Albrecht Dürer (1471–1528)


Am 21. Mai 1471 wurde Albrecht Dürer als drittes Kind des Goldschmieds Albrecht Dürer d. Ä. und seiner Ehefrau Barbara, geb. Holper, in Nürnberg geboren. Nach dem Besuch der Lateinschule trat er 1483/84 in die väterliche Goldschmiedewerkstatt ein, wechselte aber zwei Jahre später in die Werkstatt des Nürnberger Malers Michael Wolgemut. Drei Jahre später hatte er seine Malerlehre beendet und begab sich am 11. April 1490 auf Wanderschaft. Die Reise führte ihn zunächst nach Colmar, wo er Martin Schongauer treffen wollte, der jedoch bereits verstorben war. Von dort ging er nach Basel, wo Holzschnittarbeiten entstanden, und weiter nach Straßburg, wo er u. a. an der „Schedelschen Weltchronik“ mitwirkte. Im Mai 1494 kehrte er nach Nürnberg zurück und heiratete am 7. Juli Agnes Frey, die Tochter eines Kupferschmiedes und wohlhabenden Nürnberger Bürgers. Im Herbst desselben Jahres führte ihn seine erste Italienreise über Südtirol nach Venedig. Die italienische Renaissance fesselte ihn, die Gebirgslandschaften hielt Dürer in einer Reihe von Aquarellen fest. In Pavia machte Dürers langjähriger Freund, der Jurist Willibald Pirckheimer ihn mit italienischen Humanisten bekannt.

Zurück in Nürnberg eröffnete Dürer seine eigene Werkstatt, neben Holzschnitten entstanden erste Kupferstiche. Dürer erhielt Gemäldeaufträge von Bürgern und Adligen, so auch vom sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen, dem Albrecht Dürer 1496 begegnete. Im darauf folgenden Jahr schloss Dürer Verträge mit Grafik-Kommissionären ab zum Vertrieb seiner Arbeiten, aber auch seine Frau Agnes und die Mutter verkauften Dürers mit dem AD-Monogramm versehene Werke auf Märkten. Seinen internationalen Ruhm begründete der Künstler mit der Herausgabe der „Apokalypse“ – 15 Holzschnitte zur Offenbarung des Johannes. Besonders intensiv beschäftigten ihn Fragen der Perspektive, der menschlichen Proportionen, die Darstellung von Charakteren und Physiognomien. Vorarbeiten für entsprechende Lehrbücher entstanden.

Als im Spätsommer 1505 erneut die Pest ausbrach, reiste Dürer zum zweiten Mal nach Venedig (wahrscheinlich über Klagenfurt), wo er Giovanni Bellini traf. Von da aus unternahm Dürer Reisen nach Ferrara und Bologna und möglicherweise auch nach Rom und Florenz.

1509 erwarb Dürer das Haus in der Zisselgasse, er wurde „Genannter des großen Rats“ (einflussreiche Zunftvertreter und Gewerbetreibende, die vom eigentlichen Rat der Stadt Nürnberg ernannt wurden und diesen bei Gericht vertreten durften). Im darauf folgenden Jahr erhielt Dürer den Auftrag der Fuggerfamilie zu Entwurfsarbeiten für die Fuggerkappelle in St. Anna zu Augsburg, im nächsten Jahr erschien die Ausgabe der vier Holzschnittbücher: Apokalypse, Marienleben, Große und Kleine Passion. Wieder zwei Jahre darauf wurde Dürer „kaiserlicher“ Maler des Kaisers Maximilian I., der ihm eine jährliche Leibrente in Höhe von 100 Gulden als städtischen Steuernachlass gewährte. Zusammen mit Lukas Cranach, Albrecht Altdorfer und Hans Baldung Grien arbeitete er am kaiserlichen Gebetbuch (1515). Im Jahre 1516 wurde Dürer Mitglied in der von Nürnberger Ratsherren gegründeten vorreformatorischen Vereinigung „Sodalitas Staupitziana“.

