Otto Schlag (1889-1944)


Am 5. Januar 1889 wurde Otto Schlag als eines von zehn Kindern des Steinmetzen Friedrich August Schlag und seiner Frau Anna, geb. Höfer in Kraftsdorf (Thüringen) geboren.

Der gelernte Schlosser arbeitete zunächst als Gleisbauarbeiter im Zeitz-Weißenfelser-Braunkohlenrevier und anschließend als Lokheizer in der Grube „Hedwig“ in Bösau, Kreis Hohenmölsen.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er zur Kaiserlichen Kriegsmarine eingezogen und nahm 1918 als Heizer auf dem Panzerkreuzer „Regensburg“ am Aufstand der Kieler Matrosen teil.

1910 schloss er sich der SPD an und wurde zwei Jahre später reguläres Mitglied der Partei. Später ging er in die zwischenzeitlich gegründete USPD und beteiligte sich in der Folge an der Gründung der Ortsgruppe der KPD in Hohenmölsen im Jahre 1919.

Von 1920 bis 1928 arbeitete er wieder im Bergbau, die Familie zog in den näher am Werk gelegenen Ort Deumen (Kreis Hohenmölsen). In dieser Zeit wurde Otto Schlag Betriebsratsvorsitzender, später auch Kreistagsabgeordneter in Weißenfels. Bei seinen Bergarbeiterkollegen genoss er ein hohes Ansehen, kümmerte sich um deren Belange und versuchte die soziale Situation, so weit es ihm möglich war, zu verbessern. Seine kommunistische Gesinnung brachte ihm den Beinamen „roter Betriebsrat“ ein.

Nach seiner Entlassung aufgrund seiner politischen Agitation hatte Otto Schlag hauptsächlich Parteifunktionen in der Bezirksleitung Halle-Merseburg inne und wurde in den preußischen Landtag gewählt. Sein Hauptbetätigungsfeld war die revolutionäre Gewerkschaftsarbeit, 1929 leitete er die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO) Bergbau in Mitteldeutschland.

Mit seinem Ausschluss aus dem Bergbau musste Otto Schlag auch die Werkswohnung verlassen und zog 1931 nach Halle. Hier wohnte er mit seiner Familie im Haus der KPD-Bezirksleitung in der Lerchenfeldstraße 14, wo sich auch die Druckerei der Parteizeitung „Klassenkampf“ befand, für die Otto Schlag schrieb.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialismus wirkte Otto Schlag illegal in der Organisation des Widerstands gegen das Regime und hielt Verbindung zur Leitung der KPD in Berlin. Jedoch wurde er bereits im Herbst 1933 gefasst und kam in „Schutzhaft“ in die Konzentrationslager Lichtenburg, Esterwegen und Sachsenhausen. 1939 wurde Otto Schlag schwer krank entlassen. Trotz seiner Erkrankung führte er die Widerstandsarbeit fort, starb jedoch am 22. April 1944 an den Folgen der Haft.

Otto Schlag war verheiratet mit Lina geb. Pörschmann, die sich ebenso wie ihre fünf Kinder im Widerstand engagierte. 1933 wurde ihr Sohn Walter zu mehreren Jahren Zuchthaus in Halle verurteilt.

In der DDR wurden zahlreiche Betriebe, Kollektive, Schulen, Sportvereine nach Otto Schlag benannt. Auch das kurzzeitige Wohnhaus des Kommunisten in der Lerchenfeldstraße 14 erhielt den Namen Otto Schlags. Im Januar 1989 wurde dort anlässlich des 100. Geburtstages Otto Schlags ein Museum für die Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung im Bezirk Halle eingerichtet. Heute befindet sich das Depot des Stadtmuseums in diesem Haus.

Antje Löhr-Dittrich


Quellen:

Stadtarchiv Halle FA 5416 Otto Schlag
Krimmer, Ronald: Otto Schlag. Halle, 1977 (Zur Geschichte der Arbeiterbewegung im Bezirk Halle. Biographien und Erinnerungen, Heft 8).
Sprodowski, Annika: Otto Schlag (1889-1944): Revolutionäre Gewerkschafts-Oppsosition. In: S. Mielke & G. Mosch (Hrsg.): Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Oranienburg. Biographisches Handbuch. Bd. 2. 2003.