Offener Brief an die Bürger:innen der Stadt Halle (Saale)
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Hallenserinnen und Hallenser,
seit dieser Woche stehen die Einrichtungen und Angebote der über 30 Träger der Kinder- und Jugendhilfe in unserer Stadt vor einer existenziellen Bedrohung. Während das Jahr seinem Ende entgegengeht, sind die Träger der Jugendhilfe starker Verunsicherung ausgesetzt. Sie bangen um die Frage, ob und in welchem Umfang sie im kommenden Jahr ihre Arbeit fortsetzen können. Leidtragende sind dabei nicht Institutionen oder Organisationen – sondern Kinder, Jugendliche und Familien.
Die Orte des Aufwachsens in unserer Stadt sind in Gefahr
Jugendclubs und Familienzentren, Krisenanlaufs- und Beratungsstellen, Bildungsprojekte und Sportangebote sind keine abstrakten Posten, sondern Lern-, Erfahrungs- und Rückzugsräume für tausende Kinder und Jugendliche unserer Stadt –manchmal sogar die einzigen sicheren Orte in ihrem Alltag.
Sie wirken auf vielfältige Weise:
Wir sehen es an der Lebensfreude und Motivation, die Kinder und Jugendliche in offenen Angeboten gewinnen, in denen ihre Freizeit nicht von Daddeln am Handy und Rumhängen bestimmt ist.
Wir sehen es in der Ausbildung, die Jugendliche beginnen, nachdem sie im Jugendtreff vom Lebenslauf bis zum Bewerbungsgespräch hilfreich unterstützt werden.
Wir sehen es im verbesserten Familienklima, nachdem Eltern einen Orientierungskurs besuchen und Beratung wahrnehmen konnten.
Wir sehen es in den Mädchen und Jungen, die in einem Gartenprojekt erstmals Verantwortung übernehmen dürfen, dabei Geduld lernen und Selbstbewusstsein gewinnen.
Wir sehen es in den jungen Erwachsenen, die dank eines besonderen Schulprojektes ihre Schulabschlüsse nachholen und mit diesen ins Arbeitsleben starten können.
Wir sehen es in den Schülerinnen und Schülern – denen, die durch Maßnahmen gegen das Schwänzen wieder die Schule besuchen, und denen, die das dank Mobbingprävention wieder angstfrei tun.
Wenn diese Angebote schließen – auch nur vorübergehend –, bricht für viele Kinder und Jugendliche ihr alltäglicher Halt weg: Für junge Menschen fehlt dann der Jugendclub, in dem sie nach der Schule zur Ruhe kommen, sich auspowern und Orientierung finden. Sie vermissen die Sozialarbeiter, die sie in schwierigen Lebenslagen professionell begleiten. Eltern stehen vor verschlossenen Türen der Anlaufstelle, in der sie in Überforderungssituationen ein Gehör und in Krisen Unterstützung finden. Junge Menschen stehen vor geschlossenen Sporthallen oder Bauspielplätzen. Selbst das „Krokoseum" schließt die Türen...
Gruppenangebote und Einzelfallarbeit würden unterbrochen, mühsam aufgebaute Beziehungen und auch Freundschaften kämen zum Stillstand. Aus Erfahrung weiß man: Nach einer Zwangspause lassen sich solche gewachsenen Verbindungen nicht einfach wieder aufnehmen. Ein schulisches Projekt, das Negativkarrieren vermeidet, Wege zu Abschlüssen öffnet und Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit entgegenwirkt, müsste sogar zum Jahreswechsel mitten im Schuljahr schließen. Für die Jugendlichen, die gerade jetzt zur Abschlussprüfung angemeldet wurden, würde das Abmeldung, den finalen Abbruch der Bildungsbiographie und Chancenlosigkeit am Arbeitsmarkt bedeuten.
Die Menschen hinter den Einrichtungen und Projekten fürchten um die Lebensperspektiven ihrer Anvertrauten.
Was oft unsichtbar bleibt: Hinter jedem Angebot der über 30 Träger stehen Teams, hunderte Fachkräfte, die trotz aller wiederkehrenden Unsicherheiten seit Jahren immer weiterarbeiten. Nun müssen Träger entscheiden, ob sie ihre Mitarbeitenden ohne Finanzierung weiterbezahlen – mit dem Risiko der Insolvenz. Wenn Menschen gekündigt werden, verlieren Kinder und Jugendliche Betreuungs- und auch Vertrauenspersonen. Ihnen kommt ein Mensch abhanden, die sie kennt, der sie in ihren Besonderheiten sieht, sie auffängt, wenn es zuhause schwierig wird.
Wissen geht verloren. Beziehungen gehen verloren. Erfahrung geht verloren. Das sind Verluste, die nicht einfach rückgängig gemacht werden können.
Was jetzt für die Jugendarbeit notwendig ist
Was kurzfristig nach einer formalen Verzögerung aussieht, gefährdet in Halle langfristig die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen, die seelische Gesundheit junger Menschen, das Klima in belasteten Stadtteilen, die Präventionsarbeit, die Fachkräfte. Es verursacht massive Folgekosten – insbesondere die Kosten für die Hilfen zur Erziehung werden zwangsläufig massiv ansteigen, wenn Prävention zusammenbricht.
Wer Jugendhilfe gefährdet, schafft zukünftige Kosten und Krisen. Wer Jugendhilfe absichert, schafft Zukunft.
Freie Träger der Jugendhilfe arbeiten nicht gewinnorientiert. Sie arbeiten für die Stadt. Für die Gesellschaft. Für unsere Kinder. Sie brauchen Planungssicherheit. Es geht um Menschen und deren Zukunft. Wir - Vertreterinnen und Vertreter der über 30 leistungserbringenden Träger in der Kinder- und Jugendhilfe bzw. -arbeit - rufen die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik dazu auf, jetzt die Entscheidungen zu treffen, die notwendig sind, damit keine Einrichtung schließen muss, keine jungen Menschen den Halt verlieren und keine Mitarbeitenden ihre Existenz riskieren.
Jetzt. Die rechtskräftigen Entscheidungen über die Förderung der Kinder- und Jugendarbeit im Jahr 2026 müssen noch im Dezember erfolgen, damit im Januar die Arbeit nahtlos fortgesetzt wird. Wir tragen für die Kinder und Jugendlichen dieser Stadt Verantwortung. Jeder einzelne ist es uns wert.
Es ist unsere gesellschaftliche Aufgabe, allen jungen Menschen unbeschwertes und gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Niemand darf verloren gehen.
Die Freien Träger der Halleschen Kinder- und Jugendhilfe
Bildung im Vorübergehen: Gerhard-Geyer-Weg

