Wilhelm Külz


Wilhelm Leopold Friedrich Külz
(1875-1948)

Wilhelm Külz wurde am 18. Februar 1875 in Borna als Sohn des Pfarrers Dr. Otto Külz und seiner Frau Amalie Anna Friederike geboren. Er besuchte die Fürstenschule St. Augustin in Grimma und studierte Rechtswissenschaften in Leipzig und Tübingen. Nach der Promotion zum Dr. sc. pol. begann Külz seine Kommunallaufbahn als „Stadtschreiber“ von Zittau und war danach Anfang 1903 Erster Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister von Meerane. Von 1904 bis 1912 war Külz in Bückeburg, zunächst als Bürgermeister, ab 1909 als Oberbürgermeister. Ab 1906 wurde er in den Landtag von Schaumburg-Lippe gewählt, dessen Präsidentschaft er ab 1910 übernahm.

1907 wurde Wilhelm Külz zum Reichskommissar für Selbstverwaltung in Deutsch-Südwestafrika berufen und entwarf innerhalb eines Jahres die dort 1909 einführte Kommunalverwaltung. 1912 wurde er zum Oberbürgermeister von Zittau gewählt und blieb dies bis 1923. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss er sich der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an, die er 1919 in der Weimarer Nationalversammlung und von 1920 bis 1932 im Deutschen Reichstag vertrat.

1923 wechselte Külz als 2. Bürgermeister nach Dresden und war dort für die Stadtfinanzen zuständig. 1926 wurde er zum Reichsinnenminister gewählt und blieb in diesem Amt bis zum Sturz des Kabinetts Marx im darauffolgenden Jahr. Im Juli 1927 wurde Külz zum Präsidenten des Welthilfsverbandes für Katastrophenhilfe ernannt. In zahlreichen Vereinen, Verbänden und Organisationen war er Erster Vorsitzender. 1928 übernahm er als Reichskommissar die überregionale Koordination der Presseausstellung (Pressa) in Köln und später die Organisation der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1930.

Im Jahr zuvor wurde Külz in Dresden zum Stadtverordneten gewählt, 1931 zum Oberbürgermeister der Stadt. Weil er sich für seine jüdischen Mitarbeiter einsetzte und sich weigerte, die Hakenkreuzfahne an das Rathaus zu hängen, wurde Wilhelm Külz im März 1933 seines Amtes enthoben. 1935 siedelte er nach Berlin über, wo er mit seinem Sohn Helmut eine Anwaltskanzlei betrieb, in Wirtschaftsverbänden mitarbeitete und Kontakte zu verschiedenen Widerstandskreisen pflegte.

Nachdem die einzelnen Parteien von den Nationalsozialisten aufgelöst worden waren, gründeten diese sich nach dem Krieg neu. Eine der ersten Neugründungen war im Sommer 1945 die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands, zu deren Mitbegründern Wilhelm Külz gehörte und deren Vorsitzender er im November desselben Jahres durch eine Intervention der sowjetischen Besatzungsmacht wurde. Mit dieser Position übernahm er auch die Herausgeberschaft der LDP-Zeitung „Der Morgen“. Als eine seiner ersten Amtshandlungen verlegte er Geschäftssitz und Sitz der Redaktion vom Kurfürstendamm in die Taubenstraße im sowjetischen Sektor. In der Folge betrieb er den Neuaufbau der Partei in der sowjetischen Besatzungszone erfolgreich. Er verstand seine Partei als zentrale Leitung aller liberalen demokratischen Organisationen Deutschlands, nicht begrenzt auf den östlichen Teil des Landes.

Mit dem Versuch eine gesamtdeutsche liberale Partei zu gründen, wurde die Deutsche Demokratische Partei ins Leben gerufen, deren Vorsitz neben Külz als Vertreter der SBZ Theodor Heuss als Vertreter der britischen Besatzungszone übertragen wurde. Mit seiner Befürwortung der Blockpolitik der SED trat er in Opposition zu dem liberal-demokratischen Teil der westlichen Besatzungszonen, die zum Ausschluss Wilhelm Külz‘ aus der Partei führte. Im sowjetischen Teil Deutschlands übernahm Külz 1948 zusammen mit Otto Nuschke (CDU) und Wilhelm Pieck (SED) den Vorsitz des deutschen Volksrates (Vorläufer der Deutschen Volkskammer).

Mindestens zweimal weilte Wilhelm Külz in Halle: Am 27. Juni 1947 nahm er an einem Parteiausschuss teil, in seinem Tagebuch notierte er: „Die dortigen Parteifreunde haben ein schönes großes Haus stilvoll als Parteiunterkunft eingeräumt erhalten. Man könnte sie beneiden. Ein schöner großer Sitzungssaal hielt uns 8 Stunden umschlossen.“ Ein weiteres Mal traf sich der Parteivorstand am 10. Februar 1948 zur Sitzung in Halle.

Am 10. April 1948 starb Wilhelm Külz in Berlin.


Quellen:
Armin Behrendt: Wilhelm Külz. Aus dem Leben eines Suchenden. Berlin, 1968.
Hergard Robel (Hrsg.): Wilhelm Külz. Ein Liberaler zwischen Ost und West. Aufzeichnungen 1947-1948. München, 1989.
de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_K%C3%BClz