August Graf Neidhardt von Gneisenau (1760-1831)

 

Geboren als August Wilhelm Antonius Neidhardt, Sohn eines sächsischen Artillerieleutnants. Kinderjahre in Schildau. Nach dem frühen Tod der Mutter war er bei Pflegeeltern in Schildau, bis ihn der Großvater mütterlicherseits nach Würzburg auf eine Jesuitenschule schickte. 1777 Immatrikulation an der Universität Erfurt als stud. phil. Bereits nach einem Jahr brach er sein Studium auch aus finanziellen Gründen ab – er hatte sein großväterliches Erbe durch einen recht lockeren Lebenswandel fast durchgebracht – und trat als Kadett in ein österreichisches Husarenregiment.

1780 Angehöriger eines Jägerbataillons des Markgrafen von Ansbach-Bayreuth. Er nannte sich von nun an Neidhardt von Gneisenau (Gneisenau war ein im Familienbesitz befindliches Schloss bei Eferding in Österreich). 1782 wurde er zum Leutnant ernannt und mit seinem an Großbritannien vermieteten Bataillon nach Amerika zur Teilnahme am Unabhängigkeitskrieg verschifft. An Kampfhandlungen nahm er nicht teil, da zu diesem Zeitpunkt der Krieg schon fast beendet war.

Nach seiner Rückkehr verließ er 1786 seinen Dienst beim Markgrafen und trat in preußische Dienste, zunächst bei der Königlichen Suite, einem Vorläufer des Generalstabes, und noch im gleichen Jahr als frisch beförderter Premierleutnant in der Garnison Löwenberg/Schlesien. In dieser Zeit widmete sich Gneisenau politischen, militärischen und Sprachstudien. 1790 erfolgte seine Beförderung zum Stabskapitän. 1793 nimmt sein Bataillon an der zweiten Polnischen Teilung zusammen mit russischen Truppen teil, ohne jedoch in Kampfhandlungen verwickelt zu werden. 1795 wird er zum Hauptmann befördert. Im Jahr darauf heiratet er Caroline von Kottwitz, mit der er sieben Kinder haben wird. In den Folgejahren beschäftigt er sich neben seinem Militärdienst mit Landwirtschaftsfragen, da die Familie ein Gut betreibt und mit Studien zum Militärwesen, den einzelnen Waffengattungen, strategischen und taktischen Studien sowie zur Militärgeografie.

1806 nimmt Gneisenau an den Kämpfen gegen Napoleon bei Saalfeld und bei Jena und Auerstedt teil. Er wird dabei verwundet, kann sich aber mit Teilen der preußischen Armee nach Graudenz zurückziehen. Er wird noch im gleichen Jahr zum Major befördert und vom preußischen König 1807 als Kommandant in die von Napoleon belagerte Festung Kolberg in Pommern entsandt. Dort organisiert er, tatkräftig unterstützt vom dortigen Bürgermeister Nettelbeck, erfolgreich die Verteidigung. Der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Preußen beendete den Kampf um Stolberg. Gneisenau wird zum Oberstleutnant befördert, mit dem Orden „Pour le Merite“ ausgezeichnet und von Scharnhorst in die Militärreorganisationskommission(MRK) berufen. Er beschäftigt sich mit den Gründen der Niederlage gegen Frankreich, fordert in einer Denkschrift die Volksbewaffnung und wird 1808 zum Chef des Ingenieurkorps berufen. 1809 tritt er in das Kriegsministerium ein und wird zum Oberst befördert. Noch im gleichen Jahr quittiert er seinen Dienst und unternimmt eine inoffizielle Reise nach England, um dessen Unterstützung eines norddeutschen Volksaufstandes zu sondieren, leider ohne Erfolg. Weitere Reisen im Jahre 1810 in gleicher Mission nach Schweden, Finnland und Russland sind ebenfalls nicht erfolgreich. 1811 wird er in den Staatsrat berufen.
Im gleichen Jahr erarbeitet er mit weiteren Reformern, u.a. Scharnhorst und Clausewitz, einen Plan zur Vorbereitung eines Volksaufstandes,  für den auch Staatskanzler von Hardenberg gewonnen werden konnte und den dieser Friedrich Wilhelm III. übergab. Der König lehnte diesen Plan jedoch strikt ab.

