Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490–1545)

Markgraf Albrecht von Brandenburg wurde am 28. Juni 1490 in Berlin-Cölln geboren als Sohn des brandenburgischen Kurfürsten Johann Cicero von Hohenzollern und der Herzogstochter Margarethe von Sachsen. Er genoss eine humanistische Hausschulausbildung am Berliner Schloss und am Hof des Bischofs Dietrich von Bülow in Frankfurt/Oder, wo er an der Gründung der Universität 1506 beteiligt war. Hier traf er auf Ulrich von Hutten, der später in Albrechts Dienste trat.
Als jüngstes von sieben Kindern war Albrecht für die geistliche Laufbahn bestimmt. Diese begann er 1510 als Domherr im Mainzer Domstift (bis 1512). Während Papst Leo X. beim 5. Laterankonzil in Rom verfügte, dass niemand mehr als einen Bischofssitz innehaben durfte und dass geistliche Ämter nicht unter einem Alter von 30 Jahren angenommen werden dürfen, erreichte Albrechts älterer Bruder Joachim, mittlerweile brandenburgischer Kurfürst Joachim I. Nestor, unter Aufbringung immenser Geldsummen die Ernennung Albrechts 1513 zum Erzbischof von Magdeburg und Administrator des Bistums Halberstadt, sowie im darauffolgenden Jahr zum Erzbischof von Mainz. Mit diesem Amt war die Reichskanzlerschaft und Kurfürstenwürde im Reich verbunden. Zudem war Albrecht als Mainzer Erzbischof Primas Germaniae – Erzkanzler für die deutschen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches – somit das geistliche Oberhaupt der römischen Kirche in Deutschland. Ihm unterstanden also mit 24 Jahren zwei Erzbistümer und er war einer der mächtigsten Männer des Reiches. Weitere vier Jahre später wurde Albrecht, wiederum auf Betreiben seines Bruders Joachim, von Papst Leo X. zum Kardinal erhoben. Mit nur 28 Jahren hatte Albrecht die höchsten geistlichen Würden im Reich erlangt.

Am 22. Mai 1514 zog Albrecht in Halle ein. Wie sein Vorgänger wählte er die Stadt an der Saale und die von Ernst von Wettin erbaute Moritzburg als Wohnsitz und Residenz. Zunächst ließ er die Maria-Magdalenenkapelle der Moritzburg neu weihen, in der seine reiche Sammlung von Reliquien ausgestellt werden sollte. Von der prächtigen Ausstattung der nunmehr von den besten Künstlern der Zeit zum repräsentativen Schloss ausgestalteten Burg ist leider nichts mehr erhalten.

Die Magdalenenkapelle erwies sich bald zu klein für das stark angewachsene so genannte „Hallesche Heiltum“. Albrecht wählte sich den Dom zur Präsentation und als Grablege für sich selbst. Er ließ im Innern an den Pfeilern von dem Mainzer Bildhauer Peter Schroh übergroße Apostelfiguren anbringen. Außen ließ er unter der Leitung der Bauhütte Bastian Binders auf der Mauerkrone den markanten Rundgiebelkranz anbringen, mit welchem die Renaissance in Mitteldeutschland Einzug hielt. Die Gründung des Neuen Stifts in Halle ist auf den 28. Juni 1520 datiert, Albrechts 30. Geburtstag. Namhafte Künstler der Zeit – Albrecht Dürer, Matthias Grünewald, Hans Baldung Grien, Lucas Cranach und seine Werkstatt in Wittenberg schufen Altäre für die neue Stiftskirche. Der Nürnberger Bildhauer Peter Visscher fertigte Albrechts Grablege im Dom.

Die in seinen jungen Jahren erkauften Ämter und seine rege Bautätigkeit in Halle kosteten erhebliche Geldsummen, die sich Albrecht von dem Finanzhaus der Fugger in Augsburg leihen ließ. Die Rückzahlung des an sich nicht ungewöhnlichen Kredits erfolgte jedoch zu einem Teil aus den Erlösen des für den Bau des Petersdoms in Rom von Papst Leo X. erhobenen Ablasses. Papst Leo X. ernannte Erzbischof Albrecht zu einem der beiden Generalkommissare zur Abwicklung des Ablassgeschäfts, der wiederum den Dominikanermönch Johann Tetzel zum Sub-Generalkommissar für die Kirchenprovinz Magdeburg ernannte. Der Ablasshandel überhaupt und die zweifelhaften Methoden des Ablasspredigers Tetzel veranlassten den Augustinereremiten Martin Luther, Professor für Bibelwissenschaft im sächsischen Wittenberg, am Vorabend von Allerheiligen 1517 seine 95 Ablassthesen zu verfassen, die in der Folge die Reformation auslösten.

