Bildung im Vorübergehen:

Ellen-Weber-Straße

Zusatzschild-Text:
Volksschauspielerin an den halleschen Theatern und Stadtverordnete
Spender
gespendet von Klaus und Heidrun Adam, Michael Steiniger und Ulrike Schild von Spannenberg
Status:
realisiert

Ellen Weber (1906-1992)

Ellen Weber – mit vollem Namen Ellen Ottilie Emma Martha – wurde am 10. September 1906 in Halle geboren als Tochter des Postbeamten Hermann Weber und seiner Frau Minna, geb. Heise. Sie besuchte hier die Luisenschule. Nach einem Gesangsstudium (Sopranistin) in Halle und Leipzig erhielt sie 1932 zunächst eine unbezahlte Volontärstelle, im Herbst 1933 ein festes Engagement. Ihr Debut gab sie mit einer Opernpartie in Hans Pfitzners „Palästrina“ (1912-15). Es folgten erste kleine Aufgaben in Wagner-Opern, daraufhin Partien im „Vogelhändler“, „Eine Nacht in Venedig“, „Csardasfürstin“, „Rigoletto“, u.a. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde sie gedrängt, in die Partei einzutreten, aber unter Nennung eines Bürgen durfte sie auch ohne Parteizugehörigkeit weiterspielen.

Im März 1937 suchte der Spielleiter Wolfgang Helmke einen vierten Gesellen in Jochen Huths Schauspiel „Die vier Gesellen“ und fand diesen in Ellen Weber. Das war der Beginn ihrer Schauspielkarriere. Etwa 1940, mit 35 Jahren hat sie die Rolle der „Komischen Alten“ übernommen, zum Beispiel Marthe Rull im „Zerbrochenen Krug“ von Heinrich von Kleist, Marthe Schwertlein in Goethes Faust, die Haushälterin Rose im „Raub der Sabinerinnen“.

1939 heiratete sie den Apotheker Carl Erlenwein, der bereits vier Jahre später starb. Seinen Namen jedoch führte Ellen Weber im „normalen“ Leben bis zuletzt. Nach dem Krieg gehörte sie zu den Stützen des Ensembles des Thalia-Theaters. Sie half engagiert beim Wiederaufbau der Stadt und ihres im Krieg zerstörten Theaters. Zur Wiedereröffnung des Landestheaters 1951 nach dem Krieg spielte sie die Mutter Wolffen in dem sozialkritischen Drama „Der Biberpelz. Eine Diebskomödie“ von Gerhard
Hauptmann.

Ab 1945 war sie im Betriebsrat und in der Betriebsgewerkschaftsleitung, wo sie die Theaterbibliothek aufbaute (von 8 Bänden nach dem Krieg bis 2000 Bände 1966). 1965 wurde die noch immer parteilose Ellen Weber auf Vorschlag des Kulturbundes für vier Jahre zur Stadtverordneten gewählt. Auf die Frage nach den geplanten Aufgaben ihrer zukünftigen Amtszeit erwiderte sie, dass ihr die „kulturelle Betreuung der Chemiearbeiter und künftigen Einwohner von Halle-West“ am Herzen läge und sie wolle eine „stärkere Theaterinteressiertheit bei manchen Staatsfunktionären“ wecken.

Die vielseitig begabte, in allen Genres – Oper, Operette, Schauspiel und Musical – versierte Sängerin und Schauspielerin spielte bis 1966 über 300 Rollen (danach wurde in der Presse nicht mehr gezählt) und bis 1973 rund 20 Rollen im Fernsehen (u.a. Fernsehtheater in der Moritzburg). 1972 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Halle. Ihren 60. Geburtstag feierte sie mit einer eigens für sie geschriebenen Hauptrolle in dem Musical „Mit 60 fängt das Leben an“. Zu ihrem 70. Geburtstag 1976 wurde sie zum Ehrenmitglied des Landestheaters ernannt. In ihrer letzten Premiere spielte sie 1987 Mrs. Higgins in „My Fair Lady“ – mit dieser Rolle war sie die älteste Darstellerin in Ostdeutschland.

60 Jahre hat Ellen Weber auf den halleschen Bühnen gestanden und sich nicht von lukrativen auswärtigen Angeboten abwerben lassen. Auf die Frage nach dem Grund ihrer Heimattreue liest man in der Tageszeitung „Freiheit“ im September 1957:

»„Ich bin einfach verwachsen mit meiner Heimatstadt Halle… Die hallesche Luft hält mich …“ und fügt lächelnd hinzu, „Wenn sie auch physikalisch nicht die beste ist.“ Ihre künstlerische Entwicklung gehört zu Halle, zu Halles Theater, versichert sie uns. Und dann der gute Kontakt mit dem schon vertrauten Publikum, ohne den ein Künstler keine echten Leistungen vollbringen kann.«

Ihre Spielstätten waren neben dem Landestheater Halle der Hof der Unterburg Giebichenstein, das alte Thalia-Theater sowie das Operettentheater in der Saalschloßbrauerei in der Seebener Straße (abgerissen).

Ellen Weber schuf „Gestalten voll echter Menschlichkeit, vollkräftigen Humors und feiner Charakteristik.“ In ihrem Spiel sei immer „Menschenbeobachtung eingefangen, sei ihre Darstellung geprägt von Witz und von Freundlichkeit, Menschenliebe und komödiantischem Talent.“ Das machte sie zu einer der beliebtesten Bühnendarstellerinnen in ihrer Heimatstadt. Im Nachruf des Opernhauses (Spielzeit 1992/1993) ist zu lesen: „Nie darauf bedacht, sich selbst in den Vordergrund zu spielen, spielte sie sich durch einfühlsame Rollengestaltungen in die Herzen der Zuschauer und wurde so im besten Sinne des Wortes zu einer Volksschauspielerin.“

Quellen

  • Stadtarchiv Halle FA 3353 Weber, Ellen.
  • Theater der Zeit Heft 03/1985, Garderobengespräch mit Ellen Weber, S. 22-25.
  • Margrit Lenk: Ellen Weber (1906-1992), in: Frauenleben-Frauenalltag – gestern und heute. Hallenserinnen – Biographische Skizzen I, Teil II, hrsg v. Courage e. V. o. J.

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