Nach dem Tod des Kaisers Maximilian I. 1519 wollte die Stadt Nürnberg Dürers Leibrente nicht weiter zahlen und forderte eine Bestätigung des neuen Kaisers. So begab sich Dürer, zumal im Jahr darauf die Pest in Nürnberg wieder ausbrach, auf eine Reise in die Niederlande, diesmal in Begleitung seiner Ehefrau Agnes und seiner Magd Susanna. Stationen der Reise waren Bamberg, Mainz, Frankfurt am Main und Köln. Der Künstler nahm alle Kupferstiche und Holzschnitte neu ausgedruckt auf die Reise mit und erhielt große Ehrungen. In Antwerpen porträtierte er Erasmus von Rotterdam. Er traf Margarethe von Österreich und König Christian von Dänemark. An der Krönung Kaisers Karl V. in Aachen nahm Dürer teil und erhielt schließlich die Bestätigung für sein Leibgedinge, unter anderem auch auf Empfehlung des obersten Kurfürsten Kardinal Albrecht von Brandenburg. Ende des Jahres 1520 infizierte sich Dürer in Seeland mit Malaria.

1524 gewährte Dürer der Stadt Nürnberg ein Darlehen von 1000 Gulden. Die aus der Verzinsung von fünf Prozent resultierende jährliche Auszahlung von 50 Gulden wandelte die spätere Witwe Agnes Dürer in ein Stipendium für Theologiestudenten in Wittenberg um.

1526 stiftete Dürer seiner Heimatstadt die Gemäldetafeln „Vier Apostel“ zu seinem Andenken. Er arbeitete trotz der schwerer werdenden Krankheit an seinen Lehrbüchern. Albrecht Dürer starb am 6. April in Nürnberg und wurde auf dem dortigen Johannesfriedhof beigesetzt. Noch vor seinem Tod erschien seine „Befestigungslehre“, danach wurden die „Vier Bücher von menschlicher Proportion“ veröffentlicht.

Albrecht Dürer blieb sein Leben lang seiner Heimatstadt Nürnberg verhaftet. Mit der Reformation gibt es jedoch eine ideelle Verbindung zwischen ihm und unserer Region. Dürer war begeistert von den Ideen Luthers und verfolgte die Bewegung mit größtem Interesse, er schickte dem Reformator auch persönlich Grafiken als Geschenk. Es ist nicht sicher, ob die beiden sich auf Luthers Reise zum Augsburger Verhör in Nürnberg im Oktober 1518 begegneten.

Unter den zahlreichen Fürsten, die Albrecht Dürer porträtierte, befand sich auch Luthers Gegenspieler, Kardinal Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und von Mainz. Auf den Reichstagen in Nürnberg 1519 und 1522 porträtierte Dürer den Kardinal, den er in einem Brief „meine[n] gnädigsten Herrn von Mainz >Kurfürst Kardinal Albrecht von Brandenburg< “ nannte. Der Künstler schickte dem Fürsten jeweils eine große Anzahl von Abzügen und wurde reichlich dafür belohnt. Dürer kam nie nach Halle, aber seine Kupferstiche des Kardinals wurden auch hier im Erzbistum Magdeburg verbreitet.

Bereits zu Lebzeiten galt Albrecht Dürer als bedeutendster deutscher Künstler, von dem sich heute etwa 120 Gemälde, 350 Holzschnitte, rund 100 Kupferstiche und um die 1200 Zeichnungen sowie drei kunsttheoretische Schriften erhalten haben.


Quelle:
Rebel, Ernst: Albrecht Dürer. Maler und Humanist, München 1996.
Hansmann, Ruth: „Zwischen Medaille, Grafik und Malerei – zu kulturellen Transferprozessen in höfischen Porträtkonzepten.“ (http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/index.php)