Familie Schwetschke

Die Schwetschkestraße, zwischen Steinweg und Lerchenfeldstraße im Glauchaviertel gelegen, trägt ihren Namen seit 1886 nach der Halleschen Buchdrucker- und Verlegerfamilie. Besonders hervorzuheben sind Carl August Schwetschke sowie seine beiden Söhne Carl Ferdinand und Dr. Carl Gustav, dessen 205. Geburtstag den Anlaß für die Anbringung des Zusatzschildes gibt.Carl (in der Literatur auch Karl) August Schwetschke, geboren am 29. September 1756 in Glauchau, gestorben am 19. September 1839 in Halle, kam 1771 durch die Vermittlung eines Verwandten als Lehrling in die Buchhandlung des Waisenhauses nach Halle. Nach mehreren Jahren als Gehilfe und Buchhändler in Berlin, Leipzig und Bern übernahm Carl August Schwetschke 1783 die Geschäftsführung der Klemm-Hemmerdeschen Buchhandlung Ecke Markt-Kleinschmieden. Nachdem Hemmerdes Witwe ihn 1788 zum Mitbesitzer machte, entstand die Firma Hemmerde & Schwetschke, die in den folgenden Jahrzehnten eine rege Verlegertätigkeit entwickelte. Zu den größeren Verlagsunternehmungen zählten zum Beispiel das Suidae Lexicon, ed. G. Bernhardy, G. W. Freytags Lexicon arabicolatinum und das Corpus Reformatorum.

1824 erwarb der Verlag die 1785 von Schütz, Wieland und Bertuch in Jena begründeten “Allgemeinen Literaturzeitung”, die seit 1804 als “Hallische Literaturzeitung” weiter erschien.

1819 trat Carl August durch Heirat in die Gebauersche Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei ein, beides ging nach dem Tod des letzte Gebauers an ihn über. Seit dem ist das Haus in der Großen Märkerstraße 10 (im 18. Jahrhundert kurz im Besitz des Philosophen Christian Wolff, heute Stadtmuseum) als das Schwetschkesche Haus bekannt. Carl August Schwetschkes ältester Sohn, Carl Ferdinand, übernahm die 1829 in C. A. Schwetschke & Sohn umgewandelte Firma Hemmerde & Schwetschke, der jüngere, Carl Gustav, dagegen die Gebauersche Buchhandlung nebst Druckerei, deren Teilhaber er seit 1828 war.

Carl (Karl) Ferdinand Schwetschke, geboren am 17. August in Halle, gestorben am 14. Februar 1843 ebenfalls in Halle) war bis 1813 Schüler der Franckeschen Stiftungen und ging im väterlichen Geschäft in die Lehre. Nach Studien- und Arbeitsjahren in Königsberg, St. Petersburg und Wien kehrte er nach Halle zurück und stieg in den väterlichen Betrieb ein. Carl Ferdinand erwarb sich große Verdienste beim Zustandekommen des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, dessen Vorstand er 1832-35 als Schatzmeister angehörte. 1836 gründete er mit seinem Schwager Hermann Kirchner die Firma Kirchner & Schwetschke in Leipzig. Die Firma C. A Schwetschke & Sohn wurde nach seinem Tode verkauft und nach Berlin verlegt.

Dr. Carl (Karl) Gustav Schwetschke, geboren am 5. April 1804 in Halle, gestorben am 5. Oktober 1881 ebenfalls in Halle, erhielt u. a. Unterricht auf der Latina der Franckeschen Stiftungen. Er erlernte in Braunschweig die Druckerei und übernahm 1825 die Leitung der Gebauerschen Offizin. 1828 übernahm er  die Redaktion des nun im Gebauer-Schwetschkeschen Verlage erscheinenden “Hallischen Couriers” („Der Courier, hallische Zeitung für Stadt und Land“), der späteren (ab 1851) “Halleschen Zeitung”. 1828 kaufte er die Gollnersche Schriftgießerei an. 1835 wurde eine Stereotypie, 1873 eine galvanoplastische Anstalt, 1877 eine Buchbinderei errichtet. Seit 1847 kamen 6 Schnellpressen in Betrieb, die seit 1865 durch eine Dampfmaschine angetrieben wurden.

Im Vereinsleben des Buchhandels machte sich Carl Gustav durch seine Mitwirkung an der Begründung der Bibliothek des Börsenvereins besonders verdient. Einen Namen aber machte er sich hauptsächlich durch seine eigene vielseitige literarische Tätigkeit. Zum hundertjährigen Jubiläum von Schwetschke & Sohn am 30. Dezember 1838 veröffentlichte er eine Abhandlung “De Donati minoris fragmento Halis nuper reperto excursus”, welche sein Interesse für die Geschichte des Buchdrucks und der Philologie bekundet. Durch seine zur vierten Säkularfeier der Buchdruckerkunst publizierte “Vorakademische Buchdruckergeschichte der Stadt Halle” erwarb er sich den Doctor honoris causa. Als sein bedeutendstes Werk darf wohl der im Jahre 1850 veröffentlichte “Codex nundinarius Germaniae literatae” angesehen werden, eine der wichtigsten Quellen für die Geschichte des Buchhandels, eine Statistik sämtlicher deutscher Verlagsfirmen und ihrer Tätigkeit von 1564-1846. Im Jahre 1866 gab er seine “Ausgewählten Schriften” in 2 Bänden heraus.

Von Carl Gustavs politischen Engagement (1848 wurde er in das Frankfurter Parlament gewählt) zeugen zahlreiche satirischen Dichtungen (“Schneidemüller-Lied”, “Gedichte eines protestantischen Freundes”, “Der Oberon von Sansscouci”), in denen er mit scharfem Witz sowohl die Ausschreitungen der Frankfurter Demokratie als auch die Führer der politischen Reaktion in Berlin bekämpfte.

Die Firma – Verlag und Druckerei mit Nebenzweigen – wurde von seinen drei Söhnen, Felix, Ulrich sowie Dr. Eugen Schwetschke weitergeführt und 1902 in eine GmbH (Gebauer-Schwetschke, Druck und Verlag mit b. H.) umgewandelt.