Christoph Wilhelm Hufeland (1762–1836)

„Es ist weit besser, Krankheiten zu verhüten, als Krankheiten zu heilen“

Am 12. August 1762 wurde Christoph Wilhelm Hufeland in Langensalza als Sohn des Leibarztes am Weimarschen Hof Johann Friedrich Hufeland und seiner Frau Dorothea Amalia, Tochter eines hohen Beamten in Weimar, geboren. Sein Studium der Medizin in Jena und Göttingen schloss er 1783 mit der Promotion zum Thema „Kraft der Elektrizität beim Scheintot“ ab. Im Anschluss übernahm er die Arztpraxis seines erblindenden Vaters in Weimar. Hufeland experimentierte mit neuartigen Heilmethoden auf natürlicher Basis um Epidemien auszulöschen und rang um die systematische Einführung von Impfungen, vor allem gegen die Pocken. Mit seiner Forderung nach vernünftiger Ernährung, Kleidung und Abhärtung von Säuglingen, mit der Darlegung von Kinderkrankheiten und der Forderung nach einer speziellen, auf die Kinder ausgerichteten Diagnostik und Therapie legte Hufeland den Grundstein zur modernen Kinderheilkunde. Aufgrund seiner Beschäftigung mit dem Thema Scheintod entwickelte er Pläne für ein Leichenschauhaus, wonach dieses 1791 in Weimar errichtet wurde, und welches als Vorbild für zahlreiche andere klinische Anstalten diente.

1792 wurde Hufeland zum ordentlichen Professor der Medizin in Jena ernannt. Hier lehrte er auf dem Gebiet der Inneren Medizin, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Frauenkrankheiten und Kinderheilkunde. Ungewöhnlich für die damalige Zeit war, dass Hufeland bei seinen Vorlesungen mit seinen Fachkollegen eng zusammenarbeitete und sie sich in fachlichen Angelegenheiten gegenseitig unterstützten.

Hufelands wichtigstes Werk „Makrobiotik oder die Kunst das Leben zu verlängern“ wurde in zahlreiche Sprachen, sogar ins Chinesische, übersetzt und hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Darin verwies er auf die Heilkräfte der Natur und propagierte eine gesunde, natürliche Lebensweise. Zu den lebensverlängernden Mitteln zählte er: Vermeidung körperlicher, geistiger und seelischer Überanstrengung, genügend Bewegung an der frischen Luft, gesundes Essen, ausreichend Schlaf, Abhärtung, größte Sauberkeit, Vermeidung von negativen Gedanken (üble Laune, Kummer, Angst, Neid, Missgunst). Hufeland erkannte aber auch, dass die Verlängerung des Lebens ein gesellschaftliches Problem darstellte. Armut, Hunger, Unsauberkeit, beengte Lebensverhältnisse, schlechte Arbeitsbedingungen begünstigten Krankheiten und die Ausbreitung von Seuchen. Seine Vorlesungsreihe über die „Makrobiotik“ hielt Hufeland in Jena oft vor bis zu 500 Zuhörern, von denen gut die Hälfte interessierte Laien waren. Damit kann man ihn den Begründer populärwissenschaftlicher Vorträge nennen, mit denen er eine breite Bevölkerungsschicht über medizinische und hygienische Fragen aufklärte.

1801 wurde er zum Königlichen Leibarzt nach Berlin berufen, hatte als Direktor des Collegium medico-chirurgicum und 1. Arzt der Charité die Oberaufsicht über die medizinischen Angelegenheiten in der preußischen Metropole. Auch hier widmete er sich der Kinderheilkunde, Armenfürsorge und der Seuchenbekämpfung.

Während der Napoleonischen Herrschaft in Preußen begleitete Hufeland die preußische Königsfamilie nach Königsberg in deren Exil. Dort bereitete er die Neuorganisation des preußischen Medizinalwesens vor sowie, gemeinsam mit den Ministern Stein, Altenstein und Wilhelm von Humboldt die Gründung der Berliner Universität. Nach seiner Rückkehr wurde er an dieser neugegründeten Universität Professor für spezielle Pathologie und Therapie und der erste Dekan der Medizinischen Fakultät. Gleichzeitig gründete Hufeland die Universitätspoliklinik, in welcher mittellose Patienten kostenfrei behandelt wurden. Zusätzlich erhielt er in dieser Zeit administrative Aufgaben: Er war leitender Beamter der Abteilung Gesundheitswesen im Innenministerium, Leiter der Medizinisch-chirurgischen Militärakademie und in der Geschäftsführung der Armendirektion tätig. In dieser Funktion veröffentlichte Hufeland seine „Armenpharmakopöe“ als Leitfaden für Ärzte, auch mittelose Patienten mit wirksamen Medikamenten preiswert zu versorgen. 1810 gründete Hufeland die Medizinisch-chirurgische Gesellschaft zur Fortbildung der Ärzte – die „Hufeland‘sche Gesellschaft“. 1829 gründete er einen Hilfsverein für notleidende Ärzte und in seinem Todesjahr 1836 den Hilfsverein für Arztwitwen, die „Hufeland’sche Stiftung“.

Nicht nur als praktischer Arzt und Medizinprofessor war Hufeland eine Berühmtheit seiner Zeit, er veröffentlichte auch zahlreiche Texte zu medizinischen Fragen. Das Verzeichnis seiner Publikationen zählt über 400 Titel. Er gründete verschiedene medizinische Zeitschriften, in denen die neuesten medizinischen Erkenntnisse diskutiert wurden. Mit herausragenden Köpfen seiner Zeit war er befreundet und in regem Gedankenaustausch. Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Herzog Carl August gehörten zu seinem Patientenkreis. In Jena traf er auf Gottlieb August Fichte, Friedrich von Hardenberg, Wilhelm von Humboldt, die Gebrüder Schelling. Auch in Hufelands Berliner Heim „Haus Friedenthal“ versammelten sich befreundete Ärzte, Dichter und Philosophen, u. a. Friedrich Schleiermacher und Ludwig Tieck, zu abendlichen Gesellschaften.

Am 25. August 1836 starb Hufeland in Berlin, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof befindet sich noch heute sein Grab.

Hufeland und Halle
Christoph Wilhelm Hufeland hat keine direkte Verbindung nach Halle. Ein Onkel väterlicherseits, Gottlieb Hufeland (1760–1817), war Professor der Rechte in Jena, Landshut und vom Sommer 1816 bis zu seinem Tod im Jahr darauf in der Saalestadt. Christoph Wilhelm Hufeland schätzte unseren halleschen Mediziner Johann Christian Reil und arbeitete in seiner Berliner Zeit bis zum Tode Reils auf verschiedenen Gebieten eng mit ihm zusammen.

Antje Löhr-Dittrich

Quellen:

  • Klaus Pfeifer: Christoph Wilhelm Hufeland. Mensch und Werk. Halle, 1968
  • Dr. Wolfgang Genschorek: Christoph Wilhelm Hufeland. Der Arzt, der das Leben verlängern half. Leipzig, 1977
  • Fritz Kühnlenz: Weimarer Porträts. Rudolstadt 1970
  • Biographie Hufelands auf der Internetseite der Humboldt-Universität Berlin: www.sammlungen.hu-berlin.de/dokumente/248/