Friedrich Hoffmann (1660 - 1742)

Friedrich Hoffmann wurde am 19. Februar 1660 in Halle an der Saale geboren. Er studierte Medizin in Jena und Erfurt. In Jena lehrte damals der berühmte Iatrochemiker Professor Wedel, der mit seiner naturwissenschaftlich geprägten Denkweise sowohl den jungen Hoffmann als auch dessen Kommilitonen und späteren Kollegen Georg Ernst Stahl stark beeinflusste. Nach der Promotion zum Dr. med. (1681 in Erfurt) und kurzer Lehrtätigkeit in Jena arbeitete Hoffmann als praktischer Arzt, Garnisonsarzt, Hofarzt und Landphysikus in Minden und Halberstadt. Zwischenzeitlich absolvierte er 1683 eine Bildungsreise nach Belgien, Holland und England, wo er Bekanntschaft mit dem irischen Naturforscher Robert Boyle schloss. 1693 wurde er auf die erste medizinische Professur der neu gegründeten Friedrichs-Universität Halle berufen.

Zusammen mit Stahl, mit dem er sich weite Bereiche der Lehrtätigkeit an der halleschen Alma Mater teilte und dem ebenfalls weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Leidener Medizinprofessor Boerhaave prägte er in entscheidenden Maße die Entwicklung der Medizin im 18. Jahrhundert. Der Einfluss, den die Philosophie der Aufklärung auf das medizinische Denken ausübte, ist auch bei Hoffmann unübersehbar. Es waren vor allem die an Leibniz und dessen Schüler Christian Wolff geschulten rationalen, von Mystik entkleideten Denkmethoden und der Rückgriff auf die Nutzung neuester naturwissenschaftlicher Erkenntnisse aus Chemie und Physik aber auch mathematische Denkformen, die starken Einfluss auf Hoffmanns systembildendes Medizinverständnis ausübten. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass sich die anfangs kollegialen, fast freundschaftlichen Beziehungen zu Stahl im Laufe der Zeit immer stärker abkühlten und in eine offene, Jahrzehnte währende Gegnerschaft umschlugen. Der Ursache hierfür lag in ihren gegensätzlichen Auffassungen die Grundlagen der medizinischen Wissenschaft betreffend. Den animistischen humoralpathologischen Auffassungen Stahls setzte Hoffmann (ein nicht weniger einseitig vereinfachendes) mechanistisch geprägtes Konzept entgegen.

Nach einem dreijährigen Intermezzo als Hofrat und Leibarzt am Hofe Friedrich I. von Preußen in Berlin quittierte Hoffmann den Dienst wohl auf Grund von Intrigen und kehrte an die hallesche Universität zurück, wo er mit einer kurzen Unterbrechung bis zu seinem Tode arbeitete.

Von Hoffmann stammen keine einzeln herausragenden medizinischen Leistungen. Vergessen  sind die meisten seiner Wundermittel, aber die Hoffmannstropfen  (das Liquor anodymus Minaralis) sind auch heute noch in mancher Hausapotheke zu finden. Sein Verdienst lag vor allem in der systematischen Gesamtdarstellung der iatromechanischen Medizin, die er zuerst in den fundamenta medicinae (1695) skizzierte und dann in seinem Hauptwerk, der Medicina rationalis systematica (1718-40), umfassend ausarbeitete. Nach Hoffmann gelten die Naturgesetze uneingeschränkt auch für den menschlichen Organismus: Der Körper ist eine hydraulische Maschine, in der Fasern durch ihre Kontraktion und Dilatation Flüssigkeitsströme antreiben. Wichtigste Bewegung ist der ständige Kreislauf des Blutes. Er bewahrt den Körper vor Verderbnis und ist mit dem Leben gleichzusetzen. Krankheiten sind demzufolge vor allem krampfartige Zusammenziehungen oder übermäßige Erschlaffung der Fasern. Bewegungsstörungen verändern Beschaffenheit und Viskosität des Blutes, führen zu Entmischungen, Verklumpungen und Gefäßverstopfungen. Die Therapie muss die natürlichen Bewegungen wiederherstellen. Durch seine Darstellungen versuchte Hoffmann sämtliche Phänomene der Medizin durchgängig mittels mechanischer Prinzipien zu deuten. Damit bahnte er den Übergang von der primär philosophisch geprägten zur naturwissenschaftlich fundierten Medizin.

Durch sein Wirken entwickelte sich die hiesige Medizinische Fakultät zur führenden Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Mitgliedschaften in mehreren Akademien - der Royal Society of London, der russischen Akademie der Wissenschaften, der Berliner Akademie der Wissenschaften, seit 1696 auch der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina - zeugen von internationaler Anerkennung. Hoffmann war achtundvierzig mal Dekan der medizinischen und fünfmal Dekan der philosophischen Fakultät sowie fünfmal Prorektor der Universität.

Friedrich Hoffmann starb am 12. November1742 und wurde auf dem Stadtgottesacker in Halle (Bogen 47) beerdigt
 



Quellen:
Mayer-Steineg, Th. / Sudhoff, K.: Illustrierte Geschichte der Medizin, München 2006
Pantenius, Michael: Gelehrte, Weltanschauer, auch Poeten, Halle 2006