Bildung im Vorübergehen:

Gerhard-Lichtenfeld-Weg

Zusatzschild-Text:
Bildhauer und Medailleur, Professor an der Burg Giebichenstein, Schöpfer u.a. des Frauenbrunnens
Spender
gespendet von Jörg Lichtenfeld (Sohn des Künstlers)
Status:
realisiert am 18.12.2018

Gerhard Lichtenfeld (1921-1978)

Am 6. November 1921 wurde Gerhard Lichtenfeld in Halle geboren. Während seines Einsatzes im Reichsarbeitsdienst (1940) verlor er bei einem Unfall seinen linken Unterarm. Auf Wunsch des Vaters studierte Lichtenfeld von 1942 bis 1945 Rechtswissenschaften an der halleschen Universität. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges war er als Bauhilfsarbeiter tätig.

Trotz seiner Behinderung bewarb sich Lichtenfeld bei Prof. Gustav Weidanz an der Burg Giebichenstein um Aufnahme in die Bildhauerklasse und wurde angenommen. Er studierte dann bei Weidanz am Institut für künstlerische Werkgestaltung und erhielt 1952 sein Diplom als Bildhauer. In der Folge arbeitete er als Assistent von Weidanz, baute die Erzgießerwerkstatt an der Burg auf und führte das Wachsausschmelzverfahren mit Kunstguss wieder ein. Letzteres vervollkommnete er bei mehrwöchigen Studienaufenthalten in München 1955-56.

Von 1956-58 war er Oberassistent, ab 1959 leitete er die Bildhauerklasse an der nunmehrigen Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein. 1964 wurde Lichtenfeld Dozent, 1966 erhielt er eine außerordentliche Professur, elf Jahre später wurde er zum ordentlichen Professor ernannt.

Ab 1965 arbeitete er an der Friedhofsgestaltung mit – so entwarf er das Gesamtkonzept des Merseburger Zentralfriedhofs – und war Mitglied des Beirates für bildende Kunst und Stadtgestaltung des Kreises Merseburg und Halle-Neustadt.

Für sein Werk erhielt er verschiedene Auszeichnungen: 1963 und 1970 den Händelpreis des Bezirkes Halle, 1971 den Kunstpreis der Stadt, 1974 den Nationalpreis. Er stellte im Gebiet der DDR aus und beteiligte sich an weltweiten Kunstausstellungen.

Seine Kunst, die den Menschen zum Thema hat, ist beeinflusst von seinem Lehrer Gustav Weidanz, von Waldemar Gzimek und Gerhard Marcks. Die Werke zeigen plastische Vitalität und barocke Beweglichkeit.

1974 entwarf Lichtenfeld zum 10-jährigen Bestehen Halle-Neustadts die bronzenen Frauenfiguren für den Brunnen an der Magistrale. Die Säule mit Skulpturen des Musenbrunnen – Bildende Kunst, Musik, Literatur und Tanz – vor der Ulrichskirche in der Leipziger Straße entstand zwei Jahre später. Am Eingang zum halleschen Stadtarchiv steht die Bronzeplastik „Frau beim Kämmen“ von 1969.
Nicht mehr erhalten ist das Fäuste-Monument am Riebeckplatz, eine etwa 15 Meter hohe Betonsäule mit vier stilisierten Fäusten, das die Geschichte der Arbeiterbewegung symbolisierte. Es entstand 1969 in Zusammenarbeit mit Heinz Beberniß (1920-2012) und dem Architekten Sigbert Fliegel und wurde 2003 abgerissen.

Neben den Frauenskulpturen hat Lichtenfeld zahlreiche Medaillen entworfen und 1954 die Burgglocke der Kunsthochschule.

Am 6. November 1978, an seinem 57. Geburtstag starb Gerhard Lichtenfeld in Halle. Im Geleitwort zur Ausstellung in der Moritzburg 1979 schrieb Rektor Prof. Paul Jung:
„Von Lichtenfelds Werk ist in der Ausstellung und im Katalog vieles vereinigt, was Menschen mit sich selbst und im Verhältnis zu den Mitmenschen erlebt haben. Bestätigt wird das durch die Nachhaltigkeit des Erlebnisses … beim Betrachten und geistigen Aufnehmen seiner Schöpfungen. Seine Figuren strahlen Lebensfreude aus und stimmen uns froh. Solche Wirkungsweise ist nur wirklichen Kunstwerken inne.“

Quellen:

Gerhard Lichtenfeld. Plastiken und Zeichnungen. Ausstellung in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle vom 16.9. bis 21.10.1979, Hrsg. v. Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein, 1979.
Margrit Schimanke: Gerhard Lichtenfeld und die Hallenser Bildhauerschule. Greifswald 1993.

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