Johann Friedrich Meckel d. J. (1781-1833)

 

Johann Friedrich Meckel der Jüngere, den Alexander von Humboldt den berühmtesten Anatomen seiner Zeit nannte, wurde am 17. Oktober 1781 in Halle geboren und wuchs im elterlichen Hause, zuerst in der Brüderstraße 201 (heute Nr.5), von 1794 an im “Riesenhaus” am Großen Berlin auf. Er besuchte das Mageburger Domgymnasium und studierte 1798-1802 Medizin in Halle und Göttingen. Am 8. April 1802 wurde er in Halle mit einer Arbeit über Herzmißbildungen promoviert. Die nachfolgende Studienreise nach Würzburg und Wien brach er ab, als ihn die Nachricht vom Tode seines Vaters erreichte. Er war nun Erbe der väterlichen anatomischen Sammlungen.

Von seinen Lehrern, besonders Reil, wohlwollend gefördert, wurde er 1805 zum außerordentlichen Professor berufen. Eine längere Studienreise nach Paris führte ihn zu dem berühmten Anatomen Georges Cuvier, bei dem er sich gründlich in vergleichender Anatomie bildete Er übersetzte Cuviers Werke in Deutsche und führte die vergleichende Anatomie mit großer Energie in Deutschland ein. (Er wurde manchmal auch der „deutsche Cuvier“ genannt.)

Die Nachricht von Halles Besetzung durch napoleonische Truppen 1806 ereilte ihn in Italien. Er kehrte sofort nach Halle zurück. Napoleon übernachtet am 19. und 20. Oktober im repräsentativen „Riesenhaus“, und verfügte hier über die Schließung der Universität. Bis zur Wiedereröffnung der Universität 1808 diente das Meckelsche Wohnhaus als Sitz der französischen Kommandantur. Mit der Wiedereröffnung Wurde Meckel ordentlicher Professor und lehrte Anatomie, Physiologie, Chirurgie und Geburtshilfe. Mehr und mehr zog er sich jedoch aus dem Lehrbetrieb zurück, um sich seinen anatomischen Studien.

1828 lehnte er einen sehr ehrenvollen ruf nach London an die neu zu errichtende Universität ab (seine Sammlung hielt ihn in Halle). Die Entscheidung, in Halle zu bleiben, brachte ihm, wie schon seinem Vater, den Geheimratstitel.

Seine wissenschaftliche Bedeutung stand schon für seine Zeitgenossen außer Zweifel. Durch seine grundlegenden Arbeiten auf dem Gebiet der Embryologie, Teratologie (Wissenschaft von den Mißbildungen) und vergleichenden Anatomie lieferte er reichhaltiges Material für die damals aufkommenden Anschauungen über die Entstehung der Arten. Die wichtigsten Werke, die seinen europäischen Ruf begründeten, waren das „Handbuch der pathologischen Anatomie“, das „Handbuch der menschlichen Anatomie“ und das unvollendet gebliebene „System der vergleichenden Anatomie“.

Mit zunehmendem Alter wurde seine Arbeit durch Krankheiten überschattet, er wurde als cholerisch und intolerant geschildert. Endlose Streitigkeiten mit der Universitätsverwaltung und Kollegen, zu denen Carl Heinrich Dzondi, Carl Friedrich Senff und Peter Krukenberg gehörten, verbitterten seine letzten Lebensjahre.

Johann Friedrich Meckel d. J. starb am 31.Oktober 1833 kinderlos. Er wurde auf dem alten Giebichensteiner Friedhof beigesetzt, wo sein Grab sowie das seiner Frau bis in die 50er Jahre neben dem Grab Reichardts zu sehen war. Nachdem es nahezu vollständig verfallen war, wurde exhumierte ein Ausgrabungsteam die Überreste Meckels. Der Schädelrest ist seitdem zusammen mit dem Skelett des Vaters in der anatomischen Sammlung zu sehen.


Quellen:
Stadtarchiv, Signaturen FA 1438, 2586
Neue Deutsche Biographie, Bd. 16, 1990
Rudolf Beneke,: Johann Friedrich Meckel der Jüngere, Halle 1934