Auf Grund des Bündnisses zwischen Frankreich und Preußen im Jahre 1812, wurde Gneisenau als Staatsrat entlassen und aus der Armee entfernt. Er verließ Preußen für weitere (geheime) diplomatische Reisen nach Österreich, Russland, Schweden und England. Seine Gespräche um Unterstützung einer Erhebung führten zu keinerlei Zusagen. Nach der Konvention von Tauroggen am 11. 3. 1813 wurde Gneisenau erneut in das preußische Heer eingestellt, nunmehr als Generalmajor und als zweiter Generalquartiermeister in die Schlesische Armee unter Blücher versetzt. Gneisenau wird in dieser Zeit in enger Folge Generalgouverneur von Schlesien, erster Generalquartiermeister der Armee und nach dem Tode Scharnhorsts Blüchers Generalstabschef. Er nimmt an der Völkerschlacht bei Leipzig teil und zum Generalleutnant befördert. 1814 wird Gneisenau in den Grafenstand erhoben und erhält vom preußischen König das Gut Sommerschenburg im heutigen Sachsen-Anhalt (Bördekreis) geschenkt.

Die Rückkehr Napoleons im Jahre 1815 mobilisierte die Alliierten zu einer gemeinsamen Anstrengung für dessen endgültige Niederlage. Gneisenau, weiterhin Generalstabschef von Blüchers Armee, plante mit diesem diesen Feldzug, der schließlich mit der Schlacht bei Waterloo zum endgültigen Sieg über Napoleon führte. Gneisenau wurde zum Generalleutnant befördert und übernahm das Generalkommando am Rhein. 1816 nahm er aus gesundheitlichen und politischen – seit seinen Vorschlägen zu einer Volksbewaffnung galt er den konservativ-reaktionären Kreisen am Hofe als „Jakobiner“, zudem hielt er Kontakte zu fortschrittlich-liberalen Intellektuellen – seinen Abschied und zog sich auf sein Gut in Erdmannsdorf in Schlesien zurück. Er nahm in den Folgejahren noch einige führende Positionen wahr, die jedoch im Wesentlichen repräsentativen Charakter trugen. 1825, 10 Jahre nach der Schlacht von Waterloo, wurde Gneisenau zum Generalfeldmarschall ernannt.

1831 erhielt Gneisenau den Oberbefehl der vier östlichen Armeekorps an der Grenze zu Russisch-Polen. In diesem Gebiet war ein Aufstand gegen die russische Besatzung ausgebrochen. Preußen als Bündnispartner Russlands war zu militärischer Unterstützung bereit, auf die der russische Zar Nikolaus I. jedoch verzichtete. An der aus Russland eingeschleppten Cholera infizierte sich Gneisenau und starb daran am 23. August 1831 in Posen. Seine letzte Ruhe fand er in einem Mausoleum auf Gut Sommerschenburg.

Gneisenau war gemeinsam mit Scharnhorst einer der führenden Reformer des preußischen Militärwesens. Die Reorganisation des Heeres, die Ausarbeitung eines neuen Exerzierreglementes, die Abschaffung der Prügelstrafe beim Militär und des Zwangs zum Tragen eines Zopfes, Gedanken und Forderungen zu einer engen Verbindung zwischen Volk und Armee, all dies trug deutlich die Handschrift Gneisenaus. Die Universität Berlin ehrte ihn 1814 mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde.



Quellen:

rbb Preußen-Chronik/August Graf Neidhardt von Gneisenau (www.300-jahre.preussen.de)
www.gneisenau.de