016)

Am 21. März 1927 wurde Hans-Dietrich Genscher in Halle-Reideburg geboren als Sohn des Justitiars Kurt Genscher und seiner Frau Hilde, geb. Kreime. Von 1937 bis 1946 besuchte er das Reform-Realgymnasium in Halle, das seit einem Jahr seinen Namen trägt. Als 15-Jähriger wurde Genscher gezwungen im 2. Weltkrieg als Luftwaffenhelfer zu dienen. Um der Zwangsrekrutierung durch die Waffen-SS zu entgehen, meldete er sich im Januar 1945 freiwillig zur Wehrmacht. Nach Kriegsende arbeitete er als Bauhilfsarbeiter und beendete seine Schulzeit. Zur gleichen Zeit erkrankte er an Tuberkulose, die erst viele Jahre später ausgeheilt werden konnte. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft an den Universitäten Halle und Leipzig arbeitete er bis 1952 als Referendar beim Amtsgericht im Oberlandesgerichtsbezirk Halle. Obwohl es ihm materiell gut ging, sah er sich aufgrund seiner politischen Überzeugung gezwungen, die DDR zu verlassen. Über West-Berlin floh er nach Bremen, wo er nach dem 2. Staatsexamen ab 1954 als Rechtsanwalt arbeitete.

Ab 1956 engagierte sich Genscher als FDP-Politiker, war zunächst Fraktions-, später Bundesgeschäftsführer der Partei. 1965 wurde er in den Bundestag gewählt. In der SPD-FDP-Koalition von 1969–1974 war Genscher Bundesminister des Innern. Vom stellvertretenden Parteivorsitzenden ab 1968 stieg er 1974 zum Vorsitzenden der FDP auf (bis 1985). Achtzehn Jahre lang bekleidete Genscher die Posten des Außenministers und des Vizekanzlers der Bundesrepublik, von 1974 bis 1982 unter Kanzler Helmut Schmidt (SPD), mit kurzzeitiger Unterbrechung von 1982 bis 1992 unter Kanzler Helmut Kohl (CDU). Zeit seines Lebens setzte er sich für die Überwindung der Teilung Europas und Deutschlands sowie des Kalten Krieges ein.

Der Außenminister Genscher stand für eine „aktive Entspannungspolitik“ zwischen Ost und West, er förderte den Dialog mit der damaligen Sowjetunion und das Zusammenwachsen der Europäischen Gemeinschaft. An den Verhandlungen zur Wiedervereinigung war er maßgeblich beteiligt. Berühmt ist die Verkündung der Ausreisemöglichkeit vom Balkon der Prager Botschaft am 30. September 1989 für die dort gestrandeten geflohenen DDR-Bürger.

1992 schied Genscher auf eigenen Wunsch aus der Bundesregierung aus. Er wirkte im Anschluss u.a. als Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin und arbeitete wieder als Rechtsanwalt. Er war Aufsichtsrat und Präsident verschiedener Institutionen und Gesellschaften und erhielt unzählige Auszeichnungen und Ehrungen.
Hans-Dietrich Genscher gehörte zu den beliebtesten Politikern der FDP. Am 31. März 2016 starb er im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Wachtberg-Pech.

Würdigungen in Halle

Seiner Heimatstadt Halle ist Hans-Dietrich Genscher immer treu geblieben. Noch während der DDR-Zeiten ist er des Öfteren privat hier gewesen und gleich nach der Wende 1989 hat er seine Außenministerkollegen in die Stadt geführt. 1990 übernahm er die Schirmherrschaft über die Sanierung der Franckeschen Stiftungen und half bei der politischen Neuorientierung der halleschen Universität. Am 08. Juni 1991 wurde Hans-Dietrich Genscher zum Ehrenbürger der Stadt Halle ernannt. Im Jahr darauf würdigte die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Genschers Einsatz zur Umsetzung der akademischen Freiheit an seinem früheren Studienort mit der Ernennung zum Ehrensenator. Wieder ein Jahr später wurde Genscher von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zum Ehrensenator ernannt.
Seit 2009 beherbergt Genschers Geburtshaus in Reideburg die Bildungs- und Begegnungsstätte "Deutsche Einheit" und die im Dezember 2012 eröffnete Dauerausstellung „Einheit in Freiheit“.

An seinem ersten Todestag wurde ihm zu Ehren der Bahnhofsvorplatz in Hans-Dietrich-Genscher-Platz umbenannt und an seinem Geburtstag erhält der Platz Zusatzschilder, die über ihn informieren.

„Ich bin ein Hallenser, das ist jedermann bekannt und ich habe das nie verleugnet. Ich habe es als Ehre betrachtet und bin stolz darauf. Auch in den Zeiten, in der unser Land geteilt war, blieb Halle immer meine Heimat, hier habe ich meine Wurzeln und deshalb glaube ich an diese Stadt und an ihre Zukunft.“

Hans-Dietrich Genscher in Barth, Tobias: Halloren, Hallenser, Halunken: Halbe Wahrheiten und ganze Geschichten aus 1200 Jahren. Hörbuchproduktion des Mitteldeutschen Rundfunks 2006

Quellen:

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Bürgerstiftung Halle – Gemeinsam wird's mehr.

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