Justus Jonas (1493-1555)

Justus Jonas wurde am 5.6.1493 als Sohn des Ratsmeisters Jonas Koch in Nordhausen geboren. Seinen ursprünglichen Namen Jodocus (Jobst) Koch änderte er nicht zuletzt durch seinen sich entwickelnden Kontakt mit der protestantischen Theologie und den Reformatoren aus Wittenberg.

Ab 1506 studierte Justus Jonas an der Universität Erfurt wie später auch in Wittenberg Jura und wurde zum glühenden Anhänger der Ideen des Humanismus. Erasmus von Rotterdam riet ihm, sich verstärkt der Theologie zuzuwenden, und dadurch fand Jonas zur reformatorischen Bewegung Kontakt. Nach durchgestandenen Erneuerungsprozessen an der Erfurter Universität, begleitete er bereits 1521 Martin Luther zum Wormser Reichstag. Im gleichen Jahr wurde Justus Jonas zum Propst an der Wittenberger Schlosskirche berufen und gehörte von dieser Zeit zum engsten Kreis der Reformatoren.

An der Universität Wittenberg nahm Jonas besonders in kirchenrechtlichen Fragen und Auseinandersetzungen bevorzugt Stellung. Priesterehen, Zölibat, Privatmessen, Messen mit Abendmahl ‚in beiderlei Gestalt‘ (Brot und Wein) wurden disputiert. Jonas entwarf mit Johannes Bugenhagen eine evangelische Gottesdienstordnung, die nach Kontroversen ab 1525 richtungsgebend werden sollte. Die institutionelle Konsolidierung reformatorischer Theologie war das eine, aber auch Jonas‘ beratender Anteil an Luthers Bibelübersetzung gilt als bedeutend. Ebenso seine Übersetzungen der Schriften Luthers wie Melanchthons, um sie einem breiten Publikum zugänglich werden zu lassen. Erwähnenswert weiter ist Jonas‘ Mitarbeit an der Confessio Augustana, dem verfassten evangelischen Glaubensbekenntnis von 1530.

Justus Jonas war einer der ersten, der 1522 als geweihter Priester gegen das geltende Kirchenrecht heiratete. Aus der als glücklich geltenden Ehe mit Katharina von Falck gingen 13 Kinder hervor, von denen die meisten frühzeitig verstarben. Wie Luthers Katharina von Bora hatten beide freundschaftlich verbundenen Frauen beim Führen ihres Hausstandes und in der Unterstützung ihrer Männer einen großartigen Anteil. Schon in Wittenberg musste die Familie durch den Ausbruch der Pest mehrere Male fliehen. Diese prekären Verhältnisse begleiteten die Familie lebenslang, vor allem 1542 nach dem Tod seiner ersten Frau und der Heirat der jungen Hallenserin Magdalena, die ihm nochmals 3 weitere Kinder gebar.

Unter Beibehaltung seiner Wittenberger Professur folgte Justus Jonas 1541 dem Ruf des Rates der Stadt Halle, um als Prediger auf bereitetem Boden die protestantische Konfession durchzusetzen. Am 15. April 1541 hielt er seine erste Predigt in der Marienkirche. Gegen den erklärten Widerstand der ‚altgläubigen‘ Anhänger des in Halle residierenden Kardinals Albrecht teilte er zwei Wochen später, an einem Karfreitag, das Abendmahl ‚in beiderlei Gestalt‘ für alle, dem neuen Glauben Aufgeschlossenen aus. Dieses Datum gilt als Ausgangspunkt der Reformation in Halle. Zwei Jahre später erließ er eine Kirchenordnung für die Stadt und wurde zum Superintendenten ernannt. Bald waren an allen drei Stadtkirchen evangelische Prediger tätig, die Klöster wurden nach und nach aufgehoben und das Schulwesen erlangte unter Jonas‘ Führung eine Neuordnung.

Jedoch hielten die Auseinandersetzungen in unverminderter Heftigkeit an, die Vertreibung von Justus Jonas aus Halle stand mehrmals zur Debatte. Nach Verhandlungen mit dem Kurfürsten wurde sein Verbleiben in der Stadt gesichert, so dass der neue Glaube sich mehr und mehr festigen konnte. Das Beziehungsgeflecht der Reformatoren, gegenseitige Hilfen und ein füreinander Eintreten spielten dabei eine wichtige Rolle.

1546 stand Jonas auf dem Höhepunkt seines Wirkens in der Stadt Halle. Im Winter gleichen Jahres begleitete er den gesundheitlich angeschlagenen Luther nach dessen letzter Predigt in der Marienkirche nach Eisleben, wo er am 18. Februar, selbst zugegen an Luthers Sterbebett, dessen Tod feststellte. Jonas galt als Freund, Begleiter und Ratgeber Luthers. Die oft zermürbenden Kämpfe bei der Durchsetzung der Reformation haben beide zusammenwachsen lassen und nach dem Tod Luthers fühlte Jonas sich mehr und mehr vereinsamt. Hinzu kam nach der protestantischen Niederlage im Schmalkaldischen Krieg, dass er mit seiner Familie Halle verlassen musste, was seine kontinuierliche Wirksamkeit für die reformatorische Sache empfindlich einengte.

Die zwischenzeitliche Rückeroberung der Stadt Halle durch den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich gestattete Jonas 1547 an seine alte Wirkungsstätte zurückzukehren. Doch bald darauf zwang die Niederlage der evangelischen Reichsstände in der Schlacht bei Mühlberg ihn erneut zur Flucht. Die letzten Lebensjahre des Reformators waren von persönlichen und gesundheitlichen Nöten gezeichnet. Dennoch ließ er sich durch verschiedene Ämter für die reformatorische Sache in Coburg und später Regensburg nochmals in den Dienst nehmen. Wenige Tage nach Ausrufung des Augsburger Reichs- und Religionsfrieden starb Justus Jonas in Gegenwart seiner dritten Frau am 9. Oktober 1555 in Eisfeld. Als seine letzten Worte werden überliefert:

„Herr Jesu Christe, in deine Hände befehle ich mein Seelichen, du hast mich erlöset.“   

Harald Bartl

Quellen:
Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG, vierte Auflage), 2001.
I. Mager: ‚Das war viel ein andrer Mann‘, in: ‚Luther und seine Freunde‘ hg. von P.Freybe, 1998.
W. Delius: ‚Jonas, Justus‘ in Neue Deutsche Biografie (NDB), Band 10, 1974.