Friedrich von Hardenberg gen. Novalis (1772-1801)


Der Dichtermontanist und die Blaue Blume

Friedrich von Hardenberg, unter dem Namen „Novalis“ als Dichter der Frühromantik berühmt, wurde am 2. Mai 1772 in Oberwiederstedt in eine adelige Familie ohne großen finanziellen Hintergrund hineingeboren. Als er am 25. März 1801 in Weißenfels starb, hatte er die so kurze Spanne seines Lebens ausgefüllt mit dem Schreiben unvergänglicher Dichtung einerseits, aber auch mit enormer Tätigkeit im praktischen Leben. Nach dem Jurastudium auf Wunsch des Vaters (der war 1785 von Oberwiederstedt aus Salinedirektor mit Sitz in Weißenfels geworden) arbeitete Novalis ab 1794 als Actuarius (Gerichtsschreiber). Die entscheidenden drei Jahre seines Lebens begannen 1796: Nach einer Verpflichtung bei den Salinen ging er Ende 1797 (im Frühjahr dieses Jahres Tod seiner Verlobten Sophie von Kühn) nach Freiberg an die Bergakademie und öffnete sich bis Frühsommer 1799 eine neue Welt. Die Bergakademie war eine renommierte Einrichtung mit exzellenten Wissenschaftlern. Die sog. Geognosie bildete ein Schlüsselfach, wir würden heute dazu sagen „Erderkenntnis“, zwischen Geografie, Geologie und Mineralogie angesiedelt. Für Novalis beginnt in dieser Zeit zugleich das Studium mit „hermetischen“ Schriften, das sind Weltdeutungen, teils aus der Antike überliefert, die eine Art Geheimwissen darstellen. Folgerichtig erwachsen aus den neuen Erkenntnissen des jungen Mannes die Kapitel zum Roman „Die Lehrlinge von Sais“ (Fragment).

Auch der Roman „Heinrich von Ofterdingen“ (Fragment) hat hier seinen Ausgangspunkt. Und in ihm wächst die legendäre „Blaue Blume“. Diejenige, die mit Novalis assoziiert ist, hat sich zum leitenden Sinnbild romantischer Poesie entwickelt. Und so blüht sie auch heute noch. Der erste „Rezipient“ war Joseph von Eichendorff, schon 1818.

Wo fand Novalis denn die vielsagende Blaue Blume? Nun, in einer offenen Schlucht in der Tiefe eines Gebirges, im nächtlichen Traum, niedergeschrieben im Roman „Heinrich von Ofterdingen“. Dieser Roman ist das Behältnis zur legendären Blume, durch ihn bekam sie ihren Zauber. Entzaubern dagegen muss man den Titel des Romans, der eigentlich, wie jetzt Manuskriptfunde aus London beweisen, „Heinrich von Afterdingen“ heißen sollte. Da er aber postum erschien, betitelte ihn der Freund und Herausgeber Ludwig Tieck ein wenig anders.

Das einzige fertige Werk, das zu seinen Lebzeiten erschien, sind die berühmten „Hymnen an die Nacht“. In ihnen kommt auch die religiöse Dimension seiner Dichtung zum Ausdruck, die sich explizit in seinen „Geistlichen Liedern“ findet.
Friedrich von Hardenberg gilt, allen Klischees zum Trotz, als einer der fleißigsten Romantiker. Seinem Brotberuf, den er ab 1800 als Assessor der kursächsischen Salinedirektion in Weißenfels ausübte, gab er sich leidenschaftlich hin, so z.B. auf einer Forschungsreise zur Geologischen Landesuntersuchung Sachsens. Im Anschluss an diese Strapazen brach auch seine todbringende Lungentuberkulose aus. Das unermüdliche Arbeiten hat sich auch in der Wahl seines Künstlernamens niedergeschlagen. Der Name „Novalis“, von ihm selbst gewählt (1798), war ein alter Geschlechtername der Familie, nämlich „de Novali“ (von Rode), aber auch „Magna Novalis“ (Großrode). Es steckt also „Neuland erschließen“ darin. Dies sind die Namen der frühesten Vorfahren (um 1190) der Hardenbergs. Friedrich von Hardenberg selbst hat das Pseudonym bewusst gewählt und er fand es „nicht ganz unpassend“.

Dass er seinen Blick aus den Schluchten der Gebirge über die Blaue Blume hinweg bis zum Thema „Das Christentum oder Europa“ erweitern konnte, ist nicht von allen Lesern geschätzt worden. Novalis wollte eine „Es war einmal“-Utopie entwerfen, gegründet auf den Säulen Athen-Rom-Jerusalem. Es war die Sehnsucht nach einem Vereinten Europa angesichts der damaligen Kleinstaaterei, die ihn zu seinem geschichtsgeladenen Essay veranlasste (1799).

Die Beziehung zu HALLE

Friedrich von Hardenberg war vermutlich nur ein einziges Mal in Halle (geschildert von Ludwig Tieck, der ihn von Jena zu den Reichardts mitnahm). Man kann vermuten, dass in diesem Zusammenhang das berühmte und auch einzige Porträt (eventuell nur in Vorstufen) entstanden ist. Es stammt von Franz Gareis, einem sächsischen Kunstmaler, der mit Luise Reichardt liiert war, Tochter des Kapellmeisters und selber Komponistin. Das Porträt hat unser aller optisches Bild des Novalis geprägt. Das literarische schuf er selber.

Ingeborg von Lips