Carl von Ossietzky (1889-1938)


Am 3. Oktober 1889 wurde Carl von Ossietzky als Sohn des aus Schlesien eingewanderten Milchhändlers, Speisewirts und Stenographen Carl Ignatius von Ossietzky und seiner Ehefrau Rosalie Marie geb. Pratzka in Hamburg geboren. Er besuchte die Rumbaumsche Oberrealschule, verfehlte aber zweimal den Schulabschluss mit der Mittleren Reife, weil er sich lieber mit den Klassikern der deutschen Literatur als mit dem Schulstoff beschäftigte. Ohne Abschluss 1907 wurde er Hilfsschreiber beim Hamburger Amtsgericht.

1908 trat Carl von Ossietzky in die linksliberale Demokratische Vereinigung ein. Nachdem er mit einem Leserbrief an die von dieser Partei herausgegebene Zeitschrift „Das Freie Volk“ auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde er 1912 deren Mitarbeiter. Im Jahr darauf trat er in die Deutsche Friedensgesellschaft und den Deutschen Monistenbund ein. Im Sommer 1913 heiratete er die Frauenrechtlerin Maud Hester Lichfield-Woods, Tochter eines britischen Offiziers. Zu Beginn des Jahres 1914 verließ Ossietzky den Justizdienst, um als freier Journalist zu arbeiten. Aufgrund eines seiner Artikel wurde er wegen „Beleidigung der Militärgerichtsbarkeit“ zu einer Geldstrafe von 200 Reichsmark verurteilt. Als im August 2014 die Zeitung „Das Freie Volk“ eingestellt wurde, musste Ossietzky wieder in den Justizdienst eintreten.

Im Ersten Weltkrieg wurde Ossietzky 1916 als Armierungssoldat eingezogen und diente an der Westfront. Nach der Teilnahme an der Schlacht von Verdun schrieb er Artikel gegen die Romantisierung und die Fortsetzung des Krieges. Nach dem Krieg trat er erneut aus dem Justizdienst aus, arbeitete für den Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat und wurde Autor und Lektor im dortigen Pfadweiser-Verlag. Im Sommer zogen die Ossietzkys nach Berlin. Hier hielt Ossietzky Vorträge in der Deutschen Friedensgesellschaft und wurde ab Oktober 1919 deren Sekretär.

Von 1919 bis 1922 war Ossietzky freier Mitarbeiter der Organe des Deutschen Monistenbundes. 1920 redigierte er als verantwortlicher Redakteur die „Mittteilungen der Deutschen Friedensgesellschaft“. Mit Ende seiner Tätigkeit als Sekretär der Deutschen Friedensgesellschaft im Juni desselben Jahres wurde er hauptamtlicher Mitarbeiter der „Berliner Volks-Zeitung“, später auch hier verantwortlicher Redakteur. Ossietzky schloss sich der Deutschen Liga für Menschenrechte an und war Mitbegründer der Friedensbewegung „Nie-wieder-Krieg“. Er sprach auf deren Kundgebungen und schrieb für das pazifistische Organ „Nie-wieder-Krieg!“. Im Friedensbund der Kriegsteilnehmer lernte er Kurt Tucholsky kennen.

Im Jahr 1924 gründete Ossietzky die Republikanische Partei (RPD), die sich, nachdem sie nicht genügend Stimmen für einen Sitz im Reichstag erreichte, wieder auflöste. Er arbeitete in der Redaktion der linksliberalen Wochenzeitung „Das Tage-Buch“ und beim „Montag-Morgen“.

