Philipp Friedrich Theodor Meckel (1755-1803)

 

Philipp Friedrich Theodor Meckel wurde am 30. April 1755 in Berlin geboren. Sein Vater war Johann Friedrich Meckel d. Ä., Professor für Anatomie, Physik und Geburtshilfe, der als der hervorragendste Schüler Hallers galt und besonders über seine Arbeiten über die Anatomie des Nervensystems bekannt geworden war. Er unterrichtete seinen ältesten Sohn – zunächst gegen dessen eigenen Willen – in der Anatomie und Präpariertechnik. Philipp Theodor studierte Medizin in Göttingen und Straßburg, wurde dort 1777 mit einer vielbeachteten Dissertation über das Innenohr promoviert und begab sich auf eine fast dreijährige Studienreise nach Paris, London und Edinburgh.

Als er in London von dem großen Anatomen und Chirurgen John Hunter eine Anstellung angeboten bekam, verfügte der preußische König noch 1777 die Bestallung Meckels zum ordentlichen Professor für Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe in Halle, um ihn im Lande zu halten. Nach seiner Rückkehr 1779 trat Meckel die Professur an. Er erfreute sich trotz seiner Jugend bereits eines guten wissenschaftlichen Rufes. Er bezog das eben fertig gestellte Anatomische Theater, das sich im Erdgeschoß des Neubaus der Unibibliothek am Paradeplatz (heute Friedemann-Bach-Platz) untergebracht war. Die baulichen Gegebenheiten erwiesen sich für seine Arbeit jedoch als sehr ungünstig, so dass er auf seine Drängen hin 1789/91 neue Arbeitsräume im Westflügel der Neuen Residenz am Dom erhielt. Auch das neue Institut befriedigte Meckels Ansprüche nicht, so dass er es vorzog, seine Lehr-, Forschungs- und Sammeltätigkeit in seine Privatwohnung zu verlegen – dem Riesenhaus am Großen Berlin.

Hier befand sich auch die kostbare, von seinem Vater schon in Berlin angelegte Sammlung anatomischer Präparate, die Meckel ständig erweiterte. Ganz Wissenschaftler sezierte er auch zwei seiner eigenen Kinder (drei seiner zehn Kinder verstarben früh). Der damals achtjährige Ludwig Wucherer, dessen Onkel und Taufpate Meckel war, war einmal bei der Sektion eines Kindes dabei.
Die Tätigkeit als Anatom, die zugleich auch den Unterricht in der Physiologie umfasste, bildete jedoch nur eins seiner umfangreichen Arbeitsgebiete. Seit 1788 leitete er die chirurgische Abteilung des Clinicums in Glaucha, war auch außerhalb dieser amtlichen Funktion ein gesuchter Chirurg. Vor allem aber war er eine internationale Kapazität auf dem gebiet der Geburtshilfe, er übersetzte die geburtshilflichen Werke des Franzosen Baudeloque, gründete eine private Entbindungsanstalt und wurde sogar zweimal zur Entbindung an den Zarenhof nach St. Petersburg gerufen. 1795 bot ihm Katharina II. die Leitung der gesamten medizinischen Universitäts-Anstalten in Petersburg an. Die Ablehnung ist ihm wahrscheinlich nicht leicht gefallen, brachte ihm allerdings den preußischen Geheimratstitel ein.

Am 17. März 1803 verstarb Philipp Friedrich Theodor Meckel nur 47jährig nach schwerer Krankheit. Sein Freund und Kollege Reil begleitete ihn die letzten Wochen und sorgte für die Erfüllung seines letzten Willens: dass er nämlich nach seinem Tode seziert werde, seine Gerippe künstlich zusammengesetzt und in einem eigenen Schrank aufbewahrt werde. Tatsächlich fanden sich dabei zwei anatomische Besonderheiten: eine Stirnnaht sowie ein 13. Rippenpaar. Die Überreste des Körpers wurden auf dem Stadtgottesacker beigesetzt.

Sein ältester Sohn, einziges Kind aus seiner ersten Ehe, sollte seine Arbeit fortführen und noch berühmter werden als sein Vater und Großvater.


Quellen:

Stadtarchiv, Signaturen FA 1438, 2586
Neue Deutsche Biographie, Bd. 16, 1990
Rüdiger Schultka, Luminita Göbbel: Philipp Friedrich Theodor Meckel – Lebensdaten und Lebenswerk, in: Anatomie und Anatomische Sammlung im 18. Jahrhundert, hrsg.v. R. Schultka und J.N. Neumann, Berlin 2007