Bildung im Vorübergehen:

Gustav-Weidanz-Weg

Zusatzschild-Text:
Bildhauer, Professor für Keramik und Plastik an der Kunstschule Burg Giebichenstein
Spender:
gespendet von Annelene und Andreas Wolf und von Jörg Lichtenfeld
Status:
Vorschlag

Gustav Weidanz (1889 - 1970)

geb. am 9. Dezember 1889 in Hamburg
gest. am 25. August 1970 in Halle (Saale)

Als Paul Thiersch, der eben eingesetzte Direktor der noch kaum existierenden „Burg“ (heute: Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle) 1915 den Mitbegründer des Deutschen Werkbundes, Leiter der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin und berühmten Architekten Bruno Paul um eine Empfehlung für den Lehrer der Bildhauerklasse bat, die er einrichten wollte, nannte dieser ihm den aus Hamburg stammenden Gustav Weidanz. Thiersch bescheinigt ihm „eine künstlerisch bedeutende und vielseitige Begabung bei großer Frische und eigner Empfindung.“ Weidanz war ausgebildet als Ziseleur und Metallbildhauer, hatte an den Kunstgewerbeschulen in Hamburg und Berlin studiert und auf baukeramischem Gebiet mit einem Architekten gearbeitet. Er kam am 1. Oktober 1916 und blieb bis zu seiner Emeritierung 1959 Lehrer an der Burg, leitete nicht nur die erste Fachklasse für „Plastik in Stein, Holz und Metall“, sondern richtete 1920 die Keramikwerkstatt ein, die er bis 1925 leitete, danach die Fachklasse „Kachelkeramik“; 1934 übernahm er nach der Entlassung der jüdischen Lehrerin Marguerite Friedlaender 1933 die Lehre für Ofenkeramik und Porzellan und betreute das Zeichnen, Akt- und Naturstudium.
Weidanz‘ Vielseitigkeit zeigte sich während seiner gesamten Tätigkeit in seinem Schaffen, das dekoratives Figurenporzellan, moderne Gefäßkeramik, die Gestaltung von Öfen, Brunnen, Plastiken, Krippen- und Schachfiguren, Fassadenreliefs und einer Vielzahl von Medaillen umfasst. Von ihm stammen die Portalfiguren des Bades Wittekind (heute im Archiv und Kustodie der Burg Giebichenstein) und der leider nicht mehr erhaltene Trinkbrunnen. 1928/29 schuf er fünf Bronzefiguren für den Turm des Ratshofes, von denen die männlichen Industrie, Handel und Bergbau, die weiblichen die Schönheit der Stadt und der Saalelandschaft symbolisieren. Die Originale wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1976/77 von Johannes Baumgärtner anhand von historischen Fotos nachgebildet.
Weidanz‘ dichtes kleinplastisches Werk, in dem die männliche und die weibliche Figur, der Torso und die Gruppe in vielfacher Variation immer wieder anders gedacht und gebildet wird, schuf Weidanz vor allem nach seiner Emeritierung. Zudem stammen von seiner Hand rund 150 Medaillen von klassischer Gestaltung und Strenge, mit denen er die Tradition dieser Kunst in kleinem Format an der Burg etablierte.
Zu Weidanz‘ vielleicht reizvollsten künstlerischen Hinterlassenschaften gehören die Köpfe der Handpuppen und Marionetten, die er für die von 1918 bis 1933 immer wieder aufgeführten Puppenspiele der Burg schuf – ausdrucksstarke, farbig gefasste und mit verschiedenen Materialien applizierte Charakterköpfe, die zugleich moderne plastische Miniaturen auf der Höhe ihrer Zeit sind. Eine mündliche Überlieferung meint sogar, in den Marionetten zu Shakespeares „Komödie der Irrungen“ (1927) seien Porträts von Burgangehörigen zu erkennen. Ob dieses Shakespeare‘sche Zwillingspaar vielleicht gar ein Doppel-Selbstporträt des mit „echtem hamburgischen Humor“ begabten Bildhauers ist?

Cornelia Wieg
Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)


Gustav Weidanz, Zwei Marionetten aus Shakespeare „Komödie der Irrungen“ (Körper ergänzt von Elisabeth Stolle, 2015), Fotos: Matthias Ritzmann, Halle

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