1926 unterzeichnete er einen Autorenvertrag mit der von Siegfried Jacobson herausgegebenen „Weltbühne“, für die auch Tucholsky arbeitete. Im Jahr darauf, nach dem Tod Jacobsons, wurde Ossietzky deren Chefredakteur und Herausgeber. In seinen Leitartikeln wendete er sich gegen die Aushöhlung der Verfassung und kritisierte die Parteienpolitik. Wegen seiner Kritik an der Wiederaufrüstung wurde er mehrmals vor Gericht verurteilt. Von August 1926 bis Mai 1927 gehörte Ossietzky dem Vorstand der Liga für Menschenrechte an. Neben Ernst Toller, Alfred Wolfenstein u.a. war er im Januar 1928 Teil des beratenden Ausschusses der von Alfred Döblin geleiteten „Aktionsgemeinschaft für geistige Freiheit“. Nach einem Artikel über die geheime Rüstung der Reichswehr 1931 wurden er und der Autor des Artikels, Walter Kreiser, wegen Landesverrats zu achtzehn Monaten Haft verurteilt. Während Kreiser nach Frankreich floh, wurde Ossietzky bis zur Weihnachtsamnestie 1932 im Gefängnis Tegel interniert.

Auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten lehnte Ossietzky die Flucht aus Deutschland ab. In der Nacht des Reichstagsbrandes am 28. Februar 1933 wurde er verhaftet und im Untersuchungsgefängnis Spandau interniert. Im März wurde die „Weltbühne“ verboten, im April wurde Ossietzky in das KZ Sonnenburg bei Küstrin überführt, wo er einen Herzanfall erlitt. 1934 kam er in das KZ Esterwegen im Emsland. Hier wurde er für Torfarbeiten im Moor eingesetzt. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends.

Um die internationale Presse auf die unmenschliche Behandlung aufmerksam zu machen, beantragte die Liga für Menschenrechte auf Initiative seiner Freunde im Mai 1934 den Friedensnobelpreis für Carl von Ossietzky. Unter den Unterstützern waren die Schriftsteller Romain Rolland, H. G. Wells, die Brüder Thomas und Heinrich Mann, der Philosoph Bertrand Russell, der Schweizer Theologe Karl Barth und der Physiker Albert Einstein. Willy Brandt koordinierte und bündelte die verschiedenen Initiativen. Aufgrund des starken außenpolitischen Drucks der nationalsozialistischen Regierung auf die norwegische Regierung beschloss das Komitee, den Friedensnobelpreis für 1935 auszusetzen. Erst im November 1936 wurde Ossietzky der Nobelpreis rückwirkend verliehen. Ihm wurde erlaubt, den Preis und das Preisgeld anzunehmen, er durfte es aber nicht persönlich in Oslo entgegennehmen. Zudem verfügte Hitler darüber, dass kein Deutscher zukünftig einen Friedensnobelpreis annehmen dürfe.

Zuvor schon war Ossietzky im Mai 1936 aus der Haft entlassen und mit einer schweren Tuberkulose in das Staatskrankenhaus der Polizei in Berlin eingeliefert worden, er blieb dort aber weiterhin unter Polizeiaufsicht. Am 4. Mai 1938 starb Carl von Ossietzky im Berliner Krankenhaus Nordend an den Folgen der schweren Misshandlungen im KZ und der Tuberkulose. Er fand seine letzte Ruhe in einem Ehrengrab der Stadt Berlin auf dem Friedhof 4 in Berlin-Niederschönhausen.

Die deutsche Internationale Liga für Menschenrechte in Berlin verleiht seit 1962 die Carl-von-Ossietzky-Medaille an Personen, die sich in besonderer Weise um die Verwirklichung der Menschenrechte verdient gemacht haben. Prominente Preisträger sind u.a. Heinrich Böll und Günter Wallraff.

Quellen:
Elke Suhr: Carl von Ossietzky. Pazifist, Republikaner und Widerstandskämpfer. München, 1989
Ursula Madrasch-Groschopp & Gerda Bergner (Hrsg.): Ossietzky. Ein Lesebuch für unsere Zeit. Berlin, Weimar, 1989.
https://www.dhm.de/lemo/biografie/carl-ossietzky
http://www.berlin-die-hauptstadt.de/ossietzky.htm