Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)


Rund um den Erdball, auf der ganzen Welt kennt man den Namen „Goethe“, des deutschen Dichters der sogenannten Klassik. Natürlich nicht deswegen, weil seine Gedichte, Dramen, Romane in aller Munde sind – sondern weil es die Goethe-Institute gibt. Lehreinrichtungen zum Vermitteln von deutscher Sprache und Kultur. Diese Goethe-Institute, die sich seit den 50er Jahren weltweit großen Zuspruchs erfreuen, sind nicht von ungefähr nach dem deutschen Klassiker benannt.

Man drückt mit der Benennung die enorme Vielfalt seiner Begabung, seiner Tätigkeiten aus: Er war eben auch ein studierter Jurist, ein lebenslanger Naturforscher, ein Philologe, ganz bestimmt auch ein Religionenkenner. Ohne seine Liebe zum persischen Dichter Hafis und seine Kenntnisse des Islam ist eine Dichtung wie der berühmte „West-östliche Diwan“ gar nicht möglich gewesen. Hierbei handelt es sich übrigens um eine kunstvolle Anordnung streng gebauter Gedichte, die er in späten Lebensjahren verfasste.
Goethe erreichte ein hohes Alter – trotz lebenslanger körperlicher Beschwerden der mannigfaltigsten Art. Übrigens auch den Hallenser Universalarzt Reil konsultierte er mehrmals. Er starb 1832 in Weimar und hatte ein paar Jahre zuvor noch einmal seine Geburtsstadt Frankfurt am Main besucht. Da lebte niemand mehr von seiner Familie, alle Geschwister waren vor ihm gestorben, dann der Vater und zuletzt die berühmte „Frau Aja“, seine Mutter. Sein Großvater (väterlicherseits) stammte aus Artern, also nicht weit von hier. Ehrgeizig und begabt als Schneider wanderte er nach Frankreich aus, bildete sich fort und ließ sich dann in der bekannten Messestadt Frankfurt nieder. Er heiratete zudem in vermögende Verhältnisse.

Sein Sohn, also Goethes Vater, genoss bereits eine hervorragende Ausbildung samt Bildungsreise nach Italien – und heiratete schließlich Katharina Elisabeth Textor, Tochter einer hochangesehenen Familie. Die Familien gehörten dem selbstbewussten Bürgertum an. Und als 1775 der junge Herzog von Weimar den inzwischen berühmt gewordenen Jungdichter aus Frankfurt an seinen Hof holte, gab es Unwillen und Unverständnis bei den Frankfurtern. Die ministeriale Tätigkeit Goethes erstreckte sich über viele Jahrzehnte in verschiedene Bereiche. Dabei spielt anfangs das Theater eine Schlüsselrolle. Und damit sind wir schon ganz nahe an Halle. Schon 1797 kam es zur Vorbereitung des Theaterbaus in Lauchstädt. Das Theater wurde am 26.6.1802 eröffnet (mit Mozarts Oper Titus und eigens gedichtetem Vorspiel von Goethe).

Halle wurde Besuchsort für Goethe von Lauchstädt aus und auch von dem damaligen Dorf Giebichenstein her, wo sich Kapellmeister und Komponist Johann Friedrich Reichardt eine besondere Kunstoase geschaffen hatte. In Halle verkehrte Goethe gesellig und wissenschaftlich mit Professoren (F.A. Wolf, Klassische Philologie, A.H. Niemeyer, Theologie, J.C. Reil, Medizin). Die Aufenthalte in Giebichenstein bei Reichardt und der großen Familie waren auf die musikalische Dimension der Goetheschen Lyrik gerichtet. Aber auch von Giebichenstein aus war das Universitätsleben von Halle ein Anziehungspunkt für Goethe, so z.B. die Vorträge von Henrik Steffens und F.J. Gall (Phrenologie). Es war die Mischung des größeren Anteils Naturforschung und Philologie mit dem kleineren, Schwerpunkt Theatergründung (auch das durch Reil geschaffene Hallesche Theater), das die alte Salz- und Universitätsstadt für Goethe so interessant machte.
Ingeborg von Lips