Mit dem Gerhard-Geyer-Weg hat nun schon die dritte Straße in diesem Jahr ein Zusatzschild erhalten. Wir freuen uns besonders, Bürgermeister Egbert Geier dafür als Schilderpaten gewonnen zu haben.
Auf den ersten Blick scheint der Klang des Nachnamens das einzig verbindende Element zu sein. Herr Geier gab jedochzu bedenken, dass auch in seiner Position Gestaltungswille und Kreativität notwendig seien und schlug damit die Brücke zu dem bekannten halleschen Bildhauer, dessen Werke nicht nur an etlichen Stellen in Halle zu finden sind, sondern auch in Weimar, Berlin oder Dessau.
MDR-Bericht zu 15 Jahren "Max geht in die Oper"
Die Erfolgsgeschichte von 15 Jahren „Max geht in die Oper“ hat den MDR Sachsen-Anhalt neugierig gemacht. Um mehr über das Patenschaftsprojekt der Bürgerstiftung zu erfahren, begleitete eine Reporterin den "Max"-Ausflug in die Marienbibliothek. Für ihren Radiobeitrag sprach sie mit Kindern und Paten und schaute zu, wie sie diesen Ort gemeinsam erkundeten. Ihre Eindrücke sind hier Nachzuhören/-lesen.
Foto: Hanna Kazmirowski/MDR

Demokratie denken, gestalten, leben.
Selbstverpflichtung der Bürgerstiftungen in Deutschland

Bürgerstiftungen verstehen sich als zivilgesellschaftliche Akteure, die vor Ort das Gemeinwesen und Miteinander gestalten und weiterentwickeln.
Die Basis unseres Handelns bildet unsere Satzung und die demokratischen Grundwerte, ohne die bürgerschaftliches Engagement, Mitbestimmung und -gestaltung nicht möglich sind.
Mit dieser Selbstverpflichtung setzen wir gemeinsam mit vielen Bürgerstiftungen im Land ein Zeichen für Demokratie und ein menschenwürdiges Miteinander; für Toleranz und Vielfalt, gegen Hass, Intoleranz, Diskriminierung und Rassismus.