Lion Feuchtwanger (1884 – 1958)


In der Aufnahme und Anerkennung seines Werkes in den beiden deutschen Staaten spiegelt sich die politische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Das gilt für die vorbereitenden Jahre bis zu seinem Ruhm und später besonders für die Jahrzehnte der deutschen Teilung.
Nach 1945 – Feuchtwanger lebte seit 1933 im amerikanischen Exil – erhielt sein Werk große Anerkennung in der DDR, in der BRD war er zunächst fast ganz vergessen. Erst seit den 70/80er Jahren kam seine Bedeutung allgemein wieder ans Licht.
 
Das Verdienst, das ihm heutzutage durchgehend zugesprochen wird, liegt in der gekonnten Aktualisierung des „historischen Romans“, wobei Feuchtwanger Stoffe aus dem jüdischen Geschichtsbereich bevorzugte. Das liegt an seiner Herkunft. Lion Feuchtwanger wurde am 7. Juli 1884 in München (als erstes Kind) in eine streng gläubige, wohlhabende jüdische Familie geboren. Schon seit Jahrhunderten lebten seine Vorfahren im fränkischen Raum („Feuchtwangen“). Die Fabrikantentätigkeit des Vaters legte als Wirkungsort München fest. Das war besonders für die neun Kinder eine große Bildungschance – die meisten besuchten Gymnasium und Universität, natürlich aufgewachsen mit mosaischer Unterweisung.
 
Lion Feuchtwanger beschloss sein Studium mit einer Doktorarbeit über Heinrich Heine. In München lernte er u.a. Bertolt Brecht kennen und schätzen. Ein gegenseitiges künstlerisches Beeinflussen lässt sich nachweisen. 1925 übersiedelte er zusammen mit seiner Frau Marta nach Berlin (Heirat 1912). Feuchtwanger entwickelte sich von den frühen anfänglichen Bühnenstücken zu seinem eigentlichen Schwerpunkt: dem historischen Roman.
Titel wie „Jud Süß“, „Die häßliche Herzogin Margarete Maultasch“, die Josephus-Trilogie („Der jüdische Krieg“/“Die Söhne“/“Der Tag wird kommen“) sind in die Weltliteratur eingegangen.

Von einer Vortragsreise im Ausland im Januar 1933 kehrte Feuchtwanger nicht zurück. Er fand Zuflucht in Sanary-sur-Mer im Süden Frankreichs, Zentrum des deutschsprachigen Exils. Nach einer kurzen Internierung konnte er mit seiner Frau nach Amerika flüchten, wo er in Kalifornien ein neues Zuhause fand. Sein prachtvolles Anwesen („Pacific Palisades“) wurde zum geselligen Anziehungspunkt vieler deutscher Exilanten.

Feuchtwangers Bruder Martin hat erfolgreich in Halle (Saale) deutschlandweit als Verleger gearbeitet, zusammen mit der Schwester Bella (Stolperstein Halle, Geiststraße 1). Für Martin gibt es am Iduna-Haus inzwischen eine Gedenktafel.
 
Lion Feuchtwanger erhielt 1953 den „Nationalpreis 1. Klasse für Kunst und Literatur“ der DDR. In München verlieh man ihm 1957 den „Kultur- und Literaturpreis“ der Stadt.
 
1957 erkrankte Lion Feuchtwanger an Magenkrebs. Er verstarb am 21. Dezember 1958 und wurde auf dem Woodlawn Cemetery in Santa Monica begraben.