Hans von Schönitz (1499-1535)


Schönitz wird 1499 als Sohn des Bornmeisters Martin Schönitz und seiner Frau Margareta Prellwitz, Tochter des einflussreichen Lorenz Prellwitz, geboren. Er erlernt im Tuchgeschäft seines Vaters den Beruf des Kaufmanns und studiert Mathematik. Er unternimmt bereits in jungen Jahren Handelsreisen und knüpft Beziehungen zu den größten Handelshäusern des Reiches. Dies und seine patrizische Herkunft öffnen ihm frühzeitig den Weg zu Kardinal Albrechts Hof. Dieser beruft ihn 1520 in seinen Dienst.

Schönitz übernimmt für den Kardinal zunächst Ein- und Verkäufe auf Messen, später auch dringende Geldgeschäfte, z.B. die Beschaffung von Krediten, die Albrecht für seinen durchaus ausschweifenden Lebensstil dringend benötigt. Der Kardinal ernennt ihn 1522 zu seinem Finanzverwalter.

1521 stirbt Martin Schönitz und Hans übernimmt mit seinem Bruder das Geschäft des Vaters. Im Jahr darauf, am 23. Mai 1522, heiratet er die Kaufmannstochter Magdalena Walter. Im gleichen Jahr erwirbt er das Gelände der ehemaligen Lampertikapelle am Markt, um dort ein vornehmes Wohn-, Geschäfts- und Wirtschaftshaus, den Kühlen Brunnen, zu errichten. Der Bau ist Teil des städtebaulichen Umgestaltungskonzepts Kardinal Albrechts, der während seiner Amtszeit in Halle die Stadt zu einem Zentrum der Renaissance umgestalten ließ. Gerüchte besagen, der Kardinal habe in Schönitz’ Haus seine Mätressen empfangen.

Es gelingt Schönitz, seinen Stand am Hof und seinen Einfluss bei Albrecht stetig zu festigen, so dass er 1528 zu obersten Kämmerer und Bauarchitekten ernannt wird. Er vereinigt damit die zu dieser Zeit wichtigsten Verwaltungsämter in seiner Hand und ist an der Umgestaltung Halles an erster Stelle beteiligt. Es ist dieser besonderen Gunst des Kardinals geschuldet, dass dieser Schönitz 1531 damit beauftragt, Albrechts Geliebte Belina Mazarotti aus Frankfurt/Main nach Halle zu holen. Die Legende besagt, dass sich auf der Reise zwischen Schönitz und der Mazarotti ein Verhältnis entwickelt habe, das sie auch nach der Ankunft in Halle hinter Albrechts Rücken beibehielten, und es sei dies der eigentliche Grund hinter dem Todesurteil gegen Schönitz.

Vordergründig jedoch stolperte Schönitz wohl über den ausschweifenden Lebenswandel seines Dienstherrn und dessen Liebe zum Luxus. Als Kardinal Albrecht 1534 wieder einmal die Steuern anheben möchte, um seinen Luxus zu finanzieren, verlangt der Ständetag zu Calbe im Gegenzug Einblick in die Bücher des Landesherrn. Bei der Prüfung ergibt sich eine Differenz von 59.000 Gulden, die der Kämmerer Schönitz nicht zu erklären weiß. Es steht zu vermuten, dass das Geld dem Kardinal zur Deckung von Privatausgaben genützt hat und Schönitz dies versucht hat, zu vertuschen. Albrecht aber dankt es ihm schlecht. Er lässt Schönitz verhaften und ihm wegen Veruntreuung den Prozess machen. Schönitz wird am 21.06.1535 zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag am Galgen des Amtes Giebichenstein gehenkt.