Carl Hermann Knoblauch (1820-1895)

 

Knoblauch wurde als Sohn eines vermögenden Seiden- und Ordensbandfabrikanten geboren. Seine Schulbildung erhielt er am Cöllnischen Realgymnasium und am Pädagogium Züllichau. Da er später das väterliche Unternehmen übernehmen sollte, musste er nach der Schulzeit mit 14 Jahren in Frankfurt/M. eine kaufmännische Ausbildung absolvieren, erhielt aber auf seinen Wunsch und ohne Wissen seines Vaters weiterhin privaten Unterricht. Nach dem er als Externer das Abitur abgelegt und seinem Vater die ernsthaften Studienabsichten nahe gebracht hatte, stimmte dieser dem Vorhaben seines Sohnes zu studieren zu. Knobloch studierte an der Berliner Universität und an der Gewerbeakademie Mathematik, Naturwissenschaften und Philosophie. Sein Lehrer, Gustav Magnus, erlaubte es Knoblauch in seinem privaten Laboratorium experimentell zu arbeiten. 1847 schloss er sein Studium ab und promovierte sich zu einem Thema über die Wärmestrahlung zum Dr. phil. Bereits 1848 habilitierte er sich im Fach Physik und wechselte 1849 als Privatdozent an die Universität Bonn. Noch im gleichen Jahr folgte er einem Ruf als außerordentlicher Professor an die Universität Marburg. Dort erfolgte 1852 die Beförderung zum ordentlichen Professor für Experimentalphysik. 1853 erhielt Knoblauch einen Ruf an die Universität Halle, wo er bis zum Wintersemester 1894/1895 lehrte.

Knoblauch zeichnete sich als hervorragender Experimentalphysiker der neuen Generation aus. Allein mehr als einhundert Publikationen zur Wärmestrahlung und weitere zur Kristallphysik und zur Elektrizität kennzeichnen ihn als einen sehr produktiven Wissenschaftler. Darüber hinaus zeichnete er sich als Wissenschaftsorganisator und Mäzen aus. In den Jahren 1868-1871 wurde er drei Mal zum Rektor gewählt und übte 1871 zusätzlich die Funktion des Kurators der Universität aus. Er stiftete mehrere Stipendien, beteiligte sich finanziell an der Renovierung der Aula und spendete Gemälde der Gründer und Stifter der Universität. 1871 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt und 1873 als Vertreter der Universität als Mitglied des preußischen Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt, wo er liberale Ansichten vertrat. 1845 war maßgeblicher Mitbegründer der Physikalischen Gesellschaft. In seiner Zeit an der halleschen Universität wurde auch das neue Institutsgebäude für Physik am heutigen Friedemann-Bach-Platz errichtet.

Am 8. Juni 1862 wurde Knoblauch Mitglied der Leopoldina, 1877 deren Stellvertretender Vorsitzender und am 7. August 1878 ihr Präsident. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tode am 30. Juni 1895 aus. Knoblauch fand auf dem Stadtgottesacker seine letzte Ruhestätte. Während seiner Amtszeit als Präsident der Leopoldina wurden auf Grund des stark gewachsenen Buchbestandes die Weichen für einen neuen Bibliotheksbau gestellt und damit auch für den ständigen Sitz der Leopoldina in Halle.

Knoblauch integrierte sich auch stark ins städtische Leben. Er war mehrere Jahre Mitglied des Gemeindekirchenrates und auch des Chores der Marktgemeinde Unser Lieben Frauen.



Quellen:

Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina; Archiv, Matrikel-Nr. 1971
www.catalogus-professorum-halensis.de
Robert Knott, Knoblauch, Hermann in Allgemeine Deutsche Biographie (www.wikisource.org)