Zwischen 1526 und 1532 weilte Erzbischof Albrecht vor allem in seinem Mainzer Erzbistum. Albrecht hatte hier bereits in den Vorjahren ein Hofgericht als ständigen obersten Gerichtshof und einen Hofrat als Verwaltungs- und Aufsichtsbehörde begründet. Grundsätzlich war er einer Kirchenreform gegenüber aufgeschlossen. So berief und förderte er in dieser Mainzer Zeit katholische Theologen, im reformerischen Sinne tätig zu werden (u.a. Julius von Pflug, von dessen Leben und Wirken derzeit eine Ausstellung im Zeitzer Dom erzählt).

Von 1532 bis 1538 residierte Albrecht ausschließlich in seiner Lieblingsresidenz Halle. Möglicherweise wollte er damit verhindern, dass auch Halle der umgreifenden Reformation zuspräche. Zur Stärkung der katholischen Position in seinen mitteldeutschen Bistümern erwirkte Albrecht 1531 die päpstliche Bestätigung zur Gründung einer Universität. Diese sollte in dem „Newen Gebew“ südlich der Stiftskirche – die spätere Neue Residenz – untergebracht werden.
Auch die Zusammenlegung und der Umbau der beiden Kirchen an zentraler Stelle der Stadt, am Marktplatz zu einer repräsentativen, der Hl. Maria geweihten Kirche diente Erzbischof Albrecht dem Ziel, reformatorische Einflüsse zurückzudrängen. Die an den Kirchen angesiedelten Friedhöfe wurden aufgelassen und als neuer Bestattungsort der Gottesacker auf dem Martinsberg genutzt (wo einige Jahre später die heute noch existierende Renaissanceanlage entstand).
Zur politischen Untermauerung gründeten Albrecht und die Domkapitel von Magdeburg und Halberstadt mit Joachim I., Georg von Sachsen und den beiden Herzögen von Braunschweig-Wolfenbüttel den Halleschen Bund gegen den protestantischen Schmalkaldischen Bund. 1538 noch einmal erneuert, löste er sich nach dem Tod von Albrechts Bruder Joachim I. auf.

Ab 1540 veranlasste Albrecht die Überführung seiner Reliquiensammlung nach Mainz. Im Januar 1541 reiste er zum letzten Mal in sein Magdeburger Erzbistum, wo der Landtag zu Calbe tagte. In Folge der dortigen Verhandlung gestand Albrecht den Landständen die Reformation zu, indem diese seine Schulden in Höhe von 500.000 Gulden übernahmen. Im Februar 1541 wurde das Neue Stift aufgehoben. Kardinal Albrecht verließ Halle, nicht ohne alles bewegliche Kunstgut mitzunehmen. Selbst seine im Dom begonnene Grablege ließ er ausbauen. Nur ein Altar der Cranachwerkstatt in der Marktkirche blieb in Halle.

Von Aschaffenburg aus setzte Albrecht seine Bemühungen um eine Reform der Kirche fort und erarbeitete ein Synodenpapier für das geplante Konzil in Trient, das er allerdings selbst nicht mehr erlebte. Am 24. September 1545 starb Albrecht auf der Martinsburg zu Mainz. Im Hohen Dom zu Mainz wurde er beigesetzt.

Antje Löhr-Dittrich

Quellen:
Heinrich Nickel: Das Hallesche Heiltumbuch von 1520. Nachdruck…, Nachwort, Halle, 2001.
Horst Reber (Hrsg.): Albrecht von Brandenburg. Kurfürst-Erzkanzler-Kardinal.1490-1545. Mainz, 1990.
Thomas Schauerte (Hrsg.): Der Kardinal Albrecht von Brandenburg. Renaissancefürst und Mäzen. Katalog zur Ausstellung zum 1200jährigen Stadtjubiläum, Bd. 1, Halle 2006.