Richard Paulick (1903-1979)

Zwischen Bauhausidealen und realem Sozialismus

Richard Paulick wurde am 7. 11 1903 in Roßlau (heute Dessau-Roßlau) geboren. Nach einer Maurerlehre studierte er 1923 bis 1927 Architektur an den Technischen Hochschulen in Dresden und Berlin Charlottenburg. Geprägt durch Lehrer wie Hans Poelzig, den Begründer der Neuen Sachlichkeit in der Architektur, fand Paulick schnell eine Verbindung zur Architektur-Richtung des „Neuen Bauen“.

Erste internationale Anerkennung erhielt er 1926 für das Dessauer Stahlhaus, welches er zusammen mit Georg Muche entwarf. Das Gebäude, bestehend aus einer Stahlskelett-Tragkonstruktion, auf die Stahltafeln als Außenwänden, wurde mit dem Ziel konzipiert, eine Übereinstimmung von industrieller Fertigung und entsprechender Formensprache sichtbar zu machen.

Nach dem Studium wurde Richard Paulick Mitarbeiter des Bauhaus-Direktors Walter Gropius und war an den Planungen in Dessau (Wohnsiedlung Törten) und Berlin (Wohnsiedlung Berlin-Haselhorst) beteiligt.  Im Sommer 1930 eröffnet er sein eigenes Architekturbüro in Berlin. Es waren die Jahre der Wirtschaftskrise, Paulick erhielt nur wenige Aufträge.

Aufgrund seiner politischen Orientierung – er war zeitweise Mitglied der SAP – musste Paulick bereits 1933 emigrieren. Er ging nach China, wo er ab 1937 freischaffend in Shanghai tätig war. 1942 erfolgte die Ernennung zum Professor an der St.-Johns-Universität Shanghai. Ab 1945 war er als Leiter des dortigen Stadtplanungsamtes mit der Erarbeitung eines Generalbebauungsplans für die Region Shanghai beauftragt. Nach der Errichtung der Volksrepublik China verließ Paulick 1949 Shanghai.

Dank seiner Kontakte zu Hans Scharoun, dem Leiter des Berliner Instituts für Bauwesen, konnte Richard Paulick ab 1950 als Abteilungsleiter am Institut für Bauwesen der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin wieder Fuß fassen. Er beschäftigt sich mit Konzepten zum Wiederaufbau des Ost-Berliner Stadtteils Friedrichshain sowie Fragen des Typenbaus.

Mit der Gründung der Deutschen Bauakademie in Berlin übernimmt er 1951 neben Hermann Henselmann und Hanns Hopp die Leitung einer Meisterwerkstatt. Ab 1952 leitet er den „Aufbaustab Stalinallee“ und projektiert Wohnblöcke im ersten Bauabschnitt.

Neben seiner Tätigkeit auf den „Baustellen des Sozialistischen Realismus“ beschäftigt sich Paulick jedoch auch immer wieder mit Sanierungsarbeiten zerstörter Baudenkmäler, so beispielsweise dem Wiederaufbau der Staatsoper Unter den Linden oder des ehemaligen Kronprinzenpalais in Berlin.

In den 60er Jahren erfolgte ein Paradigmenwechsel im Bauwesen der DDR – mit der allgemeinen Abwendung von stalinistischen Großbauten wandte auch Richard Paulick sein Augenmerk zunehmend auf die Entwicklung und Förderung industrialisierter Bauten (Großplattenbauweise, Typenprojektierung). Waren die Neubauprojekte in Hoyerswerda unter dem Chefarchitekten Paulick ab 1958 noch von Weiträumigkeit und starker Gleichförmigkeit geprägt, setzte er in Schwedt (1962-65) bereits auf das Prinzip räumlich rationellerer und konzentrierter Großwohngebiete mit eindeutigen Zentren.

1963 bis 1968 war Richard Paulick Chefarchitekt von Halle-Neustadt. Oberstes Gestaltungsprinzip war eine zweckmäßige Wohnumwelt.

1974 setzte Paulick sich zur Ruhe. Er starb am 4. März 1979 in Berlin.