Hermann Rudolf Heidel (1811-1865)


Am 20. Februar 1811 wurde Hermann Rudolf Heidel als Sohn eines Maschinenbauers und Teilhabers einer Baumwollspinnerei in Bonn geboren. Nach einem dreijährigen Studium der Medizin begann Heidel seine künstlerische Laufbahn erst 1835. Er studierte Bildhauerei an der Akademie der Künste in München und im Atelier Ludwig Michael von Schwanthalers (1802-1848). Über drei Jahre vertiefte er seine Studien in Rom, dabei lernte er u. a. den Wiener Maler Karl Rahl (1812-1865) und den dänischen Bildhauer Bertel Thorwaldsen (1770-1844) kennen. Über Neapel, Livorno, Florenz, Bologna, Venedig kehrte Heidel 1843 nach München zurück. Nach kurzem Aufenthalt in Bonn arbeitete er von 1844 bis zu seinem frühen Tod am 29. September 1865 in Berlin.

Wie bereits während seines Studiums in München und Rom ging Heidel auch in Berlin seine eigenen Wege, er war nicht Teil der prominenten Künstlerschule um Christian Daniel Rauch, eher ihr Kritiker. Vielmehr pflegte er Freundschaft und Umgang v. a. mit liberalen Politikern und Journalisten, mit Schriftstellern, Musikern, Wissenschaftlern und Gelehrten des damaligen Berlin. In seinen Werken verarbeitete er Motive aus der griechischen Mythologie nach Hesiod, Homer, Ovid und Sophokles sowie der klassischen deutschen Literatur von Goethe und Schiller.

Zum geringen Bekanntheitsgrad des Künstlers hat vor allem der Umstand geführt, dass der persönliche und künstlerische Nachlass Hermann Heidels zum großen Teil verschollen oder zerstört ist. Zu seinen Hauptwerken zählen

  • ein Supraporten-Relief Luther die Thesen anschlagend im Martinsstift zu Erfurt (1846, zerstört),
  • eine Marmorstatue der Iphigenie (1852, Orangerie Potsdam, verschollen) nach acht Umrissen zu Goethes Iphigenie auf Tauris (von Hermann Sagert in Kupfer gestochen, 1850 veröffentlicht),
  • eine Ödipus-und-Antigone-Gruppe (1854, verschollen)
  • je vier Büsten und Porträtmedaillons berühmter Naturforscher für die Fassade des mineralogischen Museums der Universität Kiel (1855-57, nur die Medaillons erhalten),
  • ein Terrakottarelief Überfall in Wildbad, nach Ludwig Uhlands Ballade „Graf Eberhard der Rauschebart“ in der Trinkhalle von Bad Wildbad (1859, hierfür erhielt Heidel die Große Goldmedaille für Kunst und Wissenschaft des württembergischen Königs)

Zu Heidels Repertoire gehörten Bauplastiken für königliche Bauten in Berlin und Grabmäler. Außerdem fertigte er Entwürfe zu kunstgewerblichen Gegenständen (Trinkgefäße und Vasen, lithographische Licht- und Lampenschirme), zeichnete Karikaturen, arbeitete als Kunstrezensent und an einer Künstler-Anatomie (ab 1856).

Heidels wichtigstes Werk, sein einziger Denkmalsauftrag, ist das bronzene Händel-Standbild auf dem Marktplatz zu Halle, das 1859 zu Ehren des berühmten Barockkomponisten Georg Friedrich Händel anlässlich seines 100. Todestages errichtet wurde. Vermutlich erhielt Heidel den Auftrag für das Denkmal über den befreundeten Unternehmer Adelbert Delbrück (1822-1890). Heidels Modell fand in Halle die Zustimmung des für die Planung und Finanzierung 1855 ins Leben gerufenen Denkmal-Komitees. Spenden wurden u. a. durch Konzerte in ganz Deutschland eingeworben. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. und das englische Königshaus konnten auch mit Hilfe befürwortender Briefe des Bildhauers als Schirmherren gewonnen werden. Am 1. Juli 1859 wurde das Händel-Denkmal feierlich enthüllt. Es zeigt den Komponisten in zeitgenössischem Gewand auf dem Höhepunkt seines Schaffens, aufgestützt auf ein Notenpult mit den Noten seines bekanntesten Oratoriums „Messias“ (1741). Allegorische Figuren der Musik am Notenpult unterstreichen die Erhabenheit der Figur. Für seinen Einsatz um das Gelingen des halleschen Denkmalprojektes wurde Hermann Heidel die Ehrenbürgerschaft der Stadt Halle verliehen.


Quellen:
De Gruyter. Allgemeines Künstler-Lexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Bd. 71. Berlin/Boston: Walter de Gruyter GmbH, 2011, S.115-116.
Gerhard Rupp: "Das Händel-Denkmal in Halle von Hermann Heidel. Eine Betrachtung unter dem Blickwinkel neuer Quellen." In: Ralf Jacob/Verein für hallische Stadtgeschichte (Hrsg.): Jahrbuch für hallische Stadtgeschichte 2008, S. 61-96.