Jacob Volhard (1834-1910)


Am 4. Juni 1834 wurde Jacob Volhard in Darmstadt geboren als zweites von vier Kindern des Hofgerichtsadvokaten Karl Ferdinand Volhard und der Kaufmannstochter Cornelie Leisler. Nach dem Besuch des großherzoglichen Gymnasiums in Darmstadt wollte Volhard klassische Philologie und Geschichte studieren. Auf Drängen des Vaters jedoch absolvierte er ein Jahr in der höheren Gewerbeschule und begann anschließend im Sommer 1852 ein Chemiestudium in Gießen unter der Obhut des zu dieser Zeit bereits berühmten Chemikers und Freundes der Familie Justus von Liebig. Bereits drei Jahre später schloss er dieses Studium mit der Promotion ab und verbrachte das folgende Wintersemester 1855/56 in Heidelberg, wo er neben dem Chemischen Praktikum bei Robert Bunsen auch historische Vorlesungen besuchte.

Für die nächsten zwei Jahre ging Volhard als Liebigs Vorlesungsassistent nach München. Er traf sich hier allerdings lieber mit Künstlern und Schriftstellern, anstatt wissenschaftlich im Laboratorium zu arbeiten. Ab Herbst 1860 verbrachte er ein Jahr als Volontär von August Wilhelm von Hofmann am Royal College of Chemistry in London mit einer Arbeit über mehratomige Harnstoffe, wo er neuen Mut zu wissenschaftlicher Arbeit fand. Zu Beginn des Jahres 1862 begann Volhard sich in Marburg als Privatdozent zu habilitieren. Bereits ab April des darauffolgenden Jahres lehrte Volhard als Privatdozent in München. Er las über Organische Chemie und richtete mit einem Zuschuss des Vaters ein eigenes Unterrichtslaboratorium mit 25 Plätzen ein. 1865 wurde er Adjunkt am pflanzenphysiologischen Institut der Königlichen Akademie und übernahm zudem die Leitung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation. 1869 wurde er zum außerordentlichen Professor für Organische Chemie ernannt. Nachdem Liebig erkrankte, übernahm Volhard dessen Vorlesungen über anorganische Chemie. Nach dessen Tod hatte Volhard die Leitung des chemischen Instituts bis zur Neubesetzung im Herbst 1875 inne.

1879 wurde Volhard ordentlicher Professor in Erlangen. Bereits drei Jahre später, Ostern 1882 folgte er dem Ruf an die Hallesche Universität. Bis zu seiner Pensionierung 1908 wohnte er hier mit seiner Familie in einer Dienstwohnung im 2. Geschoss des chemischen Instituts an der Mühlpforte. Auf seine Initiative hin wurde das Physikalisch-Chemische Institut erweitert, dessen Arbeitssäle und Hörsaal als mustergültig galten. Letzterer erhielt 1993 den Namen Volhards. 1897 wurde er zum Rektor der Universität gewählt. Volhard war Präsident der Deutschen Chemischen Gesellschaft und Vizepräsident der Leopoldina (Mitglied seit 1883).

Zu seinen wissenschaftlichen Entdeckungen gehören (aus Wikipedia):
•    Synthese des Sarkosins 1862
•    Synthese des Kreatins und Darstellung des Guanidins und Cyanamids 1868
•    Synthese der Pulvinsäure und Vulpinsäure
•    Bestimmung von Mangan 1879
•    Bromierung von Carbonsäuren (Hell-Volhard-Zelinsky-Reaktion) 1881-87
•    Thiophensynthese (Volhard-Erdmann-Zyklisierung) 1885
•    Volumetrische Bestimmung des Silbers, der Cyanide, der Halogenide und des Thiocyanats (sog. Titration nach Volhard)

Volhards Interesse für die Geschichte schlägt sich in seinen Schriften nieder. So enthielt seine Habilitationsschrift „Die Chemische Theorie“ von 1862 einen kurzen Überblick über die Geschichte der Chemie und über den Wechsel der Anschauungen bezüglich „Chemischer Verbindungen“ bis hin zur damals gerade entstehenden Strukturtheorie. 1870 besprach er „Die Begründung der Chemie durch Lavoisier“. Am Ende seines Lebens verfasste er die Biographien seiner beiden Lehrer August Wilhelm von Hofmann und Justus von Liebig. Ab 1871 bis zu seinem Tod unterstand ihm die Redaktion der von Liebig begründeten Zeitschrift „Annalen der Chemie“. Als Professor in München gab er den Praktikanten schriftliche Anleitungen mit kurzen Beschreibungen von Experimenten – die sogenannten „Volhardschen Hefte“. Für Jahrzehnte wurde diese „Anleitung zur qualitativen Analytik“ deutschlandweit zu einem Standardwerk des Chemiestudiums.

Jacob Volhard war verheiratet mit Josephine Backofen, Tochter des Darmstädter Hofmusiker und Hofmalers Franz Backofen. Das Paar hatte sieben Kinder. 1908 legte er sein Amt nieder und zog mit seiner Familie in eine Wohnung am Mühlweg. Am 14. Januar 1910 starb Volhard, er ist auf dem halleschen Laurentius-Friedhof begraben.

Antje Löhr-Dittich

Quellen:
Daniel Vorländer: Jacob Volhard, Halle 1912
Stadtarchiv Halle, Familienarchiv FA 2739 Volhard, Jacob
de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Volhard