Friedrich Kruse (1896–1981)


Am 8. Mai 1896 wurde Friedrich Kruse als ältester Sohn des praktischen Arztes Dr. med. Hugo Kruse und seiner Frau Hanna Kruse, geb. Horn in Elze bei Hannover geboren. Nach dem Abitur in Kassel trat er der Marine bei und nahm als Leutnant zur See am 1. Weltkrieg teil.

Von 1919 bis 1923 studierte Friedrich Kruse Medizin in Tübingen, Freiburg, Leipzig, Kiel, München und Heidelberg. Neben dem offiziellen Medizinstudium besuchte er auch Vorlesungen der Pädagogischen und der Philosophischen Fakultäten. Nach dem 1923 mit „Sehr gut“ abgelegten Staatsexamen wurde er Medizinalpraktikant an der Universitätskinderklinik in Heidelberg. Ein Jahr darauf promovierte er, erhielt seine Approbation und arbeitete als Assistenzarzt in Heidelberg und in Jena.

Im November 1926 wechselte Friedrich Kruse an die Universitätsklinik in Halle und wurde dort im folgenden Jahr zum Oberarzt ernannt. In dieser Zeit entstanden wissenschaftliche Arbeiten u. a. zum Säure-Basen-Gleichgewicht, zur Skrofulose und zur Encephalographie. Am 10. Juli 1930 eröffnete Friedrich Kruse seine eigene Praxis in der Reichardtstraße.

Während des 2. Weltkrieges war Kruse in verschiedenen Landkommandos als Arzt tätig. Bevor er die Arbeit in seiner eigenen Praxis, jetzt am Robert-Franz-Ring, wieder aufnehmen konnte, leitete er als Chefarzt ein Reservelazarett und ein Hilfskrankenhaus in Halle.

Während seiner praktischen Tätigkeit als Facharzt für Kinderkrankheiten hielt Friedrich Kruse auch medizinische, hygienische und pädagogische Vorträge, verfasste Zeitungsartikel und beteiligte sich an Publikationen über Kindererziehung. Als Schul- und Betriebsarzt betreute er die Gehörlosenschule mit den ihr angeschlossenen Internaten, beaufsichtigte zwei Kinderheime, darunter das Martha-Brautzsch-Heim am Robert-Franz-Ring, und arbeitete als Referent an der Städtischen Mütterschule.

Außerdem beteiligte er sich am Aufbau der kinderärztlichen Abteilung der Städtischen Poliklinik Süd und brachte auch dort von deren Eröffnung 1947 bis 1976 seine hohen Fachkenntnisse und vielseitigen praktischen Erfahrungen ein.

Bis zum August 1974 betrieb der 1961 zum Sanitätsrat ernannte Dr. med. Friedrich Kruse seine private Praxis, in der er insgesamt 48 000 Kinder behandelte. Der in der Bevölkerung sehr beliebte und in Fachkreisen geschätzte Arzt war Träger der Verdienstmedaille der DDR, der Hufelandmedaille und anderer staatlicher und gesellschaftlicher Auszeichnungen und war Ehrenmitglied der Gesellschaft für Pädiatrie der DDR.

Friedrich Kruse war verheiratet mit Ilse Wangemann, Tochter eines Mecklenburger Landarztes. Die gelernte Säuglingsschwester unterstützte ihren Ehemann in dessen Praxis. Das Paar hatte sieben Kinder, von denen fünf medizinische Berufe ergriffen und heute als Schilderpaten für die Friedrich-Kruse-Straße auftreten.

Antje Löhr-Dittrich


 Quellen:
Stadtarchiv Halle: FA 3657 Friedrich Kruse
Lebenslauf von SR Dr. med. Friedrich Kruse, 23.10.1974 und Zeitungsartikel aus dem familieneigenen Archiv (Familie Hunal)