Heiliger Ulrich (890-973)


Ulrich wurde in Wittislingen oder Augsburg im Jahre 890 als Sohn des alemannischen Gaugrafen Hubald von Dillingen und dessen Frau Thietburga geboren. Er gehörte einer vornehmen schwäbischen Familie an, mütterlicherseits entfernt verwandt mit Kaiserin Adelheid. Von 900 bis 908 wurde er im Kloster St. Gallen für die geistige Laufbahn ausgebildet. Im Jahre 909 trat er als Kämmerer in den Dienst seines Onkels, des Bischofs Adalbero von Augsburg. Als er nach dem Tod Aldaberos nicht zu dessen Nachfolger ernannt wurde, kehrte er zur mittlerweile verwitweten Mutter zurück und verwaltete die Familiengüter. Erst am 28. Dezember 923 wurde Ulrich auf Empfehlung seines Verwandten, des Herzogs Burchard I. von Schwaben, zum Augsburger Bischof geweiht.

Die Ottonenkönige Heinrich I. und sein Nachfolger Otto I. schätzten Ulrichs Politik und Rat. So verhinderte Ulrich die Übertragung des Rechtes auf Klösterweihung ins Weltliche. Mindestens fünfzehn Mal ist er als Vertrauter und Weggefährte im Gefolge Ottos I. nachweisbar. Der Bischof begleitete ihn mehrfach auf seinen Reisen nach Rom. Bei der Gründung des Magdeburger Klosters (937) gehörte Ulrich zu den Ratgebern. Er stand an Ottos Seite im Liudolfinischen Aufstand (952-954) und erreichte einen Waffenstillstand zwischen dem König und seinem aufrührerischen Sohn Liudolf. Später assistierte Ulrich Adalberts Weihe zum Erzbischof von Magdeburg (968).

Aus Anlass der Ungarneinfälle 926 ließ Ulrich seine Stadt Augsburg befestigen. Als im August 955 die Ungarn erneut Augsburg erreichten, konnten diese aufgrund des von Bischof Ulrich errichteten Mauerrings die Stadt nicht einnehmen. Laut Legende befehligte er selbst die Verteidigung hoch zu Ross, nur mit seiner Bibel „bewaffnet“. Seinem inständigen Gebet wurde der Sieg der Ottonen über die Ungarn auf dem Lechfeld zugeschrieben. Zum Dank verlieh ihm Otto I. das Münzrecht für Augsburg. Die von den Ungarn zerstörten Klöster und Dörfer ließ Ulrich wiederaufbauen. Zeitweilig war er selbst Abt des Klosters in Kempten und in Ottobeuren, wofür Otto I. ihm Abgabenfreiheit und freie Abtswahl gewährte. 969 gründete er das Augsburger Kanonissenstift St. Stephan und ein Spital. Regelmäßig hielt Ulrich Synoden ab. Er nahm Einfluss auf kirchliche Feiern, die Liturgie und das Wohl seiner ihm unterstehenden Klöster und Gemeinden. Er selbst lebte wie ein Mönch und sorgte sich um Arme und Bedürftige. Um sich vermehrt spirituellen Aufgaben widmen zu können, übergab Ulrich 963 die Verwaltung des Heeres- und Hofdienstes an seinen Neffen Adalbero. Acht Jahre später übertrug er ihm auch die Verwaltung des Bistums und die weltlichen Aufgaben des Bischofs. Ihm auch das Bischofsamt zu verliehen, wurde ihm jedoch verwehrt.

Bischof Ulrich starb am 4. Juli 973 in Augsburg. In der wiedererrichteten Augsburger Kirche St. Afra, die später auch seinen Namen mittragen sollte, wurde er beigesetzt. Sein Grab wurde schnell zu einer wunderwirkenden Wallfahrtsstätte. Bereits 992 wurde zur Weihe des Naumburger Doms ein Seitenaltar dem Bischof Ulrich geweiht. Im darauffolgenden Jahr wurde Ulrich von Papst Johannes XV. auf der Synode im Lateran in einer förmlichen und feierlichen Kanonisation heiliggesprochen. Damit war er der erste in einem offiziellen Verfahren Heiliggesprochene, und das bereits 20 Jahre nach seinem Tod. (Die dazugehörige Urkunde wird jedoch von einigen Forschern als Fälschung angesehen.)

Der Hl. Bischof Ulrich von Augsburg wird in der Kunst mit den folgenden Attributen dargestellt: Evangelienbuch, Fisch, Engel, Stab, Pferd oder Ratte. Er gilt als Patron, d.h. Schutzheiliger der Stadt und des Bistums Augsburg und von St. Ulrich in Gröden (Südtirol), der Winzer, Weber, Fischer und Fischhändler, auf der Reise, gegen Augenleiden und Wassergefahren und für gutes Wetter. Sein Todestag, der 4. Juli, ist sein Gedenktag.

Quellen:
Joachim Schäfer: Artikel Ulrich von Augsburg, aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon - www.heiligenlexikon.de/BiographienU/Ulrich_von_Augsburg.htm, abgerufen am 20. 7. 2017
de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_von_Augsburg