August von der Heydt (1801-1874)

August (von der) Heydt wurde am 15. Februar 1801 in Elberfeld geboren. Er stammte aus dem rheinischen Großbürgertum. Sein Vater  war ein bedeutender Bankier. Schulunterricht erhielt der nur bis zum 14. Lebensjahr, um sich so schnell wie möglich in den Unternehmen seines Vaters zu bewähren. Heydt widmete sich dem kaufmännischen Beruf und führte nach einem Aufenthalt in England und Frankreich mit zwei Brüdern das Bankgeschäft des Vaters. Diesem gehörte neben dem Bankgeschäft auch eine Rohseidenspinnerei. Auf diese Weise lernte Heydt  sehr zeitig, sich mit komplexen wirtschaftlichen Zusammenhängen auseinander zu setzen. Er heiratete am 6. Juni 1836 in Elberfeld die ebenfalls aus Elberfeld stammende Julie Blank (1804–1865).  An den öffentlichen Angelegenheiten seiner Vaterstadt nahm er lebhaften Anteil So war Heydt seit 1833 im Stadtrat und seit 1834 im Kreisrat. Im Jahre 1840 war er bereits Präsident des Handelsgerichts der Stadt. Seine parlamentarische Laufbahn ging über der Mitgliedschaft im Provinziallandtag (1841) seit 1847 im Vereinigten Landtag bis in die preußische konstituierende Versammlung von 1848. Im Dezember desselben Jahres übernahm er im Kabinett-Manteuffel das Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten.1862 trat Heydt das Ministerium an seinen Nachfolger Holzbrink ab und übernahm das Finanzministerium. Im Januar des Jahres 1863 wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben. Zwischenzeitlich von Bismarck auf eigenen Wunsch von der Leitung des Finanzministeriums entbunden, übernahm er dasselbe kurz vor Ausbruch des Krieges mit Österreich, am 5. Juni 1866, erneut und verstand es, die Geldmittel für den Feldzug ohne Anleihe zu beschaffen. Mit Geschick leitete er auch die Finanzoperationen für das Retablissement der Armee, die Dotierung des Staatsschatzes etc. Als aber die Geschäfte zu stocken anfingen und ein Teil des Etats an den Norddeutschen Bund überging, prophezeite August von der Heydt ein großes Defizit und verlangte eine Menge neuer Steuern im Reichs- und Landtag, die sämtlich nicht bewilligt wurden. Am 26. Oktober 1869 erhielt er unter Verleihung des Schwarzen-Adlerordens die erbetene Entlassung.
August von der Heydt starb am 13. Juni 1874 in Berlin und wurde auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg beigesetzt. Die Grabstätte gehört zu den Ehrengräbern des Landes Berlin.

Quellen:
Biographien zur Deutschen Geschichte. Berlin 1970
Allgemeine Deutsche Biographien Bd. 12, Leipzig 1880
Neue Deutsche Biographie Bd. 9, Berlin 1972

Bezug zu Halle:
AmEnde der heutigen Chemiestraße wird von der „Sächsisch-Thüringischen AG für Braunkohlenverwertung“ (gegründet 1855) ein erster Schacht abgetäuft, den Carl Adolph Riebeck, der später einer der Bergbeamten wurde, erbohrt hatte. Schon im Juni 1858 stellte er als Berginspektor den Antrag, die inzwischen entstandenen Grubenfelder „Neptun“, „Carl“,  „Theodor“, „Hedwig“ und „Glückhilf“ zur Grube „von der Heydt“ (zu Ehren des damaligen preußischen Ministers für Handel und Gewerbe) zu vereinigen. 1859 kamen die Felder „Vulkan“ und „Beste Grube“ dazu, sodass die Gesellschaft das gesamte Kohlenfeld zwischen Ammendorf und Dieskau in ihrer Hand hatte.

Quelle:
Engel Wolfgang: Ammendorf von den Anfängen bis zur Gegenwart. Rostock 2001 (2. Aufl.)