Karl Wilhelm Georg Freiherr von Fritsch (1838-1906)

 

Fritsch entstammt einer Familie sächsischer Staatsmänner. Er besuchte zunächst die von Fröbel gegründete Erziehungsanstalt in Keilhau b. Rudolstadt ehe er 1854 in seiner Geburtsstadt das Gymnasium besuchte und dort im Jahre 1854 das Abitur ablegte. Einem väterlichen Wunsche folgend absolvierte er zunächst eine forstwirtschaftliche Lehre und studierte dann an der Forstakademie Eisenach. Seinem Interesse an der Geologie folgend begann er jedoch bereits im Jahre 1860 an der Universität Göttingen das Studium der Naturwissenschaften, speziell der Mineralogie und Geologie. Dort promovierte er sich 1862 zum Dr. phil. mit einer Arbeit „Über die Mitwirkung der elektrischen Ströme bei der Bildung von Mineralien“. Danach unternahm er ausgedehnte Studienreisen nach Madeira und die Kanarischen Inseln. Nach seiner Rückkehr habilitierte sich Fritsch 1863 am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Er verblieb an dieser späteren Eidgenössischen Technischen Hochschule als Dozent für Geologie und sammelte Erfahrungen bei der geologischen Erkundung des Gotthardmassivs, die in eine exakte geologische Karte dieses Gebirgsmassiv mündeten. Seine geologischen Arbeiten waren Grundlage für die spätere Durchbohrung dieses Gebirges.

1867 wechselte Fritsch an die Seckenbergische Naturforschende Gesellschaft nach Frankfurt/M. als Geologe und Mineraloge. 1873 ernannte ihn das preußische Innenministerium zum außerordentlichen Professor für Geologie an der Universität Halle. Bereits 1975 wurde er auf Vorschlag der Fakultät zu deren Ordinarius. Sein wissenschaftlicher Weg führte von der Mineralogie über die Geologie zur Paläontologie. Da Fritsch in Halle eine sehr umfangreiche Sammlung fossiler Pflanzen vorfand, beschäftigte er sich verstärkt mit phytopaläontologischen Forschungen. Praxisorientierte Untersuchungen zu den Steinkohlenlagerstätten im Saaletal und zu Salzlagerstätten westlich von Halle runden seine wissenschaftlichen Arbeiten ab. 1888 veröffentlichte Fritsch eine „Allgemeine Geologie“, die über Jahre als Lehrbuch angewandt wurde. 1905 ließ er sich wegen eines Schlaganfalls von seinen Vorlesungspflichten entbinden.

Fritsch wurde 1877 Mitglied der Leopoldina und in der Nachfolge von Hermann Knoblauch im Jahre 1895 zu deren Präsidenten gewählt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tode am 9.Januar 1906 aus. Fritsch setzte während seiner Amtszeit als Präsident den von seinem Vorgänger Knoblauch geplanten Neubau der Bibliothek der Leopoldina durch.


Quellen:
Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, Archiv, Matrikel-Nr. 2185
www.catalogus-professorum-halensis.de