Johann Jacob Froberger


Am 19. Mai 1616 wurde Johann Jacob Froberger als neuntes von elf Kindern des aus Halle stammenden Kapellmeisters Basilius Froberger und seiner Frau Anna, geb. Schmid, in Stuttgart getauft. Den ersten musikalischen Unterricht erhielt er bei seinem Vater, der als Tenorist an der Stuttgarter Hofkapelle des Herzogs Friedrich angestellt war und diese ab 1620 leitete.

Um 1630 ging Froberger nach Wien, wo er von Januar bis September 1637 als 3. Organist am kaiserlichen Hof Ferdinands III. mit einem monatlichen Gehalt von 24 Gulden angestellt war. Im Oktober 1637 brach er mit einem kaiserlichen Stipendium von 200 Gulden nach Rom auf, um für die nächsten drei Jahre seine Ausbildung bei Girolamo Frescobaldi (1583–1643), berühmter Organist am Petersdom, fortzusetzen.

Von April 1641 bis Oktober 1645 erscheint Frobergers Name wieder in den Wiener Rechnungsbüchern, diesmal mit einem Gehalt von 60 Gulden. Als kaiserlicher Organist hatte er für die musikalische Unterhaltung des Kaisers zu sorgen, Fest- und Tafelmusiken aufzuführen sowie Kammermusiken für die Hofgesellschaft durchzuführen.

Ende 1645 ging er erneut nach Rom, ließ sich dort in die Geheimnisse von Athanasius Kirchers (1602–1680) Komponiermaschine einweihen und gab diese an die Fürsten von Florenz und Mantua sowie an den Kaiser in Wien weiter. Er reiste zum kurfürstlichen Hof in Dresden, wo er 1647 mit dem Schützschüler Matthias Weckmann (1616–1674) zusammentraf. Zwischen 1650 und 1652 weilte er in Paris und Brüssel, wo er im Dienste des Erzherzogs Leopold Wilhelm, Generalgouverneur der spanischen Niederlande, stand. Froberger scheint in dieser Zeit ein „reges gesellschaftliches Leben voller schöpferischer Impulse im Austausch mit seinen Kollegen“ (B. v. Asperen) geführt zu haben. So entstand in Paris die Allemande der Suite XIII (Froberger-Werkverzeichnis) mit der Notiz „faite pour remercier Monsieur le Marquis de Termes des faveurs et bien faits de luy receüs â Paris“ (gefertigt als Dank an Herrn Marquis de Termes für die Gunstbezeigungen von ihm erhalten in Paris). Höchstwahrscheinlich verkehrte er mit den Pariser Hofkomponisten, unter ihnen Louis Couperin (1626–1661), Organist und Violinist im Kammermusikensemble Ludwigs XIV. In London komponierte er das Klagelied, die wie folgt überschrieben ist: „Plaincte faite à Londres pour passer la Melancolie la quelle se joüe lentement et à discretion“ (Klage, welche langsam und besonnen gespielt wird, gefertigt in London um die Melancholie zu vertreiben).

Von April 1653 bis Juni 1657 war er wieder als Organist am Kaiserhof angestellt. Wahrscheinlich kehrte Froberger im Sommer 1658, nachdem er aus den kaiserlichen Diensten entlassen worden war, als freischaffender Virtuose nach Paris zurück. Die Überschrift zu seiner Suite XX besagt: „Meditation faite sur ma mort future, la quelle se joüe lentement avec Discretion â Paris le 1 May Anno 1660.s.“ (Meditation gefertigt über meinen zukünftigen Tod, welche langsam mit Besonnenheit gespielt wird, in Paris am 1. Mai 1660). 1662 reiste er noch einmal nach England, wo er als großer Organist gefeiert wurde.

Die letzten Lebensjahre verbrachte Froberger als Gast auf dem Witwensitz der Herzogin Sybilla von Württemberg, deren Musiklehrer er war. Er hatte noch vor, wieder nach Wien zurückzukehren, starb aber an einem Schlaganfall am 7. Mai 1667 und wurde in der Kirche in Banviller begraben.

Froberger hat fast ausschließlich Orgel- und Klavierwerke geschaffen, von denen er keines zu seinen Lebzeiten hat drucken lassen. Handschriftliche Schmuckausgaben hat er seinen kaiserlichen Arbeitgebern gewidmet. Erste Veröffentlichungen der Werke gab es erst dreißig Jahre nach seinem Tod. Über die Jahre sind nach und nach Noten aufgetaucht, die ihm zugeschrieben werden. Im Brockhaus von 2006 waren es 25 Toccaten, 18 Capriccios, 14 Ricercari, 8 Fantasien, 6 Kanzonen (die den italienischen Einfluss seines Lehrers Frescobaldi zeigen) und 30 Suiten (eher in der französischen Tradition komponiert).

Johann Jacob Froberger gilt als einer der bedeutendsten Komponisten für Tasteninstrumente im 17. Jahrhundert im süddeutsch-österreichischen Raum.

Antje Löhr-Dittrich

Quellen:
Stadtarchiv Halle, FA 2931 Froberger, Johann Jacob.
Seidler, Kurt: Untersuchungen über Biographie und Klavierstil Johann Jacob Frobergers, 1930.
Seifert, Herbert: Artikel im Österreichischen Musiklexikon, 2013 (http://www.musiklexikon.ac.at/ml?frames=yes)
Bob van Asperen: Neue Erkenntnisse über die „Allemande, faite en passant le Rhin“, in Frobergeriana. Sonderdruck CONCERTO – Das Magazin für Alte Musik, Heft Nr. 191/192 (März/April 2004): www.concerto-verlag.de/projekte/BvA.pdf
Kahl, Willi, „Froberger, Johann Jakob“, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 642 f. [Onlinefassung]; URL: www.deutsche-biographie.de/pnd118536249.html